04:00 16 Dezember 2019
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    US-Präsident Donald Trump während seiner Rede zum Handelskrieg mit China beim Governors Ball

    Trump in Rage: China kontert mit Yuan-Abwertung auf Zölle

    © REUTERS / Alexander Drago
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    Peking hat den Kurs der Nationalwährung auf weniger als sieben Yuan pro Dollar gesenkt – der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Damit reagieren die Chinesen auf die neuen Zölle Washingtons im Handelskrieg.

    Welche Folgen diese Maßnahme und welche Instrumente China hat, um Trump zu bändigen – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Rekord-Abwertung

    Der Handelskrieg war quasi beinahe beigelegt – Peking und Washington nahmen die Verhandlungen wieder auf. Doch nach weniger als einem Monat - am 1. August - kündigte Trump die Einführung zehnprozentiger Einfuhrzölle für Waren aus China im Gesamtwert von 300 Mrd. Dollar an. Also das sind de facto die Zölle für die ganze gebliebene chinesische Importmenge. Der Grund sei das gebrochene Versprechen Chinas, wieder vermehrt US-Landwirtschaftserzeugnisse zu kaufen. Trumps Ankündigung erschütterte die Finanzmärkte weltweit. Den Anlegern wurde damit signalisiert – der Handelskrieg geht in eine akute Phase über. Die asiatischen  Handelsplattformen brachen ein, US-Indexe rutschten ab, Öl verlor sieben Prozent an Wert. Auch der russische Rubel sank auf seinen niedrigsten Stand seit zwei Monaten.

    China reagierte prompt. Am Montag erreichte der Yuan seinen niedrigsten Stand seit 2008. Dazu war es gekommen, nachdem Chinas Notenbank den durchschnittlichen Wechselkurs auf 6,9225 Yuan pro Dollar festlegte.

    Trump, der seit langem darüber besorgt ist, dass China absichtlich den Yuan-Kurs senkt, wobei das Exportgeschäft billiger gemacht und das Handelsungleichgewicht mit den USA erhöht wird, schäumte vor Wut. „China ließ den Kurs der Nationalwährung fast auf den historischen Tiefpunkt fallen. Das nennt man Währungsmanipulation. Fed, hört ihr? Das ist ein ernsthafter Verstoß, der mit der Zeit China stark schwächen wird!“, schrieb er auf Twitter.

    Laut Bloomberg ist die Abwertung der Nationalwährung ein klares Zeichen, dass Peking eine „harte Position“ eingenommen hat.

    Landwirte müssen warten

    Peking beschränkte sich nicht mit einem „Währungsschlag“. Kurz nachdem Trump die Zölle angekündigt hatte, verbot China den Staatsunternehmen, US-Landwirtschaftserzeugnisse zu kaufen. Für den Agrarsektor der USA, der den stärksten Rückgang seit 30 Jahren erlebt, ist das eine sehr schlechte Nachricht. Die Landwirte gehen pleite, die meisten von ihnen befinden sich in der tiefsten Schuldenfalle seit der Landwirtschaftskrise der 1980er Jahre. Viele arbeiten mit Verlust, ohne Chancen, ihre Schulden in dieser Saison tilgen zu können. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums kletterte der Schuldenberg der Landwirte auf 409 Mrd. Dollar – innerhalb eines Jahres stiegen sie um 24 Mrd. Der von Trump entfachte Handelskrieg gegen China verschärft die Lage dramatisch. Von den Gegenmaßnahmen für die Landwirtschaftserzeugnisse sind vor allem Hersteller von Sojabohnen und Mais betroffen, die seit Jahrzehnten ihre Ernte nach China liefern. So wurden die Soja-Lieferungen nahezu gestoppt. Landwirte verfolgten die Konfrontation mit Chinesen, bei der ein fragiler Waffenstillstand zu erkennen war. Das Ende des Handelskriegs würde die Rückkehr von Soja, Mais, Schweinefleisch, Milchprodukten aus den USA auf den riesigen chinesischen Markt bedeuten. Das heißt auch, das lang erwartete Einkommen und faktisch die einzige Chance für die meisten Landwirte zu bekommen, ihre Schulden abzubauen. Nun müssen diese Hoffnungen bis auf bessere Zeiten verschoben werden.

    Nach Bloomberg-Angaben stellten chinesische Staatsunternehmen bereits den Erwerb von Erzeugnissen ein und warten auf die Ergebnisse der Handelsverhandlungen.

    „China verzichtet auf eine mildere diplomatische Strategie und will nicht mehr ein Boxsack für Trump sein. Die Drohungen mit neuen Zöllen verschlechtern nur die Lage und führen zu einem großangelegten Handelskrieg“, so Wirtschaftsexperten von Maybank Kim Eng Research Pte.

    Alles hängt von der Saison ab

    Der schwächere Yuan macht chinesische Waren billiger für US-Käufer, was den Effekt der Zölle kompensiert. Allerdings wird die chinesische Zentralbank die Nationalwährung vorsichtig abwerten und kaum eine massive Abwertung veranlassen, so Experten.

    „China braucht den Kapitalabfluss nicht, was zu einer weiteren Abwertung der Währung führen kann, weshalb Peking kaum eine starke Abwertung des Yuan und einen potentiell destabilisierenden Ausverkauf zulassen wird“, so Analysten von Standard Chartered.

    Doch Peking hat Handlungsspielraum. China exportiert in die USA deutlich mehr als es importiert. Im Laufe des anderthalbjährigen Handelskonflikts versuchten die Behörden, eine starke Yuan-Abwertung zu vermeiden. Jetzt wurde aber zu verstehen gegeben, dass die Handlungen Trumps nicht unbeantwortet bleiben werden.

    „Die Abschwächung der Währung erfolgte wegen der Folgen der einseitigen protektionistischen Handelsmaßnahmen und Erwartungen bezüglich der Zölle gegen China“, heißt es in der Erklärung der Volksbank Chinas. Doch wie die chinesische Volksbank betonte, ist ein solcher Rückgang des Yuan ein nicht unumkehrbares Ereignis. Das ähnelt eher dem Wasserpegel in einem Wasserbecken, der je nach Saison steigt und sinkt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Dollar, US-Dollar, Yuan, Handelskrieg, China, USA, Donald Trump