20:54 24 Januar 2020
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    Seit der vorerst letzten Weltfinanzkrise sind inzwischen mehr als zehn Jahre vergangen, und Ökonomen warnen, dass eine neue schon kurz bevorsteht.

    Experten der Weltbank haben sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und befürchten, dass der neue Wirtschaftscrash alle früheren übertreffen wird.

    Dèjà-vu

    Vor elf Jahren wurde die globale Rezession durch die Hypothekenkrise in den USA ausgelöst. Damals kamen amerikanische Banken angesichts der geschrumpften Nachfrage nach Krediten auf die Idee, die Anforderungen an die Kreditnehmer zu mildern und Kredite auch Personen mit geringerer Bonität (so genannte „Subprime-Kredite“) zu gewähren.

    Um das Risiko der Nichtrückzahlung der Darlehen zu minimieren, die auf diesem Gebiet traditionell ziemlich hoch sind, wurden für hypothekarische Pfandbriefe Derivate emittiert – also neue Wertpapiere, deren Rentabilität an das Risiko üblicher Wertpapiere gebunden war: Derivate mit geringeren Risiken waren auch weniger rentabel und hatten ein höheres Bonitätsrating. Bei Derivaten mit größeren Risiken war die Situation umgekehrt.

    Investoren kauften massenweise Instrumente mit „geringen Risiken“, doch irgendwann stellte sich heraus, dass rekordmäßig viele Kredite verfallen waren. Erschrockene Banken stellten auf einmal die Kreditvergabe ein, und Immobilien wurden praktisch kaum noch gekauft.

    Lehman Brothers, die viertgrößte Bank der Welt, deren Aktiva auf 639 Milliarden Dollar geschätzt wurden, vermeldete im ersten Halbjahr 2008 Verluste von Hunderten Millionen Dollar, ging vor Gericht und ließ ein Insolvenzverfahren einleiten, um sich vor ihren Kreditgebern zu schützen.

    Diese Nachricht löste Panik auf internationalen Märkten aus, und die Hypothekenkrise in Amerika führte zu einer globalen Katastrophe.

    Ähnlich erschütternd war auch die Asienkrise in den späten 1990er-Jahren gewesen. Damals hatten internationale Investmentfonds eine umfassende spekulative Attacke gegen den Bath, die Währung Thailands, organisiert und dadurch den Einsturz des dortigen Wertpapiermarktes provoziert. Davon wurden Indonesien, die Philippinen, Malaysia, Südkorea und Russland getroffen – Investoren flüchteten massenweise von hochriskanten Entwicklungsmärkten.

    Ein intransparentes Kreditsystem, aufgeblähte Handelsdefizite und mangelhaft entwickelte Kapitalmärkte in den Ländern, die in den 1970er-Jahren als „asiatische Tiger“ gegolten hatten – das alles löste die Katastrophe aus: Die wichtigsten asiatischen Börsen wurden quasi gelähmt, und die regionalen Währungen verloren drastisch an Wert.

    Diese beiden Erschütterungen hat die Weltbank neben der Krise der 1980er-Jahre in Lateinamerika zu den größten seit 50 Jahren gezählt. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Tendenzen in mehreren Dutzenden Ländern sind ihre Analysten zu dem Schluss gekommen, dass eine neue, noch größere Finanzkrise auf die Welt zukommt, die anders als alle früheren sein werde und deren Folgen noch schlimmer sein könnten.

    Das Hauptproblem sehen die Weltbankexperten im drastischen globalen Anstieg der Schuldenlast – sowohl im privaten als auch im staatlichen Sektor. Die globalen Schulden haben bereits 246 Billionen Dollar erreicht, und das ist der absolute Rekord, denn sie übertreffen das globale Bruttoinlandsprodukt um mehr als das Dreifache.

    Besonders große Risiken sind mit den Verbindlichkeiten der Entwicklungsländer verbunden, die nicht getilgt werden konnten. Ihr Verhältnis zum BIP ist zwischen 2010 und 2018 um mehr als die Hälfte gewachsen – auf 168 Prozent. Dieses Tempo ist viel intensiver als beispielsweise während der lateinamerikanischen Krise.

    Wie das Institut für internationale Finanzen zuvor verwiesen hatte, haben gerade Entwicklungs- bzw. Schwellenländer am meisten zum Anstieg der globalen Schulden beigetragen. Besonders groß soll er in Chile, Südkorea, Brasilien, Südafrika und in Pakistan gewesen sein. Dabei entfällt ein beträchtlicher Teil auf den korporativen Sektor, dessen Schulden die Höhe des gesamten BIP der 30 Entwicklungs- bzw. Schwellenländer nahezu erreichen – 92,6 Prozent.

    China als Epizentrum

    Die Experten der Weltbank betonen, dass in den letzten Jahren der Anstieg der neuen Schulden vor allem durch das Vorgehen Chinas provoziert werde. Seit 2010 sei das Verhältnis der chinesischen Schulden zum BIP des Landes um drei Viertel gestiegen: auf 255 Prozent – und belaufe sich auf 20 Billionen Dollar. 

    Damit hat die neue globale Krise ihren Ursprung im Reich der Mitte. Und sie wird voraussichtlich viel umfassender und schwerer als alle früheren Krisen sein.

    Chinas korporative Schulden sind die weltweit  größten. Als die Finanzkrise 2008 ausbrach, reagierte Peking mit einem Ausbau der Kreditvergabe darauf. Bis 2016 sind die korporativen Schulden auf 160 Prozent des BIP und die gesamten Schulden auf 230 Prozent gewachsen.

    Im Rahmen seines strategischen Programms „Made in China 2025“ kauft Peking massenweise westliche Unternehmen, um Zugang zu den neuesten Technologien zu bekommen. Dafür brauchten chinesische Unternehmen natürlich riesige Gelder. Angesichts dessen sind die korporativen Schulden der Volksrepublik allein im vorigen Jahr um 3,8 Prozentpunkte gewachsen (laut Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich). Zum Vergleich: Chinas Staatsschulden haben „nur“ um 0,8 Prozentpunkte und die der Privathaushalte um 0,9 Prozentpunkte zugelegt.

    Chinesische Unternehmen können sich leicht neue Kredite leisten – dank dem „Schatten-Banking“: Dieser Sektor ist inzwischen beunruhigend groß geworden. Da viele Kunden bereits viele Kredite haben, können sie sich offiziell keine neuen Darlehen leisten, aber chinesische Banken stellen ihre Gelder verschiedenen Finanzvermittlern (sprich Wucherern) bereit, die diese Mittel dann Kreditnehmern gewähren.

    Bereits seit 2012 übertreffen solche illegalen Kreditgeber die traditionellen Finanzinstitute beim Umfang der Kreditvergabe. Diese Mechanismen haben eine wesentlich höhere Rentabilität, sind jedoch auch mit größeren Risiken verbunden. Dank dem „Schatten-Banking“ wächst die Schuldenlast der chinesischen Unternehmen immer weiter.

    Nach dem neuesten Stand hat dieser Sektor im Reich der Mitte etwa sieben Billionen Dollar erreicht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte bereits, dass diese „Blase“ irgendwann platzen werde und die nationale Wirtschaft zum Kollaps führen sowie eine neue Asienkrise provozieren würde, wie das schon 1997 der Fall war.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Finanzkrise, Hypothekenkredite, Weltbank, USA, China