18:26 22 November 2019
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    Vernichtendes Urteil: Größte US-Bank schockt mit Dollar-Prognose

    © REUTERS / Eduardo Munoz
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    Bei Finanzberatungen und Ratschlägen der Banken gibt es offenbar einen Klassenunterschied – sehr Reiche erhalten in der Regel andere Informationen als der einfache Sparer. Interessant wird es, wenn Informationen für sehr reiche Kunden einer einflussreichen US-Bank offen zugänglich sind, wie es kürzlich mit dem Bericht von JP Morgan der Fall war.

    Banker der JP-Morgan-Einheit Private Banking (für Kunden, die mindestens über ein Dutzend Millionen Dollar verfügen) riskieren nichts – ihre Prognosen unterscheiden sich so stark von den Hauptthesen der US-Propaganda und der offiziellen Position der meisten westlichen Finanzstrukturen, dass selbst jene einfachen Amerikaner, die sie auf der Webseite der Bank lesen werden, ihnen kaum Glauben schenken und einen Vorteil daraus ziehen würden. Sollte sich die schockierende Prognose der Bank bewahrheiten, ist das positive PR für das Geldhaus.

    Wenn man den analytischen Artikel der JP Morgan in einigen Thesen zusammenfasst, ergibt sich folgendes: Die wichtigste These ist, dass sich das Machtzentrum der Weltwirtschaft nach Asien verschiebt, was unverzüglich zu ernsthaften Veränderungen in der Weltwirtschaft im Ganzen und des internationalen Währungssystems führen wird. These zwei: Der Dollar könnte allmählich seinen Status als wichtigste globale Währung verlieren und anschließend weiter an Wert einbüßen, wobei wohlhabende Investoren mit US-Aktiva auf hohe Risiken stoßen werden. 

    These drei: Die Zahlungssysteme, die versuchen, den Dollar zu umgehen, sind eine große Bedrohung für den US-Dollar. Die sich im Wandel befindliche Weltwirtschaft bewegt Kontrahenten der USA zu effektiven Wegen des Kampfes gegen die Dollar-Herrschaft im internationalen Finanz- und Handelssystem.

    Wären diese Thesen ohne Angaben der Autoren veröffentlicht worden, könnte man zum Schluss kommen, dass sie von einem chinesischen, russischen oder europäischen Thinktank stammen. Doch so eine pessimistische Prognose zu den Aussichten der US-Wirtschaftshegemonie wurde von einer der einflussreichsten US-Banken erstellt.

    Bemerkenswert ist, dass das neue Machtzentrum in Asien laut JP Morgan sich wahrscheinlich auch auf Russland ausdehnt. Analysten skizzieren die geografischen Grenzen dieses Teils der Welt, der die Lokomotive des globalen Wirtschaftswachstums sein wird. „Neben China haben auch die Wirtschaften Südostasiens, darunter Indien, ernsthafte langfristige positive Faktoren, die mit einer jüngeren Demografie und sich verbreitendem technologischen Know-how verbunden sind. So deckt die asiatische Wirtschaftszone – von der Arabischen Halbinsel und der Türkei im Westen bis Japan und Neuseeland im Osten, und von Russland im Norden und Australien im Süden derzeit 50 Prozent des globalen BIP und zwei Drittel des globalen Wirtschaftswachstums.

    Von dem berechneten Anstieg des Konsums der Mittelschicht in Höhe von 30 Bio. Dollar von 2015 bis 2030 würde vermutlich nur eine Bio. Dollar auf die heutige westliche Wirtschaft entfallen. Mit dem Wachstum dieser Region wird der Anteil der Operationen, die nicht mit US-Dollar verbunden sind, unverzüglich wachsen, was anscheinend zum Rückgang der Rolle von US-Dollar als globale Reservewährung führen wird, auch wenn der Dollar nicht durch eine (andere) dominierende internationale Währung ersetzt wird“.

    Wenn man die Position der JP-Morgan-Experten zynisch betrachtet, gilt die Regel: „Es spielt keine Rolle, was der Experte sagt, wichtig ist, was er macht“. Während US-Banker höflich über Dollar-Risiken sprechen, die möglicherweise entstehen werden, sieht das Bild auf der praktischen Ebene viel klarer aus. Der Bericht endet mit einem entschlossenen Aufruf, den persönlichen Berater zu kontaktieren, um zu besprechen, wie der Anteil der Dollar-Aktiva durch den Erwerb der anderen Währungen und Gold gesenkt werden kann. „Angesichts des ständigen und wachsenden Defizits in den USA (sowohl im Haushalts- als auch im Außenhandelsbereich) meinen wir, dass der US-Dollar verwundbar für Wertverluste im Vergleich zu einem mehr diversifizierten Korb sein kann, darunter Gold.

    Wenn wir die Kunden-Portfolios analysieren, sehen wir, dass viele von ihnen deutlich mehr dem Risiko einer Dollar-Abwertung ausgesetzt sind. In dieser Etappe des Wirtschaftszyklus meinen wir, dass das Währungs-Portfolio diversifizierter sein muss. In vielen Fällen wird unsere Empfehlung anscheinend darin bestehen, das Gewicht anderer Währungen der G10, asiatischer Währungen und Golds zu erhöhen“.

    Es entsteht der Eindruck, dass in diesem Bericht de facto zugegeben wird, dass es nicht mehr einen kollektiven und durch gemeinsame Interessen vereinigten Westen gibt. Die Auseinandersetzung zwischen Washington und Brüssel wird auch nicht nach dem Abgang der aktuellen US-Administration enden.

    Banker weisen darauf hin, dass sich für den Euro als Konkurrent des Dollars auf dem globalen Finanz- und Ölmarkt sowohl Vertreter der Europäischen Zentralbank, als auch der Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich aussprechen.

    Die Welt, an die wir uns in den vergangenen 30 Jahren gewöhnt haben, ist nicht mehr die gleiche. Alte Allianzen zerfallen, alte Herrscher werden schwächer, der Mittelpunkt der Wirtschaftsaktivität verschiebt sich nach Asien. In diesem Kontext könnten US-Patrioten wohl US-Bankern und sehr reichen Kunden Panikmache, Verrat und Kapitalflucht vorwerfen, doch in diesem Falle würde die wahrscheinlichste Antwort lauten:  Zum rechten Zeitpunkt fliehen ist kein Verrat, sondern eine Vorhersage.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    JP Morgan, Prognose, Dollar, USA