01:14 21 November 2019
SNA Radio
    Gold (Archiv)

    Gold und Silber: Wann platzt der Traum? – Sputnik Exklusiv-Kolumne

    © AFP 2019 / Carl de Souza
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    3238269
    Abonnieren

    Unbestritten ist: Die Gold- und Silbermärkte sind auch Märkte von Träumern und Glücksrittern. Kein Rohstoff hat Menschen jemals zu so wahnsinnigen und aberwitzigen Taten angespornt wie Gold und auch Silber. Doch Finanz-Experte Philip Klinkmüller warnt in seiner Gast-Kolumne: „Wie viele Leute kennen Sie, die wirklich diese Gewinne vergoldet haben?“

    Die spanische Armada umsegelte einst die Welt, um den Hunger nach Gold zu stillen und übte dabei den einen oder anderen Genozid an den indigenen Bevölkerungen des südamerikanischen Kontinents aus. Dann setzten im 19. Jahrhundert die großen Goldräusche ein – und trieben wiederum die Menschen in den Wahnsinn, um am Ende nur wenige Gewinner zurückzulassen. Dann folgten die großen Rallyes der Neuzeit – sei dies der Anstieg von Gold und Silber in den 80ern oder die letzten große Anstiege rund um 2011.

    Hand aufs Herz: Wie viele Leute kennen Sie, die wirklich Gewinne versilbert und vergoldet haben? Die allermeisten sind am Ende doch wieder mit leeren Händen aus der Nummer rausgegangen. Und warum? Weil die Gier und der Traum von aberwitzigen Kursen einfach zu groß war.

    Insbesondere der mystische Glaube, Gold müsste wegen irgendeiner Krise auf schwindelerregende Preise steigen. Auf dem Weg nach unten hat man sich dann die nur möglichen Korrekturziele mit dem Traum von Förderkosten schön geredet. Kleiner Hinweis am Rande: Gold und Silber sind zu 100 Prozent angebotsgetriebene Märkte. Sprich, wir produzieren es konstant! Dabei wird es kaum nennenswert verbraucht. Bei Silber ist dies nicht ganz so deutlich.

    „Gold wird nicht immer billig eingekauft“

    Vergleichen wir überdies einmal Gold und Silber mit Uran. Dieser Markt liegt schon lange, sehr lange unter den Förderkosten. Die Unternehmen gibt es aber noch immer und viele verdienen auch noch immer gutes Geld. Sie haben aber schlicht die Produktion eingestellt. Jetzt ist Uran tatsächlich „nur“ ein Verbrauchsgut.

    Dabei bedienen sich die Uran-Minen und Uran-Verkäufer einfach bei den am Markt befindlichen Beständen und fördern keine eigenen Ressourcen. Wer hindert die Gold- und Silberminen daran? Richtige Antwort, niemand! Schlechte Nachrichten für alle die, welche dies als Argument anführen, warum Gold nicht unter 1000 US-Dollar pro Unze fallen kann.

    Vor allem wird auf dem Weg dorthin wieder viel Material frei, welches verkauft wird und zusätzliches Material, welches noch gefördert wird. Entsprechend geht diese Kausalkette einfach nicht auf.

    Es hat sich auch zudem gezeigt, dass die größten physischen Mengen an Gold oder Silber nie an den Tiefs gekauft werden. Der Glaube, jeder kauft doch, wenn es billig ist, trifft leider nicht zu. Im Gegenteil: Ein Abverkauf wird die Menge an physisch verfügbaren Gold und Silber massiv erhöhen.

    Hoch bei Gold und Silber bald vorbei?

    Damit kommen wir zu unserem eigentlichen Punkt:

    Wir sind uns jetzt ziemlich sicher, dass ohne ein Wunder – so muss man es bezeichnen – Gold und Silber keine weiteren Ausbrüche nach oben hinbekommen werden. Wir sehen hier aktuell Gold und Silber, wenn überhaupt noch, auf den letzten Metern zu einem Hoch. Im Anschluss wird dies mit einer heftigen Korrektur einhergehen, die Gold in der Tat auf Kurse unter 1000 Dollar treiben kann. Es fehlen noch ein paar Dominos, doch die ersten sind bereits gefallen und das übergeordnete Chart-Bild beider Märkte zeichnet sowohl strukturell als auch seitens der Indikatoren ein sehr düsteres Bild. Bitte nehmen Sie unsere Warnungen ernst. Auch wenn wir im imminenten Bild mal daneben liegen: Die großen Wendepunkte der letzten fünf Jahre haben wir alle ohne Ausnahme korrekt vorausgesagt.

