16:32 17 November 2019
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    US-Präsident Donald Trump (Archiv)

    Skandinavisches Schach: Merkel und Trump wählen unterschiedliche Taktiken

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    US-Präsident Donald Trump sagt seinen Staatsbesuch in Dänemark ab, während Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den nordeuropäischen Regierungschefs gemeinsam vor die Presse tritt. Die Gaspipeline Nord Stream 2 geht voran und Schweden äußert sich gegen die Isolation des Irans. Ist der Skandinavische Schachzug für Trump schon jetzt verloren?

    Beim Treffen zwischen Angela Merkel und Regierungschefs Skandinaviens zu europäischen und internationalen Themen stand auch der Klimawandel auf der Tagesordnung. Die Kanzlerin lobte unter anderem die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Island, sie versuchte sich sogar an der isländischen Sprache. Die beiden Länder verbinde viel, unter anderem durch Studenten sowie Touristen, die sich von der Faszination Islands begeistern ließen. Die Kanzlerin nahm außerdem am informellen Sommertreffen der skandinavischen Regierungschefs teil.

    Der grönländische Ministerpräsident Kim Kielsen war ebenfalls anwesend. Sein Land wurde vor kurzem zum Twitter-Trend dank eines Tweets des US-Präsidenten Donald Trump.

    Der Präsident veröffentlichte am Montag eine Fotomontage, die sein gold-glitzerndes "Trump International Hotel Las Vegas" inmitten kleiner bunter Häuser an Grönlands Küste zeigt.

    "Ich verspreche, Grönland das nicht anzutun", schrieb Trump dazu.

    Damit setzte Trump erneut den Fokus auf die Gerüchte um den Kauf der zu Dänemark gehörenden autonomen Arktisinsel.

    Doch Grönlands Regierungschef Kielsen fand den Tweet gar nicht witzig: "Wir können darüber nicht lachen. Es wäre besser, wenn das Ausland sich für die wirtschaftlichen Möglichkeiten interessiert, die Grönland bietet." Er hofft, dass bei diesem Sommertreffen in Island auch Grönland von Investoren wahrgenommen werde. Der Trump-Tweet sei "wirklich nicht lustig", betonte Kielsen.

    Trump sorgt wieder für diplomatischen Eklat – diesmal mit Dänemark

    Während die deutsche Kanzlerin immer aktiver Kontakte zu Skandinavien pflegt, wählt Trump eine ganz andere Taktik.  Er sagt seinen Staatsbesuch in Dänemark ab und begründet das damit, dass Regierungschefin Mette Frederiksen nicht über einen Verkauf Grönlands reden wolle. Trump schrieb, wie immer auf Twitter, dass er den Besuch verschiebe, weil Frederiksen nach mutmaßlicher Aussage kein Interesse an einem Verkaufsgespräch habe. Die Ministerpräsidentin erspare den USA und Dänemark einen sehr großen Aufwand, indem sie so direkt gewesen sei - dafür danke er ihr, fügte Trump hinzu. Er freue sich darauf, irgendwann in der Zukunft ein neues Treffen zu vereinbaren.

    Am Sonntag erklärte Trump dann, ein Kauf Grönlands könnte für die USA „strategisch“ interessant sein. Er fügte hinzu: „Im Grunde wäre es ein großes Immobiliengeschäft“. Dänemark verliere mit seiner Unterstützung für Grönland jedes Jahr viel Geld. Bei seiner angedachten Reise nach Kopenhagen könne das Thema besprochen werden, es sei aber nicht „oberste Priorität“ und nicht der Anlass des Besuchs. Die Aussage löste bereits Verwunderung und Befremden aus, vor allem auf der Insel selbst und in Dänemark.

    Man müsse aber schon froh sein, dass Trump nicht mit dem Militär einmarschiere und Grönland annektiere, schrieb der österreichische Journalist Armin Wolf.

    Der SPD-Politiker Ralf Stegner fragte, ob sich niemand im Weißen Haus darum kümmere, dass Donald Trump seine "morgendliche Pillenration" einnehme.

    Grönland und Dänemark hatten die Idee eines Verkaufs umgehend entschieden zurückgewiesen. Ministerpräsidentin Frederiksen sagte zu Trumps Gedankenspielen: "Ich hoffe inständig, dass dies nicht ernst gemeint ist."  Es blieb wirklich unklar, wie ernst Trump es meinte. Was aber klar ist, ist die Tatsache, dass US ihre Bauernopfer in diesem skandinavischen Schach immer öfter verschleißt.

    Nord-Stream statt LNG, Unterstützung des Irans statt Boykott: Skandinavien wählt einen anderen Weg

    Die Gaspipeline Nord Stream 2, die von Russland auf dem Ostseegrund direkt nach Deutschland führen soll, kommt immer weiter voran. Die Pipeline soll durch die Territorialgewässer und ausschließliche Wirtschaftszonen von Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Russland verlaufen.

    Deutschland und Österreich, die an verlässlichen Gaslieferungen interessiert sind, setzen sich für den Bau der Gasleitung ein. Schweden und Finnland erteilten die Genehmigung dafür. Auch Norwegen, dessen Regierung einen Anteil von 30 Prozent am Unternehmen Kvaerner - einem der Auftragnehmer beim Bau der Pipeline - besitzt, unterstützt das Projekt.

    Die Vereinigten Staaten drohen aber immer wieder mit Sanktionen gegen das Projekt, um die Pipeline zu verhindern. Ihre Motivation ist klar: Sie selbst sind erst vor kurzem durch die Ausweitung des umstrittenen Fracking-Verfahrens vom Nettoimporteur zum Exporteur von Gas aufgestiegen. Dieses wollen sie nun in Flüssigform intensiv nach Europa verkaufen.

    Aber nicht nur im Energiesektor verlässt Skandinavien die amerikanische Linie. Bis Mitte der Woche wird der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif, Finnland, Schweden und Norwegen besuchen. Im Fokus steht der Abbau der Spannungen im Persischen Golf. Die drei Länder sollen als Vermittler gelten.

    Der Tonfall und die Ansagen der USA bleiben unveränderlich: Volle Härte gegen Iran. Doch die Isolation des Landes bringe nichts Gutes, erklärte Schwedens Außenministerin Margot Wallström am Dienstag in Stockholm. „Wir haben versucht, den Iran im Laufe von Jahrzehnten abzuschotten. Das brachte nichts Gutes. Ich denke, dass wir auf diplomatische Kontakte angewiesen sind. Ich denke, es sei wichtig, sich zu treffen und die eigene Position dem Gesprächspartner ins Gesicht zu sagen“, betonte die Chefdiplomatin auf einer Pressekonferenz.

    In diesem Skandinavischen Schach sind die USA noch lange nicht Matt. Aber ihnen gehen zunehmend die Figuren aus.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Nord Stream 2, Kauf, Grönland, Donald Trump, Angela Merkel, Schach, Skandinavien, Deutschland, USA