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04:10 23 Oktober 2019
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    Journalisten sitzen im Pressezentrum des Petersburger Wirtschaftsforums während des Auftritts von Wladimir Putin (Archivbild)

    „Putins Maschine“ zerstört Utopie des „schwedischen Sozialismus“

    © Sputnik / Igor Russak
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    Das beinahe populärste Genre, an dem sich die westlichen Journalisten mit viel Verve abarbeiten, ist „die Entlarvung der Verbrechen Russlands im Ganzen und unter anderem Wladimir Putins“. Es ist schwer, ein Problem der westlichen Gesellschaft zu finden, bei dem die westlichen Beobachter keine „Fingerabdrücke Russlands“ finden.

    Die Wahl Trumps, die Vergiftung der Skripals, Brexit, Klimawandel, Flüchtlingskrise in Europa, Multikulti-Krise und Liberalismus, der Mord an einem hochrangigen pädophilen Milliardär, der kompromittierende Materialien gegen Trump und die Clintons hatte, sowie die Verbreitung der Pädophilie in der amerikanischen politischen und wirtschaftlichen Elite der USA – bei allem wird der russische kulturelle bzw. politische Einfluss gesucht bzw. angeblich gefunden – von RT-Videos bis zu den Werken des Schriftstellers Wladimir Nabokow.

    Die einflussreichste und angesehenste US-Zeitung „The New York Times“ eröffnet neue Horizonte des Russlandhasses und berichtet, dass in Schweden eine ganze „Maschine“ entdeckt wurde, die für den Tod der „progressiven Utopie“ dieses Landes verantwortlich ist, in dem rechtsextreme Politiker auf dem Vormarsch sind.

    Die „New York Times“ zeichnet die Gestalt der allmächtigen „Maschine“ als eine Art Thriller: „Den Hintergrund der Entwicklung in Schweden zu entlarven, heißt, die Tätigkeit einer internationalen Desinformationsmaschine aufzudecken, die sich mit dem Kultivieren, Provozieren und Stärken der rechtsextremen, der Anti-Migranten-Stimmung und politischen Kräfte befasst. Diese Maschine, am stärksten verankert in Putins Russlands und bei rechtsextremen Amerikanern, unterstreicht die grundlegende Ironie des aktuellen politischen Moments – die Globalisierung des Nationalismus. Das Hauptziel dieser Manipulationen aus dem Ausland und das Hauptinstrument der schwedischen Nationalisten ist die zunehmend populärer werdende digitale Anti-Migranten-Echokammer.“

    Das Wesen der Vorwürfe besteht darin, dass Schweden wegen der Handlungen Russlands keine „progressive Utopie“ (sprich – sozialistisches Paradies) mehr ist – also ein Land, das man als Todschlagargument bei allen politischen Debatten, auch in den USA, nutzen kann, wobei darauf hingewiesen wird, dass hohe Steuern und ein umfassendes System der Sozialversorgung die Schlüssel zu einem glücklichen Leben sind. US-Journalisten zeigen empört Enttäuschung vom Verhalten der Schweden, die angeblich unter russischem Einfluss immer mehr daran glauben, dass offene Grenzen schlecht und Nationalisten im Parlament gut sind.

    Die „New York Times“ schreibt:

    „Noch bemerkenswerter ist, dass so viele Menschen in Schweden – einem progressiven, egalitären, freundschaftlichen Land – wohl der Meinung der Nationalisten zustimmen, dass Einwanderung zu Kriminalität, Chaos und Ausnutzung des sozialen Schutzsystems und zum Aussterben der nationalen Kultur und Traditionen führt.“

    Als Beweis der russischen Schuld am Niedergang dieses sozialistischen Paradieses wird die folgende „Fakten“-Liste angeführt: Einem schwedischen Anti-Migranten-Journalist wurde die Akkreditierung im Parlament wegen Kontakten mit russischen Geheimdiensten verweigert; ein bekannter schwedischer rechter Aktivist hat Rubel in bar, reiste nach Russland und ist liiert (Wahnsinn!) mit einer Russin. Aber das Wichtigste: Auf rechtsextremen politischen Webseiten wurden Werbebanner einer deutschen Kette für Auto-Zubehör entdeckt, die Russen und Ukrainern gehört.

    Ein weiterer unbestrittener Beweis der russischen Einmischung ist die Tatsache, dass eine schwedische Zeitung Inhalte mit der russischen Nachrichtenwebseite Sputnik austauscht und ein politischer Aktivist für RT schreibt. Zudem wird berichtet, dass russische Journalisten angeblich schwedische Migranten zu Gewaltaktionen angestiftet haben, um eine gute Story daraus machen zu können. Diese Ergebnisse der „New York Times“-Recherche lassen die angesehene Zeitung schlussfolgern, dass „die Hand Russlands in diesen Angelegenheiten überwiegend verdeckt ist, doch es gibt ausreichend Fingerabdrücke“.