    Die Grafik zeigt den Verlauf des Gold-Preises der letzten Jahre. Dem Hoch 2011/2012 folgte ein Tal, von dem sich der Gold-Kurs erst seit wenigen Jahren wieder erholt. Droht nach den Rekord-Hochs der letzten Monate ein erneuter Absturz und damit der Ausverkauf?
    © Foto : Hopf-Klinkmüller, Stuttgart, 2019
    Die Grafik zeigt den Verlauf des Gold-Preises der letzten Jahre. Dem Hoch 2011/2012 folgte ein Tal, von dem sich der Gold-Kurs erst seit wenigen Jahren wieder erholt. Droht nach den Rekord-Hochs der letzten Monate ein erneuter Absturz und damit der Ausverkauf?

    Wir haben dabei beiden Märkten die Chance gelassen, uns vom Gegenteil zu überzeugen, respektive lassen ihnen die Chance, denn wir sind ja in beiden noch „Long“ (stehen auf Kauf bzw. Halten).

    Aber scheitern die Bewegungen nun unter 1452 Dollar bei Gold und 16,94 Dollar bei Silber, müssen wir uns auf Short-Trades (sprich: auf Verkauf) konzentrieren und können uns ganz schnell bei Gold deutlich unter 1400 Dollar und in Silber sogar unter 15 Dollar wiederfinden. Denn alles, was wir aktuell seit den Hochs bei 1566 Dollar und 19,75 Dollar an Strukturen ausgebaut haben, kann auch als „i-ii-1-2-Setup“ (siehe Chart-Bild) gezählt werden. Folglich würden die beiden Märkte innerhalb der dritten Wellen den Ausverkauf lostreten. Wie bereits im Laufe der letzten Woche geschrieben, haben wir Short-Setups vorbereitet und werden diese bei Bestätigung sofort ausrollen.

    Versagen „Bullen“ diese Woche?

    Wir halten also fest: In dieser Woche wird es darum gehen, ob sich Gold und Silber über 1452 Dollar, respektive über 16,94 Dollar, halten können. Versagen die „Bullen“ in diesem Schritt, sehen wir kaum noch eine Chance, den Markt vor dem Ausverkauf zu bewahren.

    Im Gegenzug müsste auf der anderen Seite im Falle von Silber ein Ausbruch über 18 Dollar her, wobei dieser wahrscheinlich auch ohne ein nochmaliges Tief unter 17,18 Dollar kaum realisierbar ist, da wir am vergangenen Freitag den Impuls vom Tief erstmal wieder neutralisiert haben. Wir erwarten also durchweg – so oder so – nochmals ein Tief, ehe die Aufwärtsbewegung erneut eine Chance bekommt. Dies gilt auch für den GLD („SPDR Gold Trust“, ein börsengehandelter Gold-Fonds – Anm. d. Red.), der dabei unter 137,80 Dollar fallen würde und sich dann über 136 Dollar fangen muss.

    Zur Person: Philip Klinkmüller ist Markt-Analytiker, Experte für den Gold- und Silbermarkt und Geschäftsführender Gesellschafter bei dem Investitions-Beratungsunternehmen „Hopf-Klinkmüller Capital Management“ in Stuttgart.

    Er schreibt als SPUTNIK-Gastautor regelmäßige Kolumnen zu den Bereichen Gold/Silber, Börse und Aktien sowie zu Fragen des Tradings und der Wirtschaft.

    Analysen und Trades von „Hopf-Klinkmüller“ finden Sie – auch als kostenlosen Service – unter www.hkcmanagement.de

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Gewinner, Markt, Silber, Gold, Dollar