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06:10 20 Oktober 2019
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    Proteste in Hong Kong

    Demonstrationen: Die schärfste Waffe des US-Imperiums?

    © REUTERS / TYRONE SIU
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    Hongkong, Moskau, Kaschmir, Kirgisien: Es rumort auf der ganzen Welt und es kommt zu heftigen Ausschreitungen. Die Spur einiger manipulativer Eingriffe führt, so behaupten zumindest Regierungsvertreter, in die USA und zu von dort aus betriebenen Netzwerken wie Facebook und YouTube.

    Seit Anfang des Jahres tobt ein heftiger Handelskrieg zwischen den USA und China, in dem es um die technologische, wirtschaftliche und militärische Dominanz auf der Welt geht. Mit seinem Seidenstraßen-Projekt versucht China, den eurasischen Kontinent zusammenzuschweißen und, so scheint es, die USA als Weltmacht abzulösen. Nach Handelssanktionen und Zinsanhebungen greift Washington nun zu einem altbewährten Mittel: Bei Demonstrationen mitmischen.

    In welchen Regionen diese Proteste stattfinden und wie soziale Netzwerke wie Facebook dazu verwendet werden, um Menschen aufzuhetzen, lesen Sie in diesem Artikel.

    Hongkong - China in der Zwickmühle

    Seit zwei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu gewaltsamen Protesten. Es begann als Widerstand gegen ein Auslieferungsabkommen mit Festland-China, aber die Demonstrationen weiten sich nun immer weiter aus. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, beschuldigte offen die USA, hinter diesen Ausschreitungen zu stehen: „Wie wir alle wissen, sind diese Demonstrationen das Werk der USA.“ US-Diplomaten trafen sich unlängst mit Aktivisten in Hongkong, um deren Vorhaben zu unterstützen, woraufhin die Daten jener US-Diplomaten veröffentlicht wurden, was zu einem handfesten Streit zwischen der USA und China führte. Die Proteste erwischen China auf dem falschen Fuß, da sich diese bei einem Nichteingreifen auf andere Teile China ausbreiten könnten. Ein hartes Vorgehen gegen die Demonstranten könnte der internationalen Presse wiederum als Vorwand dienen, China als grausamen Tyrannen hinzustellen. Das würde Chinas Bild der friedvollen Wirtschaftsmacht erheblichen Schaden zufügen und andere Nationen davon abbringen, im Seidenstraßen-Projekt zu kooperieren. Eine zentrale Rolle zur Organisation der Proteste kommt sozialen Netzwerken zu: „Facebook und Twitter werden benutzt, um Informationen zu den Demonstrationen zu verbreiten, aber zur Koordination werden Messenger wie Signal oder Telegram benutzt.“

    Kirgisien und Kaschmir – Drehkreuze der Seidenstraße

    Neben Kaschmir kommt auch Kirgisien eine zentrale Rolle in Chinas Seidenstraßenprojekt zu. In der Hauptstadt Bischkek soll ein Drehkreuz entstehen, von wo Transportwege nach Moskau und Teheran verlaufen. Die internationale Presse berichtet erst jetzt von Ausschreitungen, im Zuge welcher der ehemalige Präsident Kirgistans festgenommen wurde. Die anti-chinesische Stimmung spitzt sich aber seit Beginn des Baus der Seidenstraße zu  und schwappt von der abtrünnigen chinesischen Provinz der Uiguren über. Ähnlich sieht die Situation in Kaschmir aus, wo ethnische Differenzen aufgebauscht werden. Um auch das Seidenstraße-Projekt zu destabilisieren?

