00:11 21 November 2019
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    Kämpfer der Befreiungsarmee des Kosovo (Archiv)

    Kosovo-Befreiungsarmee: Von Terroristen zu verklärten Helden – und zurück

    © AP Photo / VISAR KRYEZIU
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    Seit mehr als 20 Jahren romantisieren die meisten westlichen Mitglieder der Weltgemeinschaft die Kämpfer aus der Kosovo-Befreiungsarmee (Ushtria Çlirimtare e Kosovës, UCK) als Helden. Von romantischen Märchen vom Kampf für die Freiheit und gegen die „bösen Serben“, die allmählich desavouiert werden.

    Die Situation wandelt sich allmählich: Die früheren Anführer dieser „Befreiungsarmee“, die inzwischen an der Spitze des selbsternannten Landes stehen, wurden nach Den Haag bestellt, und zwar als Angeklagte und Zeugen von schweren Verbrechen, die zum romantischen Märchen vom Kampf für die Freiheit und gegen die „bösen Serben“ gar nicht passen.

    Dabei ist nicht zu vergessen, dass das US-Außenministerium die Kosovo-Befreiungsarmee anfangs zu den ausländischen terroristischen Organisationen gezählt hatte.

    Als erster hatte der schweizerische Diplomat, Sonderberichterstatter des Europarats, Dick Marty, in seinem Bericht im Jahr 2010 vermutet, dass es sich bei der UCK in Wahrheit um eine kriminalisierte terroristische Struktur handelt, die schreckliche Verbrechen auf dem serbischen Territorium begangen hatte. Sein Bericht war nämlich der Ermittlung von bezahlten Morden, Entführungen und dem Handel mit menschlichen Organen im Kosovo in den späten 1990er-Jahren gewidmet.

    In letzter Zeit wurde die Weltgemeinschaft dank der Arbeit der Sonderstaatsanwaltschaft für Ermittlung von Kriegsverbrechen der UCK wieder aufmerksam auf dieses Thema. Der Rücktritt des Ministerpräsidenten der selbsternannten Republik und seine Reise nach Den Haag sind nicht unbemerkt geblieben.

    Der frühere Vizepremier Serbiens und Leiter des Koordinierungsrats für den Kosovo und Metochien, Nebojsa Covic, erzählte Sputnik über die „Mutation“ der kosovarischen Feldkommandeure, die nach der teilweisen Anerkennung der Unabhängigkeit Pristinas Politiker geworden sind.

    Covic verwies darauf, dass westliche Massenmedien seit den Balkan-Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und bis zu den Nato-Bombenangriffen gegen Serbien 1999 eine massive Kampagne geführt hatten, deren Ziel in der Verleumdung der Serben bestanden habe, die als Aggressoren und deren Gegner als Opfer dargestellt worden seien. Allerdings verändere sich die Situation um das Image von Belgrad und Pristina allmählich.

    „Das ist nicht leicht und verlangt eine gewisse Zeit, aber die Situation wird allmählich anders. Erinnern Sie sich einmal an die mediale Kampagne im Vorfeld der Bombardements: Das alles wurde von den Protektoren des Projekts ‚Unabhängiges Kosovo‘ ausgedacht und umgesetzt – von den USA, Großbritannien und Deutschland“, betonte der Experte.

    Es sei dem US-Diplomaten Richard Holbrooke (der sich in den späten 1990ern für die Unabhängigkeit des Kosovo besonders intensiv engagierte) und seinen Gleichgesinnten zu verdanken, dass sich die Serben über Nacht in blutrünstige Mörder und Gewalttäter verwandelt haben, während die UCK-Kämpfer nicht mehr als Terroristen, sondern als Patrioten dargestellt worden seien, ergänzte Covic.

    „Befreiungsarmee… Wovon oder von wem befreite sie jemanden? Wenn ich das sage, will ich keineswegs die Fehler unserer damaligen Politik schönreden, aber die UCK war keine Befreiungsarmee. Inzwischen begreifen das auch die Einwohner des selbsternannten Kosovo, und damit meine ich vor allem die Albaner, denn ihnen hätte kaum etwas noch Schlimmeres passieren können. Sie haben eine Macht bekommen, die aus früheren UCK-Feldkommandeuren besteht, die jetzt teure Anzüge, Krawatten und lackierte Lederschuhe tragen“, so der Experte.

    (Die politische Führung des Kosovo besteht fast vollständig aus ehemaligen Feldherren der UCK oder mit ihnen verbundenen zivilen Teilnehmern der Armee: dem Präsidenten Hashim Thaçi, dem Ex-Premier Ramush Haradinaj, dem Parlamentsvorsitzenden Kadri Veseli, dem Verkehrsminister Fatmir Limaj usw.)

    Während der Etablierung der UCK sei nichts zufällig passiert – von der Logistik bis zu Waffenlieferungen, sagte Covic weiter. Die „Befreiungsarmee“ habe die volle Unterstützung der USA und der Nato genossen. Mehr noch: Selbst nach der Verabschiedung der Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrats haben die Amerikaner die kosovarischen militarisierten Kräfte nicht entwaffnet und ihre Ausrufung zur „Kosovo-Armee“ (das passierte im Dezember 2018) nicht verhindert.

    Die serbische Führung sollte jedoch „weise bleiben und Geduld haben“, mahnte Covic. Denn in Übersee gebe es immer noch einflussreiche Vertreter des so genannten „Deep State“, die ihre Überzeugungen, dank denen sie sehr reich geworden seien, nicht so leicht aufgeben wollen.

    „Es ist immerhin schwer, dieses Projekt aufzugeben und einzuräumen, dass der westliche Teil der Weltgemeinschaft einen katastrophalen Fehler begangen hat, indem nicht nur Jugoslawien angegriffen wurde, sondern auch ein halbmilitanter Staat mitten in Europa entstanden ist, der sich auf Terrorismus und Kriminalität stützt“, unterstrich der frühere Leiter des serbischen Koordinierungszentrums für den Kosovo und Metochien.

    Allerdings zeigte sich Covic überzeugt, dass der Trend zur Idealisierung der UCK, der sich im Westen beobachten lasse, früher oder später zunichte gehen würde. Und die Hektik in den Reisen der Kosovo-Führung zeuge davon, dass dies schon passiere. Ob aber der Westen den Mut habe, seine Fehler einzuräumen und die Kriegsverbrechen der Kosovo-Albaner richtig zu ermitteln, werden die Ergebnisse der Ermittlungen des Sondergerichts für Kriegsverbrechen der UCK zeigen, ergänzte der Experte.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Politiker, Terroristen, Kosovo-Befreiungsarmee, Kosovo