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12:24 19 August 2019
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    Journalisten der Deutschen Welle (Archiv)

    Neutrale Berichterstattung: Mischt sich Deutsche Welle in innere Angelegenheiten Russlands ein?

    © Sputnik / Maxim Bogodwid
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    Sascha Konkina
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    Nach den jüngsten nicht genehmigten Protestaktionen in Moskau versuchen viele Medien, Russland als einen „repressiven“ Staat darzustellen. Bei der Deutschen Welle geht es auch nicht mehr darum, Fakten zu präsentieren, sondern um die Haltung. Dabei kommt es beinahe zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands.

    „Die Angebote der Deutschen Welle sollen deutschen und anderen Sichtweisen zu wesentlichen Themen vor allem der Politik, Kultur und Wirtschaft sowohl in Europa als auch auf anderen Kontinenten ein Forum geben mit dem Ziel, das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern“, lautet Paragraph 4 des „Gesetzes über die Rundfunkanstalt des Bundesrechts ‚Deutsche Welle´ (Deutsche-Welle-Gesetz – DWG)“.

    Unter anderen Sichtweisen soll die russische Redaktion der Deutschen Welle aber nur pro-westliche oppositionelle Kräfte verstehen. Wer Russland kritisiert und sanktioniert, bekommt das Wort. Insbesondere die Organisation „Offenes Russland“ von Michail Chodorkowski und der Fonds für die Bekämpfung der Korruption von Alexei Nawalny bekommen sehr viel Aufmerksamkeit. Aber das ist das Recht eines jeden Mediums, sich Interviewpartner auszuwählen und dadurch die Vielfalt der Meinungen selbst zu bestimmen. Doch nach den jüngsten nicht genehmigten Demonstrationen in Moskau ging die Deutsche Welle noch einen Schritt weiter.

    „Moskau, geh raus!“

    „Moskau, geh raus!“, schrieb am 27. Juli die Deutsche Welle auf ihrem russischen Twitter-Account hinsichtlich der jüngsten Proteste der Opposition.

    Es kann ja wohl sein, dass der Sender nur die Worte der Demonstranten erläutert, darauf gibt es jedoch keinerlei Hinweis.

    „Ich denke, das ist ein phänomenaler Patzer für die westlichen Medien und Journalisten, wenn die Deutsche Welle solche Aufrufe auf Russisch veröffentlicht wie ‚Moskauer, gehen Sie raus!‘“, kritisierte am Sonntag die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, die „antijournalistische“ Berichterstattung der „Deutschen Welle“. Moskau werde gezwungen sein, Deutschland über seine Bedenken sowie geplanten Maßnahmen in dieser Situation in Kenntnis zu setzen. „Denn es handelt sich um einen Sender, der staatlich finanziert wird.“ Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr, teilte heute mit, dass die Äußerungen des russischen Auswärtigem Amtes zur Kenntnis genommen worden seien.

    „Wenn wir uns anschauen, wie andere Staaten ihre Auslandssender finanziell ausstatten und zum Teil auch ganz bewusst Einfluss auf die Meinungsbildung in Deutschland nehmen wollen, ist doch klar: Die Deutsche Welle muss als wichtige Stimme der freien Welt wahrnehmbar sein“, sagte einmal der Vorsitzende des CDU-Netzwerkes „Medien und Regulierung“ und Mitglied des DW-Rundfunkrats, Marco Wanderwitz.

    Diese Aufgabe versteht die Deutsche Welle auf ihre Art. Auf dem Twitter-Account der Deutschen Welle findet man dutzende Fotos der Proteste und kurze Videos von polizeilichen Handlungen. Die Tatsache, dass die Proteste nicht genehmigt wurden und dass es zahlreiche Provokationen gab, thematisierte der DW-Korrespondent kaum. Der Hintergrund der Aktion sowie auch der analytische Anteil stellte offenbar kein Interesse für die Redaktion dar. Das alles wird in den Beiträgen allerdings nicht hinterfragt. Was offenbar gefragt ist, sind die odiosen Kommentare der DW-Autoren über die „Kreml-Kopfjäger“ (so werden dort die Sicherheitskräfte bezeichnet) und den „Repressionsapparat“ ohne jeglichen Versuch, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.

    Nicht die erste Einmischung?

    Noch im Jahr 2017 verfasste die Deutsche Welle einen Artikel mit dem Titel „Fünf Strategien des Protestverhaltens bei den Präsidentschaftswahlen in Russland“, wo man den russischen Wählern riet, ihre Stimmzettel ungültig zu machen, sie mit nach Hause zu nehmen, anstatt sie in die Urne zu werfen, oder die Wahlen ganz zu meiden. Eine weitere Variante, die die Autoren vorschlugen, war, dass die Wähler sich für eine Fernabstimmung anmelden und dann nicht von ihr Gebrauch machen. Eine Notlösung wäre das Abstimmen für einen Kandidaten, der „weniger negative Emotionen hervorruft“, um die Gewinnspanne des späteren Gewinners zu verringern. Sind diese Boykottanweisungen zu den russischen Präsidentschaftswahlen etwas anderes als ein Versuch, sich in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen?

    DW weist alle Vorwürfe zurück

    „Die Berichterstattung der Deutschen Welle (DW) über die Proteste scheint der Führung in Moskau ein Dorn im Auge zu sein“, schreibt der Sender auf seiner Website. Die DW habe in keinem veröffentlichten Artikel oder Beitrag zur Teilnahme an den Protesten in Russland aufgerufen.

    Wieder und wieder weist die Deutsche Welle darauf hin, dass ihre Aktivitäten zur Stärkung einer unabhängigen Berichterstattung beitragen. Unabhängig von wem und wovon - das ist hier die Frage. Vielleicht bedeutet das, dass der Leser sich selbst und unabhängig seine Meinung bilden soll. Diese Aufgabe kann aber schwierig sein, wenn die Berichterstattung ihm keine Wahl lässt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Einfluss, Deutsche Welle, Deutschland, Moskau, Proteste, Russland