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12:08 19 August 2019
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    Bildschirm in der US-Börse in New York am 31. Juli 2019

    Schulden-Super-GAU: 246-Billionen-Bombe für Weltwirtschaft

    © REUTERS / BRENDAN MCDERMID
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    Natalja Dembinskaja
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    Die globalen Schulden haben die Marke von 246 Billionen Dollar erreicht. Das ist ein absoluter Rekord, der um mehr als das Dreifache höher als das globale BIP ist. Wirtschaftsexperten warnen – wenn die Schuldenbombe explodiert, wird die Krise noch schlimmer als 2008 sein.

    Warum die Situation sich einer kritischen Grenze angenähert hat, erfahren Sie in diesem Artikel.

    Woher kommen die vielen Schulden?

    Wie es im Bericht des Institute of International Finance (IIF) heißt, stiegen die globalen Schulden im ersten Quartal im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres um drei Billionen Dollar und verzeichneten damit einen neuen Rekord von 246 Billionen. Das sind fast 320 Prozent des globalen BIP.

    In den Industrieländern sind die Schulden um 1,6 Billionen auf 177 Billionen Dollar gestiegen. Die größte Menge entfällt traditionell auf die USA, wo sich ein Schuldenberg von 69 Billionen Dollar angehäuft hat. 22 Billionen davon sind Staatsanleihen, die dank des großen Appetits der Regierung weiter zunehmen.

    Das Bipartisan Policy Center (BPC) erinnerte im Juli daran, dass bereits im September die Zahlungsunfähigkeit der USA droht, wenn die Kongressmitglieder die Schuldenobergrenze nicht noch einmal anheben. Sie wurde bereits erhöht. Weitere Einschränkungen wurden auf den 31. Juli 2021 verschoben. Es wurde der Regierung also erlaubt, ungehindert Schulden anzuhäufen. Laut US-Finanzministerium werden die aktuellen Anleihen bereits das zweite Jahr in Folge bei mehr als eine Billionen Dollar liegen.

    IIF-Analysten stellen fest: Riesige und unkontrollierbare Schulden sind das Ergebnis einer verantwortungslosen Politik der Zentralbanken, die gerne Geld drucken und Kredite vergeben. Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen leihen das Geld für die Wirtschaftsentwicklung. Wenn es kein Wachstum gibt, leihen sie noch mehr, was durch niedrige Zinssätze der größten Zentralbanken gefördert wird. Bereits vor der Abschwächung der monetären Politik der US-Notenbank Fed wurden die Zinssätze von einigen Zentralbanken der Entwicklungsländer gesenkt.

    Nehmen, so lange gegeben wird

    Laut IIF sind es gerade die Schwellenländer, die den größten Beitrag zum Anstieg der globalen Schulden leisteten – ihre Schuldenlast liegt bei mehr als 69 Billionen Dollar – 216,4 Prozent des BIP. Das größte relative Wachstum wird in Chile, Südkorea, Brasilien, Südafrika und Pakistan verzeichnet. Der größte Teil entfällt auf den Unternehmenssektor, der nach den Schulden bereits das gesamte BIP von 30 Entwicklungsländern erreichte – 92,6 Prozent.

    Mit dem ungehinderten Zugang zu Kapitalmärkten wuchsen innerhalb von 20 Jahren die Unternehmensschulden in den Entwicklungsländern um 50 Prozent.

    „Das Problem besteht darin, dass diese Kreditnehmer keine ausreichende Erfahrung der Steuerung der Schulden im Laufe mehrerer Wirtschaftszyklen haben. Sobald ein Rückgang beginnt, häufen sich bei Unternehmen Schuldverschreibungen an, die schwer zu tilgen sind“, so IIF-Experten.

    Chinesische Gefahr

    Die größten Besorgnisse hängen mit China zusammen, wo sich die Wirtschaft seit vielen Jahrzehnten dank neuer Kredite entwickelt. Im Ergebnis sind die Schulden um das Vierfache auf fast 300 Prozent des BIP gestiegen. Der Unternehmenssektor, wo Staatsunternehmen überwiegen, lieh 21 Billionen Dollar – 155 Prozent des BIP. Das sind fast zwei Drittel der gesamten Schulden. Zum Vergleich: Die Unternehmensschulden Japans belaufen sich auf 100 Prozent des BIP, die der USA auf 74 Prozent.

    Um das Ausmaß des Problems einzuschätzen, sollte man den Blick auf den Markt der Unternehmensanleihen werfen. 2018 verfügte China über solche Papiere im Wert von 1,72 Billionen Dollar – eine größere Kennzahl haben nur die USA mit 5,81 Billionen. In diesem Jahr wurden 42 Prozent der Unternehmensschulden der Entwicklungswirtschaften von chinesischen Unternehmen gesichert, was das Risiko der Insolvenzen in der nächsten Zeit deutlich erhöht.

    Schon jetzt lassen viele Unternehmen Zahlungsunfähigkeit bei Staatsanleihen zu, indem sie sich bankrott erklären. Im vergangenen Jahr erklärten in China 18.000 Firmen den Bankrott, die Insolvenzen bei Staatsanleihen stiegen um das Fünffache im Vergleich zu 2015. Im Jahr 2019 ist ein weiterer Rekord zu erwarten.

    Das hohe und instabile Niveau der Schuldenlast Chinas könnte zu massiven Unternehmenspleiten führen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zuvor mit.

    „Die Verlangsamung des Wachstums und die steigenden Ausgaben für die Finanzierung erschweren die Bedienung der Schulden und können zu Insolvenzen führen. Das würde die Rentabilität der Banken beeinflussen und Probleme mit der Liquidität nach sich ziehen“, hieß es in der Organisation.

    Wirtschaftsexperten sind sich sicher, dass die jetzige Lage darauf hinweist, dass die Schuldenbombe unter der chinesischen Wirtschaft bereits raucht. Zu hohe Kredite vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Verlangsamung sind ein eindeutiges Zeichen für Rezession. Ein ähnliches Bild war zum Beispiel vor der globalen Finanzkrise 2008 zu erkennen. An einem gewissen Zeitpunkt wird die globale Wirtschaft es einfach nicht mehr schaffen, die großen und unlenkbaren Schulden zu verdauen. Die kommende Krise wird deutlich härter sein und zur massiven Verelendung, starker geopolitischer Instabilität, sozialen Unruhen und Kriegen führen, warnen Experten.

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    Tags:
    US-Notenbank FED, Kredite, Schulden, Staat, China, USA