16:45 14 Dezember 2019
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    Goldbarren der deutschen Bundesbank (Archivbild)

    Gold: „Bullen“ müssen All In gehen! – Sputnik Exklusiv-Kolumne

    © AP Photo / Michael Probst
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    „All In“ ist beim Pokern der Punkt, wenn man sicher ist, seine Hand zu gewinnen oder ganz einen Bluff fährt. Oder im schlechtesten Fall: Wenn der Gegner soweit erhöht hat und man selber nur noch alles setzen kann – oder die Hand wegwirft. Gold-Experte Philip Klinkmüller erklärt in seiner Gast-Kolumne, was das aktuell für Gold und Silber bedeutet.

    Wer Poker spielt, ist mit dem Begriff „All In“ bestens vertraut: Das bedeutet, man setzt alle seine Chips. Verliert man die Hand, verliert man alles, außer der Gegner hat weniger Chips.

    Genau an diesem Punkt befinden sich jetzt die „Bullen“ (der „Bullenmarkt“ steht für anhaltend steigende Kurse, wie aktuell beim Gold – Anm. d. Red.). Und zwar durch die Bank weg: Bei Gold, bei Silber und beim GLD („SPDR Gold Trust“, ein börsengehandelter Gold-Fonds – Anm. d. Red.), wobei der „GLD-Spieler“ aktuell noch die beste Hand hat.

    Die „Bären“ haben den Einsatz massiv erhöht und die Bullen an einem Punkt, wo diese entweder jetzt „All In“ gehen und die Hand gewinnen – oder die Karten wegwerfen. Und damit ist die Aufgabe der gesamten Aufwärtsbewegung gemeint!

    Wir von „Hopf-Klinkmüller Capital Management“ haben schon 2016 davor gewarnt, dass die jetzige Aufwärtsbewegung nicht dazu führen wird, den Sektor auf neue Allzeithochs zu treiben. Der aktuelle Abverkauf – insbesondere die Bewegung seit Donnerstag – ist mehr als nur ein Warnschuss. Wir lassen unsere „Longs“ (Käufer-Positionen, Anm. d. Red.) erstmal noch laufen, werden aber im GLD den weiteren Nachkauf aussetzen und auch in Silber erstmal nicht wieder kaufen. Das Risiko lohnt sich einfach nicht. Zudem werden wir ab Montag nochmal überdenken, ob wir die Stopps bei Silber so belassen.

    Uns ist vollkommen klar, dass dieses Update und diese Einschätzung bei vielen Marktteilnehmern keinen erfreulichen Anklang finden wird. Doch dies ist uns zum Einen sowas von egal und zum anderen wird der Abverkauf auch massive „Short“-Chancen (Verkäufer-Chancen, Anm. d. Red.) bereithalten.

    Wir brauchen keinen steigenden Markt, um Gewinne zu realisieren.

    Unser erster Versuch, Gold zu „shorten“ (zu verkaufen, Anm. d. Red.), ging die Woche ja denkbar knapp nicht auf, da der Zielbereich um 3 US-Dollar verpasst wurde. Aber wir bleiben hier dran und werden die Schlagzahl, was die Suche nach Shorts angeht, nun nach dem Wochenschluss deutlich erhöhen. Dies gilt jetzt auch für Silber.

    Da es Leute gibt, die uns immer nur wünschen, dass wir falsch liegen: Denen sei an dieser Stelle gesagt, solange keine finalen Bestätigungen vorliegen – egal bei welchem der drei Werte – laufen die Longs vorerst weiter. Wir lassen uns auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Wenn uns aber strukturell die Chance vorliegt, dass eine Aufwärtsbewegung beendet ist und dies auch durch die Indikatoren-Lage – vom Tages- über den 4-Tages- bis hin zum Wochen- und inzwischen sogar vom Monats-Chart unterstrichen wird – werden wir sicher nicht die Füße still halten und abwarten, dass die Edelmetalle ohne uns den Haubentaucher machen.

    Was man den Bullen allerdings zu Gute halten muss – dies ändert aber zunächst mal nichts an der Erwartung, dass die ganze Aufwärtsbewegung beim Gold nur eine große Korrektur ist – ist der Fakt, dass uns viele bei unserer Meinung unterstützen. Dies ist nie ein gutes Zeichen. Wie wir ja bereits erläutert hatten, können im Rahmen der aktuellen Indikation noch neue Hochs folgen. Dafür muss aber die Struktur aufrecht erhalten bleiben und eben diese sehen wir aktuell massiv in Gefahr. Packen es also die Bullen nochmal, können wir nochmal einen ordentlichen Nachschlag bekommen auf die bisherigen Hochs.

    Um es einmal ganz simpel zu machen: Solange Gold nicht über 1920 Dollar je Unze ausbricht, sehen wir keinen Anlass von unserer Korrekturerwartung abzurücken! Von Silber brauchen wir gar nicht erst zu reden.