    Moskau - Erfahrung mit US-Einmischungen

    In Moskau finden seit knapp zwei Wochen Demonstrationen wegen der Zulassung zu den Moskauer Duma-Wahlen statt. Die Regierung reagierte gelassen, wohl auch aufgrund der jahrelangen Erfahrung: Nichtgenehmigte Kundgebungen wurden von der Polizei unterbunden, und prompt wurden Fotos von Demonstranten veröffentlicht, die mit Gaspistolen und Messern erschienen sind. Die festgenommenen Demonstranten wurden nach kurzer Zeit wieder freigelassen, aber den Kuratoren wie Sergej Fomin, der sich angeblich mit einem Baby seiner Verwandten schützte, droht eine Haftstrafe. Auch gegen die Eltern dieses Babys wurde nun ein Verfahren eröffnet, das später allerdings eingestellt wurde. Die genehmigten Kundgebungen liefen großteils friedlich ab. Wie China kritisiert auch die russische Regierung, dass sich die USA in die Proteste einmischen, nachdem die US-Botschaft einen Lageplan der Demonstrationen veröffentlichte. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, teilte mit, dass die Route der von Behörden nicht genehmigten Kundgebung geradezu minutenweise beschrieben worden sei und die amerikanische Botschaft die Aktion tatkräftig kommentiert hätte. In Russland  wurden auch Beobachtungen gemacht, wonach Internet-User angeblich über Push-Nachrichten manipuliert werden. Andrej Klimow erklärte jüngst im russischen Föderationsrat:„Sie (russische Internet-User) erhielten ohne Grund Informationen aus Quellen, die sie nie abonniert hatten.“ Fakt ist, dass die russische Opposition um Alexej Nawalny auf YouTube sehr präsent ist und dort zur Teilnahme an den Demonstrationen aufruft. Politik-interessierte Personen erhalten massenweise Videos mit dem Aufruf zu Protesten, auch wenn sie diesen kritisch gegenüberstehen.

    Demonstrationen – Manipulation durch soziale Netzwerke?

    2018 musste sich der Facebook-Chef Mark Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress verantworten, da die US-Präsidentenwahl 2016 mithilfe von Facebook-Daten angeblich beeinflusst wurde. Im Zentrum des Skandals steht die Firma Cambridge Analytica, die offiziell im US-Wahlkampf für Donald Trump und beim Brexit-Votum mitmischte. Berühmt wurde die Firma dafür, dass sie „auf der Basis von Daten Online-Inhalte angeblich so aufbereiten und platzieren konnte, dass sie für den Empfänger wie maßgeschneidert waren“.

    Noch 2008 entwickelte der Warschauer Student Michal Kosinski am Zentrum für Psychometrie eine App namens MyPersonality. Anhand einer handvoll Fragen konnte diese App Persönlichkeitsprofile erstellen, und bereits nach kurzer Zeit hatten mehr als eine Million Menschen ihre innersten Überzeugungen verraten. Anschließend entwickelte Kosinski ein System, um diese Daten mit den Online-Spuren der Testpersonen zu vergleichen: was sie auf Facebook geliked, geshared oder gepostet haben, welches Geschlecht, Alter, welchen Wohnort sie angegeben haben. Noch 2012 konnte Kosinski beweisen, dass er nach nur 68 Likes auf Facebook zu einer 85-prozentigen Wahrscheinlichkeit voraussagen kann, ob die Testperson Republikaner oder Demokrat sei. Bald kann sein Modell anhand von zehn Facebooks-Likes eine Person besser einschätzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70 Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu überbieten, 150  - um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. 2014 tritt ein junger Professor namens Aleksandr Kogan an Kosinski heran und versucht, ihn zu überzeugen, für die Wahl-Management-Agentur SCL 10 Millionen Facebook-Profile zu vermessen. Hinter SCL verbirgt sich ein Firmenkonstrukt mit zahlreichen Ablegern, die Berichten zufolge versucht haben, an Umstürzen in Entwicklungsländern mitzuwirken und die Bevölkerung zu manipulieren. Kosinski versah danach all seine Forschungsresultate mit der Warnung, dass seine Methode „Wohlergehen, die Freiheit oder sogar das Leben von Menschen bedroht“. SCL gelang es, das Modell nachzubauen, und gab es angeblich an seinen Ableger Cambridge Analytica weiter, die es nutzten um im Brexit und im US-Wahlkampf mitzumischen. Dabei fokussierten sie sich auf sogenannte „Überzeugbare“, deren Wahlentscheidungen noch offen waren. Die Ex-Mitarbeiterin Brittany Kaiser erklärte dazu: „Wir bombardierten sie über Blogs, Webseiten, Artikel, Videos, Anzeigen - jede Plattform, die zur Verfügung stand -, bis sie die Welt so sahen, wie wir es wollten. Und bis sie für unseren Kandidaten stimmten.“

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Manipulationen, Mark Zuckerberg, Kaschmir, Kirgistan, Facebook, Einmischung, Russland, Neue Seidenstraße, Hongkong, China, USA