06:18 11 Dezember 2019
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Größte US-Investmentbanken warnen: 2020 droht massiver Dollar-Wertverlust

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    Im kommenden Jahr werden US-Aktiva unter Investoren stark an Attraktivität verlieren. Das wird auch nicht spurlos am US-Dollar vorbeigehen – eine Abwertung der US-Währung sei zu erwarten, warnt die Investmentbank Morgan Stanley.

    Auch die Prognosen der Bank of America fallen negativ aus. Warum Analysten nichts Gutes für die US-Währung prognostizieren – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Niedrige Zinssätze und Rückgang der Nachfrage

    Der US-Aktienmarkt zeigte in diesem Jahr eine beeindruckende Dynamik – der S&P500-Index stieg erstmals auf mehr als 3100 Punkte. Doch laut Einschätzungen von Morgan Stanley wird sich demnächst viel ändern – der Markt wird einen Rückgang erleben. Ende 2020 wird der S&P500-Index auf 3000 sinken.

    Auch beim US-Dollar sind die Aussichten trübe. Laut Prognose der Investmentbank wird sein Rückgang eine der Haupttendenzen des kommenden Jahres. „Die US-Währung wird wegen der Verlangsamung der Wirtschaft im Land, der Wiederherstellung des Wachstumstempos außerhalb der USA und des Rückgangs des Zustroms der Portfolio-Investitionen betroffen sein.“

    Auch die Fed-Politik wird Konsequenzen haben. „Donald Trump fordert von der Fed ständig die Dollar-Abwertung und den Übergang zu negativen Zinssätzen, was die Einträglichkeit der Dollar-Aktiva stark senken wird“, so der Chef-Devisenstratege von Morgan Stanley, Hans Redeker.

    Vor einigen Tagen setzte Trump erneut Fed-Chef Jerome Powell unter Druck und forderte eine weitere Senkung des Zinssatzes. „Der Leitzins ist zu hoch im Vergleich zu dem in anderen Ländern – unseren Rivalen. In der Tat müssen bei uns die Zinssätze niedriger als bei allen anderen sein. Ein zu starker Dollar schadet den Produzenten und dem Wachstum!“, schrieb Trump auf Twitter.

    In diesem Jahr war ein bedeutender Zustrom der ausländischen Investitionen in die US-Währung zu erkennen. Seit Januar stieg der Dollar-Index, der seinen Wert bezüglich der wichtigsten Weltwährungen widerspiegelt, um etwa 4,9 Prozent. Doch angesichts der Senkung der Zinssätze seit Juli müssen die Investoren nach mehr Einträglichkeit auf anderen Märkten suchen. Ende 2020 sollte der Dollar-Index von den jetzigen 97 auf 81 Punkte fallen, so Morgan Stanley.

    Ein weiterer Faktor – Europa, Japan und China investieren immer weniger in internationale Finanzmärkte, was die Dollar-Nachfrage senkt.

    „In den USA ist ein Defizit des Haushalts und der Leistungsbilanz zu erkennen – der Staat braucht Käufer der Staatsanleihen. Wenn sie Schulden schaffen, muss es jemanden geben, der sie kauft. Das ist nicht einfach, wenn die globale Zugänglichkeit des Kapitals stark sinkt“, so Experten der Investmentbank.

    Es werde immer schwieriger, ein Haushaltsdefizit zu finanzieren, das fast bei einer Billion liegt.

    Riesiges Defizit

    Die US-Consultingfirma Jeffries warnt: In nächster Zukunft könnte es zu einem starken Sprung des Haushaltsdefizits kommen – wegen der Präsidentschaftswahlen 2020. Es gibt Befürchtungen, dass die ohnehin große Diskrepanz zwischen den Einnahmen und Ausgaben mit der Machtübernahme durch einen neuen Präsidenten weiter zunehmen wird. Analysten zufolge könnte dies den US-Dollar in eine lange Periode der Abwertung treiben.

    „Letztendlich wird es als Ergebnis übermäßige Ausgaben der Regierung geben. Wenn der Markt zu begreifen beginnt, dass der Zustand der Staatsfinanzen wegen der Handlungen des nächsten Präsidenten beinahe gestresst ist, wird der Dollar kurzfristig eine Abwertung erleben“, heißt es bei Jeffries.

    Ein Dollar-Wertverlust gegenüber Yen, Euro und Pfund im kommenden Jahr wird auch von der Bank of America prognostiziert. Nach Einschätzungen der Bank wird der Euro auf 1,15 Dollar steigen (derzeit sind es 1,1).

    Goldman Sachs betonte beim „Global Macro Outlook“, dass ein mäßiges Wachstum der US-Wirtschaft und schwache Wirtschaftsaktivität in China bislang einen großen Ausverkauf des US-Dollars verhindern, doch langfristig seien Veränderungen unvermeidlich. „Eine nachhaltigere Wiederherstellung in der Eurozone, der bedeutende Rückgang der Tarife für Importe aus China und die Senkung des Fed-Leitzinses – das sind offensichtliche Risiken für Dollar“, heißt es in dem Dokument.

    Laut Analysten von Goldman Sachs sind die größten Befürchtungen mit dem „internationalen Dollar“ verbunden, der seine Rolle als globale Reservewährung widerspiegelt. Die Beschleunigung des Wachstums der Weltwirtschaft würde im kommenden Jahr einen starken Einfluss in Richtung Abwertung ausüben. In der Bank wird eine „gemäßigte Abschwächung“ um 1,5 bis zwei Prozent erwartet.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Euro, Dollar, Donald Trump, Jerome Powell, US-Notenbank FED, USA