03:15 15 Dezember 2019
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    Passanten vor dem Apple Store in Peking

    Trumps neuestes Opfer: Apple wird aus China verdrängt

    © AP Photo / Mark Schiefelbein
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    Weltweit werden immer weniger iPhones verkauft. Der Apple-Konzern verliert zunehmend an Marktwert: Von 1,2 Billionen Dollar Ende 2018 ist er inzwischen auf „nur“ 962 Mrd. zurückgegangen.

    Im Zusammenhang mit dem aggressiven Handelskriegs zwischen den USA und China verliert das Unternehmen aus Cupertino seine Positionen auf einem seiner wichtigsten Absatzmärkte: Die Chinesen kaufen immer weniger iPhones, iPads und Apple-Computer.

    US-Präsident Donald Trump bereitet derweil einen weiteren Schlag vor: Er will nämlich, dass sich Apple aus China komplett zurückzieht. Warum einer der IT-Giganten aus Silicon Valley zu einer „Wechselmünze“ im Handelsstreit zwischen Washington und Peking werden könnte, erklärt Sputnik in diesem Beitrag.

    Schlechte Zahlen

    Im dritten Vierteljahr ist der Gewinn von Apple um 13 Prozent gesunken. Was den Erlös angeht, so hat der Konzern knapp 54 Milliarden Dollar verdient (um ein Prozent mehr im Jahresvergleich). Experten sind aber um etwas anderes besorgt: Der Erlös vom Verkauf von iPhone-Gadgets (traditionell die größte Einnahmequelle des Unternehmens) ist wesentlich geschrumpft: 25 Milliarden Dollar gegenüber 29,47 Milliarden im Vorjahr. Zum ersten Mal seit 2012 entfallen auf iPhones weniger als 50 Prozent des gesamten Apple-Erlöses. Die Zahl der verkauften Geräte ist um zwölf Prozent im Jahresvergleich zurückgegangen.

    Einer der Hauptgründe dafür ist die sinkende Nachfrage im Reich der Mitte. Im Grunde verkauft Apple seinen wichtigsten Absatzmarkt.

    Nach dem jüngsten Skandal um Huawei boykottieren viele einfache Chinesen Apple-Gadgets. Hinzu kam, dass noch im Dezember 2018 der Verkauf von sieben iPhone-Modellen in der Volksrepublik gerichtlich verboten worden war, weshalb der iPhone-Absatz im vierten Quartal des vorigen Jahres gleich um 20 Prozent einsackte.

    Die Zuspitzung des Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten verspricht dem Konzern aus Cupertino große Probleme. Aber US-Präsident Trump hatte dem Apple-Chef Tim Cook zuvor versprochen, dass neue Importzölle für chinesische Waren für Produkte, die im Auftrag seiner Firma hergestellt werden, nicht gelten würden.

    Trump hat sein Wort im Grunde auch gehalten: Im August wurden zehnprozentige Importzölle für chinesische Waren für 300 Milliarden Dollar eingeführt (im September könnten sie auf 25 Prozent angehoben werden). Aber die Erhöhung der Zölle für Smartphones, Notebooks, Tablet-PC usw. wurde auf den 15. Dezember verschoben.

    Doch die Apple-Führung hat inzwischen ihre Zweifel. Cook hat sich vor einigen Tagen mit Trump getroffen und versucht, dem Präsidenten zu erklären, dass die Importzölle für chinesische Produkte negative Folgen für Apples Konkurrenz mit Samsung hätten. Denn die Koreaner würden davon profitieren, dass es für ihre Produkte keine größeren Importzölle geben wird.

    Laut „Business Insider“ haben allein in diesem Jahr schon fünf Treffen des Apple-Chefs mit dem Präsidenten stattgefunden. „Und es gibt auch Anzeichen, dass Cooks offener Dialog mit Trump nützlich für Apple sein wird“, stellte die Zeitung fest. Dem Unternehmen sei eine Verschiebung von zehnprozentigen Zöllen zugesichert worden.

    Künftige Verluste

    Aber am 20. August erklärte Trump überraschend: Hätte er solchen Riesen wie Apple nicht geholfen, wären sie „mit großen Problemen“ konfrontiert worden. Mit seiner „Hilfe“ meinte er offenbar gerade die Verschiebung der Importzölle. Diese Hilfe würde jedoch „nur sehr kurz dauern“, und deshalb sollte der Konzern „das tun, was er tun muss – China verlassen“.

    Der US-Staatschef verwies darauf, dass China wegen der Verlegung von Produktionsstätten ausländischer Unternehmen in andere Länder zwei Milliarden Dollar und nahezu zwei Millionen Arbeitsplätze verloren habe – und noch mehr verlieren sollte.

    Trump ist nämlich unzufrieden, dass Apple seine Betriebe, wo MacPro-Geräte gebaut werden, aus den USA nach China verlegt hatte. Deshalb werde es für das Unternehmen aus Cupertino „keine Ausnahmen mehr geben“.

    Damit seine amerikanischen Kunden wegen der Preiserhöhung für seine Produkte nicht leiden müssen, wollte Apple ohnehin seine Betriebe in China schließen – aber nur teilweise. Laut der „Nikkei Asian Review“ erwägt das Unternehmen die Ausführung von 15 bis 30 Prozent der Produktionskapazitäten aus der Volksrepublik. Aber auch dieser Schritt würde laut Analysten enorm viel kosten: bis zu 15 Prozent des Erlöses.

    Trump ist aber von der Idee besessen, dass Apple seine Geräte und vor allem iPhones in den USA bauen sollte. „Vergessen Sie nicht, dass Apple seine Produkte in China baut“, hatte er noch im Januar gesagt. „Ich habe Tim Cook gesagt: Mein Freund, lassen Sie sie in den USA bauen.“

    Experten wirken ratlos: Die Idee mag einerseits nicht so schlecht sein, aber es bleiben viele logistische und auch wirtschaftliche Aspekte unberücksichtigt. Denn die Produktionskosten in den USA würden nicht nur enorm steigen, sondern es würde auch die Frage entstehen, woher die vielen Zulieferteile für die iPhones außerhalb Chinas kommen sollen.

    Dem Riesen aus dem Silicon Valley verspricht die Einstellung Präsident Trumps nichts Gutes: Allein die Verlegung der Produktionsstätten in die USA würde mindestens 40 Milliarden Dollar kosten. Angesichts dessen ist Apples Marktwert blitzschnell um 42 Milliarden Dollar abgestürzt. Und das ist offenbar erst der Anfang.

    Der mangelhafte Absatz von iPhones ist schon jetzt negativ für Apple-Geschäfte. Das sinkende Interesse für seine Smartphones versucht der Konzern, durch neue digitale Dienstleistungen zu ersetzen. Aber laut Experten entsteht dabei ein Teufelskreis: Die Dienstleistungen sind für Apple-Kunden bestimmt, und je weniger Kunden der Konzern hat, desto weniger Dienstleistungen kann er verkaufen. Und die Kundenzahl hängt nun einmal von der Zahl der verkauften iPhones ab.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    USA, China, Handelskrieg, Donald Trump, Huawei, Apple