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06:00 22 Oktober 2019
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    Proteste der Umweltaktivisten in Berlin am 9. Oktober 2019 in Berlin

    Klima vs. Frieden – oder Klima + Frieden?

    © REUTERS / CHRISTIAN MANG
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    Die Versuche, die Friedensbewegung zu schwächen, sind zahlreich. Der letzte massive Versuch, vorgetragen ausgerechnet über die eigentlich achtbare VVN Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, flankiert von ein paar Redakteuren der JUNGEN WELT, galt einer behaupteten Querfront von LINKS zu RECHTS.

    In der sollte unter anderem Ken Jebsen mit seiner sehr effektiven Plattform (KenFM) sein Wesen treiben. Jebsen wurde in Acht und Bann getan. In einer Mischung aus Eitelkeit (Das ist aber meine Friedensbewegung, ätsch) und falschverstandenem Marxismus (Wer Marx nicht gelesen hat, darf nicht mitmachen, bäh) wurde auf den friedensbewegten "Montagsmahnwachen" rumgetrampelt und so die Breite der Bewegung erfolgreich auf einen harten, sterilen Kern reduziert.

    In diesen Tagen scheint eine ähnliche Inszenierung die FRIDAYS FOR FUTURE-Bewegung zu treffen. Nicht selten kommt die scharfe Kritik aus der Friedensbewegung. Gern fokussiert der Widerspruch auf Greta Thunberg, das Gesicht einer Bewegung, die ein paar Millionen junger Menschen weltweit auf die Straßen bringt. Menschen, die sich Sorgen um die Umwelt und ihre eigene Zukunft machen. Thunberg, so der Verdacht ihrer Kritiker, könne diese riesige Bewegung wohl kaum allein organisiert haben. Über die Kräfte hinter ihr wird weitgehend gemutmaßt. Dass die FRIDAYS FOR FUTURE-Jugendlichen den Kampf gegen die Hochrüstung bisher nicht in ihren Fokus genommen haben, wird ihnen ebenso zum Vorwurf gemacht, wie man Greta Thunberg vorwirft, dass sie von Ex-US-Präsident Obama empfangen wurde.

    Es ist noch nicht lange her, dass mehrere Millionen primär junge Menschen für schärfere Waffengesetze in den USA demonstriert haben. Obwohl auch das eine beachtliche organisatorische Leistung war, gab es keine Frage nach den möglichen Hintermännern. Auch dass mit Emma González ein sehr junges Gesicht die Bewegung prägte, kümmerte kaum. Nicht einmal das dicke Lob von Barack Obama, der den Schülern in einem Brief "Ausdauer, Entschlossenheit und Solidarität" attestierte, konnte das Misstrauen der heutigen Greta-Kritiker damals wecken. Klar: Die Organisationen Never Again MSD und der March for our Lives lagen den Aktivisten der Friedensbewegung thematisch näher als die Aktionen für die Umwelt. Aber Menschen, die in Bewegungen sind und an deren Spitze dieser Satz geäußert wurde: „And if solutions within the system are so impossible to find, maybe we should change the system itself“ (Greta Thunberg), denen sollte man näher treten, wenn man Veränderungen will.

    Die Website SENIORA.ORG, ein Publikations-Instrument, dass sich explizit gegen den "grassierenden Kriegswahnsinn" ausspricht und zu Recht als ein Organ der Friedensbewegung begriffen wird, alarmiert in diesen Tagen: "500 Wissenschaftler erklären: Es gibt keinen Klimanotfall". Ein wichtiger Unterzeichner und Hintermann dieser Erklärung ist der ehemalige Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt. Nicht unbedingt ein Wissenschaftler, aber lange Zeit Vorstandsvorsitzender des RWE-Tochterunternehmens RWE Innogy und anschließend Aufsichtsrat des Unternehmens. Seit Jahren ist RWE als Dreckschleuder bekannt. - Ein weiterer Hintermensch und für die internationale Gesamtorganisation der neuen Klima-Deklaration zuständig ist der niederländische Professor Guus Berkhout. Der arbeitete lange genug bei der Royal Dutch Shell, einer notorischen Umweltsau, um als gut bezahlter Lobbyist zu gelten. Das scheint die eigentlich seriöse SENIORA nicht zu kümmern.

    Wenn nun die neue Jugendbewegung die ältere Friedensbewegung als Verbündeten entdecken würde? Oder auch umgekehrt, wenn die erfahrenen Friedensmarschierer geradewegs auf die Greta-Anhänger zugingen? Eine grauenhafte Vorstellung für die Herrschenden. Denn das würde das gute Betriebsklima, das die Rüstungsindustrie zwischen Politik, Medien und dem großen Geld hergestellt hat, erheblich stören. Also muss der gute alte Spaltpilz her: Hat bisher immer geklappt: Die Bewegungen sollen schön separiert bleiben und wenn dann noch die eine die andere nicht kompatibel findet, ist das noch besser.

    Da die Friedensbewegung sich als antikapitalistisch versteht, könnte sie bei diesem Greta-Zitat locker andocken "Es gibt doch nur ein paar Hundert Firmen, die für den gesamten CO2-Ausstoß stehen. Und es gibt nur sehr wenige extrem reiche Männer, die Tausende Milliarden dadurch verdient haben, den ganzen Planeten zu zerstören, obwohl ihnen die Risiken bekannt waren. … Um den Planeten zu retten, müssen wir den Kampf gegen sie und ihre Firmen und ihr Geld aufnehmen und sie zur Verantwortung ziehen.“ Und dass immerhin weiß die Kooperation für den Frieden (DFG-VK): "Durch Rüstung, Militär und Kriege werden jedoch enorme CO2-Emissionen frei, die bislang nicht in den Berichten des Weltklimarates auftauchen. So heizt die Rüstungsindustrie die Klimakrise weiter an. Der gesamte 'Krieg gegen den Terror' verursachte beispielsweise seit 2001 1,2 Milliarden Tonnen CO2. Das US-Militär ist der größte Einzelverbraucher fossiler Brennstoffe weltweit mit einem Verbrauch von 48 Millionen Litern Öl pro Tag."

    Aber vielleicht ist es ja bequem, das Phänomen Greta als ferngesteuert zu behaupten. Man könnte glatt neue Leute kennenlernen, neue Aspekte erfahren und neue Bündnisse eingehen. Da geht es Bewegungen wie den Menschen: Man wird älter. Da ist das Gewohnte allemal besser als das Neue.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Fridays For Future, Ken Jebsen, Greta Thunberg, Barack Obama