01:07 11 Dezember 2019
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    Wodka-Konsum (Symbolbild)

    „Danke für positive Russland-Nachrichten“ - Medien feiern Kampf gegen Alkohol im „Wodka-Reich“

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    Wodka, Putin, Balalaika - echt groß ist das Russland-Lexikon einiger Medien wohl nicht. Wie überraschend wirkt dann auf einen die vermeintliche Tatsache, dass Russland nicht mehr zu den Top-Säufern gehört. Doch die wirklichen Umstände scheinen bei allen positiven Merkmalen schwieriger zu sein. Ein Kommentar.

    „Das Bild vom Land der Trinker gerät ins Wanken“, schreibt nun nach dem „Spiegel“ und dem „Stern“ auch die „Welt“ über die „Wodka-Nation“ unter Verweis auf die neuen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Alkoholkonsum soll in Russland laut dieser von 2003 bis 2016 um 43 Prozent zurückgegangen sein. Zugleich soll sich auch die durchschnittliche Lebenserwartung drastisch erhöht haben - von nur 57 Jahren bei Männern noch 1994 auf jetzt 68 Jahre und bei Frauen auf 78 Jahre. Den weiteren Angaben zufolge tranken Russen 2016 nur noch 11,7 Liter Alkohol pro Kopf und Jahr. Russland könne nun als Vorbild für andere Länder dienen, so die WHO-Expertin Carina Ferreira-Borges.

    „Ich kann‘s ja gar nicht glauben! Der Tagesspiegel liefert eine positive Meldung über Russland!“, reagierte ein Leser der führenden Berliner Tageszeitung auf einen erweiterten Bericht zum Thema. „Danke für die positiven Nachrichten über die Russische Föderation“, schrieb ein anderer. Der Kern der Meldung heißt: Die Deutschen würden nun selbst mehr als die Russen trinken, etwa 13,4 Liter waren es laut der WHO noch 2016, wobei jeweils reiner Alkohol gemeint ist. Die russischen Daten bezweifelte das Medium zuvor - „jetzt ist die die WHO-Studie ist die erste Bestätigung von unabhängiger Seite“. Man verweist weiter auf strenge Vorgaben für die Werbung, einen Mindestpreis auf Spirituosen, höhere Steuern, ein nächtliches Verkaufsverbot, aber auch auf den „Sportsfreund Putin“, der gesunden Lebensstil predige und als Vorbild für die anderen diene.

    Das nüchterne Russland?

    Das russische Gesundheitsministerium kommentierte die WHO-Meldung mit neuen Statistiken aus dem eigenen Haus: Sollte der „durchschnittliche“ Russe 2008 noch 15,7 Liter Alkohol getrunken haben, waren es 2018 schon nur noch 9,3 Liter. Dabei soll die Gesamtzahl der Alkoholkranken von 2008 bis 2017 von 2,08 Millionen auf 1,3 Millionen Menschen gesunken sein. Mitte der wilden 90er betrug der durchschnittliche Alkoholkonsum sogar etwa 18 Liter pro Kopf und Jahr, wobei man zu viel minderwertige Importe und Surrogate trank.

    Die neuesten WHO-Daten bezweifelte jedoch der Leiter des russischen Zentrums für Alkoholmarktforschung, Wadim Drobiz, in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Regnum. Die WHO arbeite mit den Daten von öffentlichen Organisationen, so Drobiz, die nicht die ganze Situation beherrschen würden. Als weiteres werden in Russland die entsprechenden Statistiken nicht mehr ungefähr, also mit einer ungefähren Einschätzung des schwarzen Marktes, sondern anhand von genauen Daten erstellt. Außerdem waren die nun illegalen Produkte früher im legalen Einzelhandel zu bekommen.

    „Das heißt aber nicht, dass es sie überhaupt nicht mehr gibt.“ Also geht der Experte davon aus, dass der Alkoholkonsum in Russland tatsächlich zurückgegangen sei, aber nicht um die gefeierten 43 Prozent, sondern weniger. Auch der ehemalige oberste Amtsarzt Russlands, Gennadi Onischtschenko, ruft die Russen auf, selbstkritischer zu sein. Wollen wir nun anlässlich der Freude, dass wir nun um 43 Prozent angeblich weniger trinken, keine Trinkparty machen, sondern weiterhin mit größerer Wucht gegen den Alkoholkonsum kämpfen, so Onischtschenko gegenüber der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“.

    Jedoch sind manche Dinge beim Alkoholkonsum in Russland anders als zum Beispiel in Deutschland. So ist dieser im öffentlichen Transport sowie in den Parks und an anderen öffentlichen Plätzen streng verboten: Das Austrinken von mehreren Bierdosen am Feierabend ist längst kein typisches Bild mehr für die russischen Verkehrsmittel. Dazu gilt in Russland seit 2005 ein Verbot für den Alkoholkonsum in Stadien, der während der Fußball-WM allerdings vorübergehend abgeschafft wurde. Ab 23. Uhr bis 8.00 Uhr morgens gilt der Verkauf von Alkohol in Geschäften ebenso als verboten.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Alkoholverzerr, Alkoholsucht, Alkoholismus, Alkoholkonsum, Wodka, WHO, Russland