    Dass es sich die Journalisten der „New York Times“ so einfach machen, löst fast schon Neid aus, weil sie sich erlauben können, ein solches Machwerk abzugeben. Wenn man die „russische Frage“ ausklammert und jedem PR-Spezialisten die Aufgabe stellt: Es gibt einige geschlossene Gruppen auf Facebook, drei Webseiten, zwei Journalisten, ein Onlineshop für Auto-Zubehör und eine Zwergen-Partei. Diese Partei soll 18 Prozent bei den nächsten Parlamentswahlen holen, würde der PR- Spezialist sagen, man sei verrückt.

    US-Journalisten müssen nach mythischen Erklärungen für Phänomene suchen, für die es ziemlich rationelle und sogar offensichtliche Gründe gibt, die jedoch aus politischen Gründen nicht genannt werden dürfen. So funktioniert das gelobte System der sozialen Versorgung in Schweden unter Einhaltung von zwei strikten Regeln, die mit der Steuerpolitik nichts zu tun haben. Erste Voraussetzung: Vertrauen in der Gesellschaft. Die Gesellschaft muss hundertprozentig sicher sein, dass jene Sozialhilfen und andere Zahlungen bekommen, die zwar arbeiten wollen, dies aber zeitweilig nicht machen können. Zweite Voraussetzung: In der Gesellschaft muss der Anteil jener, die in hochtechnologischen und anderen gut bezahlten Jobs arbeiten, äußert hoch sein – nur dann kann es sich die Wirtschaft leisten, diese immense Steuerlast zu tragen.

    Migranten entsprechen beiden Voraussetzungen nicht und wollen sich prinzipiell nicht integrieren, wobei sie vollwertig aus den Sozialkassen finanziert werden. Es ist nicht verwunderlich, dass dies die Wirtschaftsentwicklung bremst. Die Gesellschaft, die an gegenseitiges Vertrauen, hohes Kulturniveau und die skandinavische Version der „protestantischen Arbeitsethik“ gewöhnt ist, hat einfach keine Wege zu ihrem Schutz. Ein Teil der Gesellschaft glaubt daran, dass die Schweden selbst daran schuld sind (im Sinne: wenn Migranten jemanden vergewaltigen, ist das ausschließlich mit der unfreundlichen gesellschaftlichen Atmosphäre verbunden). Ein anderer Teil ist bereit, sich mit Maßnahmen wie der Verschärfung der Migrations- und Sozialpolitik abzufinden.

    Journalistische Provokationen, die Migranten in Schweden im negativen Licht darstellen mussten, gehen ins Leere. Besonders angesichts der Tatsache, dass die ganze Welt hin und wieder sehen kann, wie Migranten Dutzende Autos in benachteiligten Stadtvierteln in Flammen setzen.

    Wenn US-Journalisten schreiben, das sind alles Erfindungen der „Maschine Putins“, bleiben den einfachen Schweden nicht viele Optionen – den eigenen Augen trauen (und für Nationalisten votieren) oder den Medien glauben, einfach um sich nicht als Rassisten, Fremdenhasser und Geheimdienstagenten zu fühlen. Unter diesen Bedingungen ist es sogar erstaunlich, dass eine Partei, die sich für die Beschränkung der Zuwanderung einsetzt, nur 18 Prozent holt – das westliche System der Unterdrückung von Andersdenken zeigt seine Effizienz.

    Allerdings gibt es auch gute Nachrichten. Die gesamte westliche Propaganda-Maschinerie arbeitet daran, die Amerikaner, Briten, Schweden und alle, die der politischen Korrektheit und den totalen öffentlichen Lügen müde sind, davon zu überzeugen, dass das einzige Land, das mit ihnen sympathisiert und sie nicht als Rassisten bezeichnet, Russland ist.

    Wir hätten eine solche massive Werbekampagne, die auf die Verbesserung des Images unseres Landes unter den politisch aktivsten Bevölkerungsgruppen der westlichen Länder gerichtet ist, nicht kaufen können. Die Position unserer Medien-Opponenten zeigt, dass die Handlungen Russlands keinen Einfluss auf die Inspiration haben, mit der Russland mit Schmutz beworfen wird. Man muss sich auch überhaupt keine Sorgen darüber machen, welch schlechtes Bild von Russland gegenüber den Lesern kreiert wird. Bezüglich des Images des allmächtigen Informations-Imperiums des Übels braucht man sich auch keine Sorgen machen. Ein solches Image kann man offen genießen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Sputnik, RT, Medienattacke, The New York Times, Einmischung, Wladimir Putin, Russland, Schweden