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    Münze mit dem Bild der Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland Elisabeth II. (Archiv)

    „Bank der Queen“ will den Dollar abstürzen lassen

    © AP Photo / Ashley Chan
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    Wegen des chaotischen und skandalösen G7-Gipfels ist ein anderes Ereignis der letzten Tage im Schatten geblieben, das aber ebenfalls enorm wichtig war: In der angelsächsischen Welt scheint eine Art „Revolte“ Londons gegen Washington im Wirtschaftsbereich zu beginnen.

    Sie ist viel wichtiger als jede politische Annäherung an die USA, mit der der neue britische Premier Boris Johnson im Falle eines „harten“ Brexits rechnen dürfte.

    Während Johnson auf dem politischen Parkett sein Bestes tut, um sich dem US-Präsidenten Donald Trump anzunähern, lässt sich im Finanzwesen ein entgegengesetzter Prozess beobachten: Der Gouverneur der Bank of England (britische Notenbank), Mark Carney, hat sich für eine Reform des globalen Devisensystems ausgesprochen, bei der das aktuelle System, das sich auf den US-Dollar stützt, dringend ersetzt werden sollte, nämlich durch neue „digitale Aktiva“ oder eine „digitale Währung“.

    Besonders prekär ist Carneys Affront wegen zwei Details, auf die Journalisten der kanadischen Bloomberg-Redaktion verwiesen haben: Der britische Zentralbankchef trat mit dieser aggressiven Erklärung auf dem jährlichen Wirtschaftssymposium in Jackson Hole (USA) auf, das von der Federal Reserve Bank of Kansas (sprich vom Federal Reserve System (Fed), der US-Zentralbank) organisiert wird.

    Man müsste immerhin sehr gewichtige Gründe haben, um zu Bankiers und Finanziers, deren Leben, Wohlstand und sozialer Status vom Status der US-Währung abhängt, zu Gast zu kommen und offen zu sagen, dass sie ihren privilegierten Status quasi aufgeben sollten.

    Ein weiteres wichtiges Detail: Was der Gouverneur der Bank of England vorschlägt, ähnelt sehr dem „Projekt Libra“ – einer Digitalwährung, die ein Konsortium ins Leben rufen will, dem führende Finanz- und High-Tech-Unternehmen (überwiegend amerikanische, darunter Facebook, MasterCard, Paypal, Stripe, Visa, Ebay, Lyft, Uber, Vodafone usw.) angehören.

    Dieses Projekt hat bereits den Zorn des US-Präsidenten Trump provoziert, der nicht unbegründet glaubt, dass die Digitalwährung Libra sehr gefährlich für die monetäre Souveränität der USA und für den Status des Dollars wäre. Angesichts dessen ist offensichtlich, dass Carneys Vorschlag eine ähnliche Reaktion der US-Administration hervorrufen wird.

    Der Chef der Bank of England ergänzte sofort, dass das Projekt des Konsortiums, das vor allem von Facebook initiiert wurde, vorerst keine Alternative für den Dollar als wichtigste Währung der Welt sein könnte, aber der Londoner Bankier hat etwas Anderes zu bieten: Es sollte im Grunde eine ähnliche Digitalwährung geschaffen werden, aber auf Basis eines Konsortiums, das nicht aus Privatunternehmen, sondern aus Zentralbanken verschiedener Länder bestünde. Kurz und knapp: Carney hat die Fed aufgefordert, ihre „Krone“ abzulegen und ein „gleichberechtigtes Mitglied“ eines Verbandes von Zentralbanken zu werden, der die globale Digitalwährung emittieren würde.

    Um die Logik der Reaktion der Administration in Washington zu begreifen, muss man einfach den Umstand berücksichtigen, dass die Gründe, aus denen Dollar auf dem Weltmarkt wirklich gefragt sind, nicht mit der US-Wirtschaft und ihren Erfolgen verbunden sind. Der erste Grund ist der Status des Dollars als globale Leitwährung, für die die wichtigsten Waren wie beispielsweise Öl oder Getreide gekauft bzw. verkauft werden und die als „Übergangswährung“ beim Tausch verschiedener Devisen dient.

    Der zweite Grund: Wer sein Öl oder irgendwelche andere Ware nicht für Dollar verkaufen will, wird mit einer großen Wahrscheinlichkeit früher oder später von Experten für „bunte Revolutionen“ aufgesucht (üblicherweise wegen plötzlich entdeckter Verstöße gegen die Menschenrechte) – oder auch von US-Truppenverbänden. Mark Carneys Initiative könnte im Falle ihrer praktischen Umsetzung zu Riesenproblemen für den US-Haushalt und das US-Finanzsystem im Allgemeinen führen, was seinerseits sogar die Möglichkeiten für den Einsatz von US-Flugzeugträgern wesentlich beschränken würde.

    Übrigens hat Reuters die Position des Chefs der Bank of England praktisch als Schuldspruch für die US-Währung und das auf ihrer Basis bestehende System dargestellt: „Laut Carney haben die Schwellenländer ihren Anteil an den globalen Wirtschaftsaktivitäten auf 60 Prozent aufgestockt – von 45 Prozent vor der Finanzkrise vor zehn Jahren. Aber der Dollar wird im Welthandel mindestens in 50 Prozent aller Operationen verwendet, und das ist fünf Mal mehr als der Anteil der Vereinigten Staaten am globalen Warenimport, was die Nachfrage nach US-Aktiva anspornte und für viele Länder negative Nebeneffekte von den Schwankungen der US-Wirtschaft hatte.“

    Und noch eine wichtige Nuance: Mark Carney hatte erst vor acht Monaten gesagt, der Dollar würde seinen Status als Leitwährung verlieren, allerdings an den chinesischen Yuan.

    „Je nach der Umformatierung der Welt wird die jetzige Spaltung zwischen der Real- und Finanzwirtschaft wohl geringer, und dabei könnten andere Reservewährungen entstehen (die Zentralbanken statt Dollar als solche verwenden werden). Vor allem erwarte ich, dass dies aktuelle nationale Währungen wie beispielsweise der Yuan sein werden“, sagte der Gouverneur der Bank of England im Januar, präzisierte jedoch, dass der Übergang vom Dollar zum Yuan viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

    Jetzt aber hat Carney seine Meinung geändert, wie auch seinen Plan: „Der chinesische Yuan war der wahrscheinlichste Kandidat dafür, die neue Reservewährung zu werden, die dem Dollar entspricht, aber ihm steht noch ein langer Weg bevor, bis er dazu bereit ist“, so Reuters. „Carney zufolge wäre ein diversifiziertes multipolares Finanzsystem, das eine Unterstützung auf der technologischen Ebene genießen würde, die beste Lösung.“

    Zyniker (oder Verschwörungstheoretiker) könnten einen solchen Sinneswandel darauf zurückführen, dass sich London mit Peking über akzeptable Kooperationsbedingungen auf diesem Gebiet nicht einigen konnte. Oder dass London eine Chance wittert, eine internationale „Anti-Dollar-Koalition“ zu bilden, in der die Bank of England eine bedeutende Rolle spielen würde.

    Jedenfalls haben die Gegner des Dollars eine wichtige Verstärkung bekommen. Denn wenn schon die Briten es wagen, gegen die USA aufzutreten, dann ist die Frage, ob Washington in dieser Welt noch richtige Freunde oder Verbündete hat, im Grunde rhetorisch.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Währung, Dollar, Bank of England, Großbritannien