    Wir erwähnen an dieser Stelle nochmals das Beispiel von „WTI“. Auf das Hoch 2008 bei knapp 150 Dollar folgte ein Ausverkauf auf 33 Dollar. Der wiederum erzeugte eine Korrektur auf 117 Dollar, die dann den Ausverkauf auf 26 Dollar befeuerte. Aktuell, elf Jahre nach Beginn der Korrektur, notieren wir bei rund 55 Dollar. Und die Korrektur ist alles, nur nicht vorbei. Dies sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man glaubt, nur weil Gold aktuell 500 Dollar zugelegt hat, dass dies auch nur ansatzweise eine Aussagekraft hat, ob eine Korrektur vorbei ist oder nicht.

    Was blüht uns damit in dieser Woche? Fangen wir mit Gold an:

    Wenn das Gold unter 1489 Dollar fällt, zünden wir den Bengalo und laufen damit auf den Eingang der Dynamit-Fabrik zu, die sich bei 1454 Dollar befindet. Treten wir hier ein, stehen die Chancen bei über 70 Prozent, dass uns die Fuhre wahrscheinlich um die Ohren fliegt und es für die Bullen heißt: „Aus die Maus!“ Wir haben unter 1454 Dollar bei etwa 1440 Dollar die letzten Stopp-Marken. Ab dort wären wir erstmal raus aus dem Markt.

    Die Grafik zeigt den Verlauf des Gold-Kurses der letzten Tage und Wochen.
    © Foto : Hopf-Klinkmüller, Stuttgart, 2019
    Die Grafik zeigt den Verlauf des Gold-Kurses der letzten Tage und Wochen.

    Beim GLD haben wir alle Stopps auf 136 Dollar gelegt. Den nächsten Nachkauf bei 139.80 Dollar werden wir nicht mehr ziehen. Der GLD sieht aktuell noch mit am besten aus. Doch wenn Gold abschmiert, ist der GLD auch nicht mehr zu retten. Er stirbt dann einfach nur mit einer schönen Struktur im Abschluss der Aufwärtsbewegung. Gold und GLD müssen – sofern die genannten Marken halten – dann im Anschluss zwingend neue Hochs ausbauen. Sonst wäre die Abwärtsbewegung als Welle 1 des Abwärtsimpulses zu zählen und folglich ein Hoch bestätigt.

    Silber schenkte sich zum Wochenschluss so richtig einen ein. Die Korrektur hat mit den aktuellen Ausmaßen nur noch wenig Chancen, sich über 17.10 Dollar zu halten, da wir aktuell wahrscheinlich die Welle 3 der Welle c von (siehe Grafik: iv) ausbauen.

    Sprich: Da kommt noch etwas in Welle 5 auf uns zu. Somit werden Kurse unter 17 Dollar realistisch. Deshalb setzen wir den Nachkauf bei 17.30 Dollar auch aus und erwarten, entweder deutlich günstiger oder eben nach einer klaren Bestätigung, wieder zu kaufen. Die restlichen Stopps bleiben aber so wie sie sind. Problematisch ist bei Silber, dass die Welle (iv) sich unter 17.25 Dollar in Bereiche vorwagt, die für eine Welle (iv) weit außer der Norm liegen, was uns zusätzlich nicht allzu optimistisch stimmt. Hier brennt aktuell der Baum am stärksten.

    Die Grafik zeigt den Verlauf des Silber-Preises der letzten Zeit unter Berücksichtigung der „17-Dollar-Marke“.
    © Foto : Hopf-Klinkmüller, Stuttgart, 2019
    Die Grafik zeigt den Verlauf des Silber-Preises der letzten Zeit unter Berücksichtigung der „17-Dollar-Marke“.

    Fassen wir also zusammen: Ja, wir sind weiterhin Long. Stocken aber erstmal nicht wieder auf und realisieren bei Unterschreiten weiterer Marken Gewinne auf bestehende Positionen. Die Risiken, dass wir hier den Auftakt zum vorläufigen Ende sehen, haben sich mit dem Wochenschluss rapide gesteigert. Wir erachten diese Woche bereits als wegweisend für die nächsten Wochen und Monate, wenn nicht sogar für Jahre. Fatal wäre aber, jetzt wegzurennen. Denn die Shorts, die im Rahmen des Ausverkaufes auf uns zukommen, werden die Longs der letzten Wochen deutlich in den Schatten stellen.

    Gast-Kolumnist und Gold-Experte Philip Klinkmüller von „Hopf-Klinkmüller Capital Management“
    © Foto : Hopf-Klinkmüller, Stuttgart, 2019
    Gast-Kolumnist und Gold-Experte Philip Klinkmüller von „Hopf-Klinkmüller Capital Management“

    Zur Person: Philip Klinkmüller ist Markt-Analytiker, Experte für den Gold- und Silbermarkt und Geschäftsführender Gesellschafter bei dem Investitions-Beratungsunternehmen „Hopf-Klinkmüller Capital Management“ in Stuttgart.

    Er schreibt als SPUTNIK-Gastautor regelmäßige Kolumnen zu den Bereichen Gold/Silber, Börse und Aktien sowie zu Fragen des Tradings und der Wirtschaft.

    Analysen und Trades von „Hopf-Klinkmüller“ finden Sie – auch als kostenlosen Service – unter www.hkcmanagement.de

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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