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05:24 20 Oktober 2019
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    Ölraffinerie in Texas (Archivbild)

    Ölpreise im Abwärtsstrudel: Hält der Rubel stand?

    © REUTERS / NICK OXFORD
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    Die Ölpreise sind dieser Tage erstmals seit Januar auf 56 Dollar pro Barrel zurückgegangen. Der Preisabfall lässt sich vor allem auf die jüngste Verschärfung des Handelskriegs zwischen den USA und China zurückführen.

    Analysten schließen einen weiteren Rückgang der Preise für das „schwarze Gold“ bis Ende dieses Jahres nicht aus, und zwar auf 50 Dollar pro Barrel – und im schlimmsten Fall noch niedriger. 

    Warum sind die Ölpreise eigentlich gesunken?

    Die Ölpreise gehen schon seit Anfang August nach unten – vor allem wegen der Eskapaden des US-Präsidenten Donald Trump, der neue zehnprozentige Importzölle für chinesische Waren für 300 Milliarden Dollar ankündigte. Zusätzlich spitzte sich die Situation zu, als die chinesische Volksbank (Notenbank) im Gegenzug den Wechselkurs der nationalen Währung senkte – auf sieben Yuan für einen Dollar.

    Marktteilnehmer hatten plötzlich Angst vor einem Rückgang der Ölnachfrage wegen der möglichen neuen Anspannung der Beziehungen zwischen Washington und Peking sowie wegen der damit verbundenen Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Der Preis für die Ölsorte Brent ging auf unter 57 Dollar pro Barrel zurück.

    Allerdings sind für die Ölpreise nicht nur die Panik auf dem Markt, sondern auch fundamentale Gründe negativ. Einer der wichtigsten besteht in einem Überangebot wegen der intensiven Ölförderung in den USA.

    „Die USA bauen die Ölförderung intensiv aus – doppelt so schnell wie die Teilnehmer des OPEC+-Deals sie reduzieren“, stellte die Chefanalystin der russischen Promswjasbank, Jekaterina Krylowa, fest.

    Die Internationale Energieagentur (IEA) hat bereits gewarnt, dass das Ölangebot auch weiter schnell zulegen werde, so dass eine wesentliche Dysbalance entstehen werde. IEA-Experten glauben, dass die Bemühungen im Rahmen des OPEC+-Deals nicht genügend seien. Im Juli haben seine Teilnehmer das Abkommen über die Kürzung der Ölförderung (im Vergleich zum Oktober 2018) bis März 2020 verlängert. Russland hat dabei seine Förderung um 228 000 Barrel pro Tag reduziert. Im Mai wurde diese Aufgabe sogar übererfüllt, nicht zuletzt wegen der provisorischen Unterbrechung des Betriebs der Pipeline „Druschba“. Man muss aber feststellen, dass von insgesamt 21 Teilnehmern des OPEC+-Deals nur neun Länder ihre Verpflichtungen vollständig erfüllen.

    Auf 50 pro Barrel

    Die Experten schließen nicht aus, dass die OPEC+-Teilnehmer angesichts der wachsenden Ölförderung in den USA die Quoten für die Kürzung der Ölförderung von den aktuellen 1,2 Millionen auf 1,7 Millionen Barrel pro Tag aufstocken könnten. Und das Abkommen selbst könnte ihnen zufolge bis Ende 2020 verlängert werden. Aber diese Entscheidung könnte erst im Dezember getroffen werden – in der nächsten OPEC+-Sitzung.

    „Angesichts dessen erwarten wir eine allmähliche Senkung der Ölpreise auf 50 Dollar pro Barrel bis Ende des Jahres“, sagte man bei der Promswjasbank.

    Ein heftiger Absturz der Ölpreise ist allerdings kaum zu erwarten, aber auch ein negativeres Szenario lässt sich nicht ausschließen. Es könnte nämlich durch eine Erhöhung der Importzölle für chinesische Waren in Amerika von zehn auf 25 Prozent provoziert werden, womit Trump schon gedroht hat.

    Dennoch zweifeln viele Branchenkenner daran, dass der US-Staatschef wirklich bereit ist zu einer neuen Anspannung der Beziehungen mit dem Reich der Mitte. Da in Übersee im kommenden Jahr eine neue Präsidentschaftswahl stattfindet, denkt Trump immerhin an die Situation auf den Finanzmärkten.

    „Trump ist nicht nur ein Politiker, sondern vielmehr ein Dealmaker: Er mag es, die Gegenseite unter Druck zu setzen, dann doch den Rückwärtsgang einzulegen, dann wieder anzugreifen“, sagt Alexej Korenew vom Finanzhaus FINAM. „Das ist einfach sein Stil.“

    „Falls die Finanzmärkte einbrechen, wird Trump einfach aufgefressen“, stimmte Viktor Markow, Analyst von Zerich Capital Management, zu. „Deshalb wird er sich selbst nicht schaden.“ Laut seiner Prognose werden die Ölpreise nach einer kurzzeitigen Senkung auf ungefähr 55 Dollar pro Barrel bald wieder auf 60 Dollar steigen.

    Hält der Rubel stand?

    Auf die Senkung der Ölpreise hat die russische Währung mit einem Rückgang reagiert: auf 65 Rubel für den Dollar und auf 73 Rubel für den Euro. Falls das „schwarze Gold“ tatsächlich billiger wird, müsste man eine Abwertung des Rubels erwarten. Aber für einen Totalabsturz gibt es Experten zufolge keinen Grund.

    „Dafür wären wirklich wichtige Gründe wie beispielsweise die Ereignisse in der Ukraine erforderlich, die damals zu einer heftigen Abwertung führten“, so Experte Markow. „In den letzten drei Jahren belief sich der Rubelkurs auf etwa 60 Rubel für den Dollar. Für den Rubel wäre ein Ölpreis von unter 50 Dollar pro Barrel gefährlich. Aber dafür wären große Erschütterungen nötig, die es aber vorerst nicht gibt.“

    Wichtig ist auch, dass die Korrelation zwischen dem Rubelkurs und den Ölpreisen in letzter Zeit wesentlich geringer wurde. Das lässt sich auf die Umsetzung der so genannten „Haushaltsregel“ zurückführen, der zufolge das Finanzministerium für alle Einnahmen aus dem Ölverkauf bei einem Preis über 40 Dollar pro Barrel ausländische Währungen kauft und an den Haushalt  überweist. Im Falle einer neuen Zuspitzung der Situation würde das Finanzministerium beim Devisenkauf eine Pause einlegen (wie das schon im August 2018 passierte), um den Rubel zu unterstützen.

    Laut der Basisprognose der Promswjasbank wäre eine neue Schwächung des Rubels gegen Ende des Jahres möglich. Dann könnte der Dollar 67 bis 67,5 Rubel kosten – bei einem Ölpreis von etwa 52 Dollar pro Barrel. Für eine heftige Abwertung gibt es keinen Grund“, stellte der „Promswjasbank“-Analyst Michail Poddubski fest.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Rubel, Handelskrieg, USA, China, Russland, Ölmarkt, Ölpreis, Öl