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    Crash-Vorboten: Hypothekenschulden in den USA höher als 2008

    © AP Photo / John Bazemore
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    Der Zusammenbruch der größten Investmentbank der Welt, Lehman Brothers, vor elf Jahren hatte eine globale Finanzkrise ausgelöst, die zu einer jahrelangen Rezession führte. Voraus ging die Hypothekenkrise in den USA. Die jetzigen Hypothekenschulden der Amerikaner haben die Rekordhöhe von 9,4 Billionen Dollar erreicht – mehr als 2008.

    Wie gefährlich die Situation ist und ob der Welt eine Wiederholung des katastrophalen Szenarios vor zehn Jahren droht – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Höher als 2008

    Anfang 2007 traf die Krise hochriskante Hypotheken-Kredite. Die zweite Welle weitete sich 2008 auf ein Standard-Segment aus, bei dem Kredite der Banken von staatlichen Hypotheken-Korporationen refinanziert werden. Zum dritten Quartal 2008 stiegen die Hypothekenschulden in den USA auf 9,294 Billionen Dollar.

    Laut Statistiken der Federal Reserve sind die Hypothekenschulden in den USA jetzt noch höher. Im zweiten Quartal stiegen sie um 162 Milliarden auf 9,4 Billionen Dollar. Auf Hypotheken-Kredite entfällt ein Großteil der inländischen Schulden, die sich auf 13,86 Billionen Dollar belaufen und bereits seit 20 Quartalen in Folge zunehmen.

    Stabile Schulden

    Bedeutet das, dass unter der US-Wirtschaft erneut eine Hypotheken-Bombe tickt, die bald explodieren könnte? Laut Fed-Experten unterscheidet sich die aktuelle Situation stark von der vor elf Jahren. Die Kreditrichtlinien sind deutlich strikter geworden, Verzögerungen bei den Zahlungen sind seltener.

    Die Hypothekenschulden sind derzeit zwar etwas höher als die früheren Höchstwerte im dritten Quartal 2008, aber es gibt zunehmend weniger ausbleibende Zahlungen. Die Kreditgeschichte der Kreditnehmer verbessere sich, so Wilbert van der Klaauw, Senior-Vizepräsident der Federal Reserve.

    Zugleich meinen Analysten der JP Morgan Chase, dass die Strukturänderungen des Marktes der Hypothekenkredite riskant wirken. 2018 machten Nicht-Banken-Hypothekenkredite knapp 80 Prozent des Marktes aus (vor der Krise waren es weniger als 20 Prozent). Nichtbanken-Kreditgeber sind gewöhnlich weniger kapitalisiert, zudem haben sie keinen eindeutigen Mechanismus, um festzustellen, wer die Rolle bei der Bedienung der Nichtbanken-Leistungen übernehmen kann, falls solche Kreditgeber das Geschäft verlassen.

    Was die Hypothekenschulden der Haushalte betrifft, ist die Lage laut der Experten von Morgan Chase ziemlich stabil. Aus dieser Richtung sei keine Rezession zu erwarten.

    Dollar als Trigger…

    Der wahrscheinlichste Trigger eines neuen Absturzes ist der Dollar selbst. Bloomberg-Analysten warnen, dass ein rasantes Wachstum des Dollar-Kurses der Wirtschaft schadet und bereits in der nächsten Zukunft eine Rezession auslösen kann.

    Experten zufolge frisst ein erstarkender US-Dollar die Gewinne der internationalen US-Korporationen mit Schuldverpflichtungen in Höhe von Billionen Dollar (z.B. Coca-Cola, Caterpillar, Boeing).

    Darauf verwies US-Präsident Donald Trump, der über das Erstarken der Nationalwährung besorgt ist.

    „Ein hoher Fed-Zinssatz im Vergleich zu anderen Ländern hält den US-Dollar auf einem zu hohen Niveau. Das schafft große Schwierigkeiten, damit unsere guten Hersteller wie Caterpillar, Boeing, John Deere, unsere Automobil- und andere Unternehmen unter für alle einheitlichen Bedingungen konkurrieren können“, twitterte Trump.

    Um eine Abschwächung der US-Währung zu erreichen, kann Trump verschiedene Mechanismen einsetzen, darunter eine direkte Währungsintervention, die den Dollar-Verkauf aus dem Exchange Stabilization Fund ESF und den Kauf von führenden Weltwährungen wie Euro und Yen vorsieht. Nach Einschätzung der Bank of America ist der Dollar zu etwa 13 Prozent überbewertet.

    Beobachtern zufolge sind die Versuche Trumps, den Dollar abzuschwächen eher zum Scheitern verurteilt. Seit Beginn des vergangenen Jahres erstarkt die US-Währung, der Markt reagiert fast nicht mehr auf Trumps Tweets. Die Fed hat den höchsten Leitzins unter allen führenden Zentralbanken der Welt. Zudem ist der US-Dollar immer noch eine Reservewährung. Er wird von Investoren bei der Verschlechterung der Situation auf den Weltmärkten gekauft, wobei der Kurs nach oben getrieben wird.

    Trotz der Drohungen Trumps hält die Federal Reserve an ihrer bisherigen Strategie weitestgehend fest. Bei der Herabsetzung des Leitzinses um 0,25 Prozent erstmals seit zehn Jahren versprach der Fed-Chef keine weitere Lockerung der Geldpolitik.

    …oder Zusammenbruch des Fondsmarkts

    Nach Einschätzung von JP Morgan Chase könnte im Jahr 2020 eine globale Krise ausbrechen. Dem wird eine Reihe von Rückgängen der US-Indexe vorausgehen. Analysten der Bank verweisen darauf, dass der S&P 500-Index in der Krise 2007-2008 um 54 Prozent von den Höchstwerten sank.

    Der kommende Crash würde nicht so massiv sein, weil der Wert der Aktiva in den Schwellenländern jetzt deutlich niedriger als 2008 ist.

    Die Schwellenländer werden zwar als erste von den negativen globalen Prozessen betroffen, dennoch sind diese Länder nicht mehr so schutzlos vor äußeren Erschütterungen, so eine Harvard-Studie.

    Erstens haben die Staaten mit einer großen Schuldenlast es geschafft, die Tilgung der Verpflichtungen für künftige Jahrzehnte auch unter günstigeren Bedingungen zu verschieben. Zudem sind die Schwellenländer mit einem höheren Insolvenzrisiko wegen der Kürzung des Handels- und Haushaltsdefizits resistenter gegenüber einer Verschärfung der Währungspolitik geworden.

    Daraus folgt, dass eine Krise in einzelnen Wirtschaften, auch bei einer so großen wie der amerikanischen, nicht mehr eine unkontrollierte Kettenreaktion auslösen wird. Souveräne Insolvenzen werden weniger groß angelegt, isolierter sein und nicht – wie in der Vergangenheit – zu systemischen Folgen führen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Wirtschaftskrise, Schuldenkrise, Finanzkrise, USA, Krise, Hypothekenkredite