21:08 24 Januar 2020
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    Vier führende europäische Banken haben aus ihren Tochterfirmen in den USA etwa 280 Milliarden Dollar ausgeführt. Dies lässt sich vor allem auf die immer größeren Probleme in der US-Wirtschaft und den andauernden Handelskrieg zwischen Washington und Peking zurückführen.

    Der Finanzabzug aus den USA seitens einiger europäischer Banken könnte vor allem damit zusammenhängen, dass die Kreditanstalten, die an der Finanzierung des Exports und Handels interessiert sind, um ihre Profite fürchten.

    Nichts wie weg!

    Nach Angaben der „Financial Times“ haben die Banken Credit Suisse und UBS (beide Schweiz), Barclays (Großbritannien) und die Deutsche Bank in den vergangenen drei Jahren ihre Aktiva in Übersee um etwa ein Drittel reduziert. Insgesamt wird die Summe auf 280 Milliarden Dollar geschätzt.

    Die europäischen Kreditgeber sind um die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in der Neuen Welt beunruhigt: Im Oktober hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die BIP-Wachstumsprognose in den USA auf 2,4 Prozent gesenkt. Zum Vergleich: Weltweit ist die Zahl um sechs Prozentpunkte höher. Dabei ist das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal laut dem Handelsministerium auf 1,9 Prozent im Jahresvergleich geschrumpft.

    Dementsprechend wird die Kreditvergabe immer riskanter, und die Nachfrage nach der Finanzierung des Exports und des Handels sinkt wegen des andauernden Handelskriegs zwischen Washington und Peking.

    Anfang Dezember teilte der chinesische Zolldienst mit, dass der Export in die USA in den vergangenen elf Monaten um 12,5 Prozent auf 383,5 Milliarden Dollar zurückgegangen sei. Der Import aus den USA sei sogar um 23,3 Prozent auf 111 Milliarden Dollar eingestürzt.

    Besonders schwer ergeht es der Landwirtschaft und der Ölindustrie. Im Oktober stellte das Reich der Mitte den Kauf des „schwarzen Goldes“ in Amerika völlig ein und hat sich auf Russland und Saudi-Arabien umorientiert. Zudem reduzierte es den Sojabohnen-Import, wobei das die wichtigste Exportkultur amerikanischer Farmer ist.

    Auch IT-Giganten bekamen ihr Fett weg: Seit Anfang Dezember ist es chinesischen Behörden verboten, im Ausland hergestellte Computer und Software zu verwenden. Laut der „Financial Times“ wird die Volksrepublik im kommenden Jahr 30 Prozent aller Importgeräte loswerden. 2021 soll diese Zahl 50 Prozent und 2022 sogar 100 Prozent erreichen. Das dürfte schmerzhaft für solche Konzerne wie HP, Intel und Microsoft werden.

    Der chinesische Riese Huawei, gegen den Washington seine Sanktionen verhängte, braucht inzwischen keine in den USA hergestellten Komponenten für die Produktion von 5G-Stationen und Smartphones Mate 30 Pro mehr. Das hatte schlimme Folgen unter anderem für die Firma Broadcom, deren Gewinn im dritten Quartal 12,3 Prozent verloren hat.

    „Die Spannungen im Handel könnten die Qualität der Bankenkredite schlimmer machen. Es ist nicht auszuschließen, dass die weitere Zuspitzung der Kontroversen zwischen den USA und China eine lokale Krise auf den Finanzmärkten auslösen wird“, vermuten Analysten der Ratingagentur Moody’s.

    Der Point of no return

    US-Präsident Donald Trump hat versprochen, am 15. Dezember 15-prozentige Importzölle für alle chinesischen Waren zu verhängen, die von den bisherigen Restriktionen nicht getroffen worden sind, falls Peking Washington nicht vom Gegenteil überzeugen sollte.

    Die Chinesen bestehen ihrerseits darauf, dass Washington alle Importzölle abschafft – erst dann wären sie zu Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag bereit. Der US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue sagte aber offen, dass bis Ende dieser Woche keine Fortschritte in dieser Frage zu erwarten seien.

    Die meisten Ökonomen sind sich einig, dass die neuen antichinesischen Maßnahmen die Märkte erschüttern werden – vor allem in den USA. Denn China lässt sich nicht einschüchtern und wird wohl keine Zugeständnisse machen. Quellen aus dem Umfeld der Unterhändler behaupten, dass in Peking bereits „schwarze Listen“ von US-Unternehmen erstellt worden seien, deren Produkte das Reich der Mitte nicht mehr importieren werde.

    Aber selbst im Falle eines optimistischeren Szenarios (wenn Trump doch noch auf neue Importzölle für chinesische Waren verzichtet) wird es keinen Aufschwung im bilateralen Handel geben: Bis Ende dieses Jahres werden Peking und Washington sowieso kein neues Abkommen unterzeichnen können.

    „Das müsste ein bis ins Detail konkreter Deal sein, und ich glaube nicht, dass er bis Ende Dezember vereinbart werden könnte“, sagte der Direktor des Zentrums für amerikanische Studien bei der Chinesischen Volksuniversität, Shi Yinhong. „Es ist unwahrscheinlich, dass China konkrete Verpflichtungen zum Kauf von Landwirtschaftsprodukten in den USA übernehmen wird.“

    Das bedeutet, dass ausländische Investoren auch weiterhin ihre Kapitale aus US-amerikanischen Unternehmen ausführen werden, so dass Washingtons Probleme nur noch größer werden.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Dollar, Handelskrieg, UBS, USA, Huawei, Donald Trump, Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank