14:08 14 August 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Die traditionelle Sonntagabend-Show „Anne Will“ präsentierte sich diesmal ohne Publikumskulisse: größere Menschenansammlungen sind eben untersagt. Dafür scharte die Moderatorin umso mehr Gäste um sich – die, hygienisch gesehen, viel zu eng saßen.

    Bei der „heute-show“ am selben Abend war das Ausbleiben der Zuschauer im Studio auf jeden Fall viel spürbarer – dort hätten sie ja sonst zwei-dreimal pro Minute laut und lange lachen sollen. Bei „Anne Will“ gab es bisher äußerst selten etwas zum Lachen, und  die eventuellen – wenigen – Applaus-Einlagen, wozu das „Anne-Will“-Publikum gebraucht werden könnte, dürften als verzichtbar angesehen werden.

    Beim Thema „Coronavirus“ gibt es ohnehin vorerst wenig zu beklatschen. Hatte man bei der vorangegangenen TV-Show dieser Reihe noch darüber diskutiert, wie berechtigt die Angst vor dem Virus ist und inwieweit die in diesem Zusammenhang beschlossenen bzw. geplanten Restriktionen begründet sind, so hieß es diesmal, man habe bei den Vorbereitungen darauf viel zu viel Zeit verloren.

    „Wir haben wahnsinnig viel Zeit verschlafen“, so Alexander Kekulé, Virologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Man hätte etwa die Schulen viel früher schließen müssen. Die bedrohliche Arithmetik des Virologen: binnen acht Wochen könnte ein einziges Kind 3000 Menschen anstecken, was zu 15 Todesfällen führen könne. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet wies die Kritik zurück: Noch Mitte vergangener Woche habe das Robert-Koch-Institut von Schulschließungen „eher abgeraten“. Zugleich sprach er von der „ernstesten Situation in den letzten 70 Jahren unseres Landes“, wobei er wohl vor allem den wirtschaftlichen Aspekt meinte.

    Einigung herrschte zugleich hinsichtlich der Grenzschließung, und zwar sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht – um die Franzosen bei den Hamsterkäufen zu hindern (so Vizekanzler Olaf Scholz), als auch zwecks Verhinderung des Virenaustauschs. Aber auch für die Hamsterkäufe der Deutschen in Deutschland sieht Scholz keinen Grund: Die Supermärkte bleiben offen, Banken und Apotheken ebenfalls.

    Was die Ausgangssperren – wie in Spanien oder Italien – anbelangt, war Scholz weniger sicher: „Wir diskutieren alle Maßnahmen sehr sorgfältig.“ Der Virologe ist strikt dagegen: „Die ganze Republik jetzt in die Bude einzusperren, dafür gibt es keine medizinische Indikation.“ Spaziergänge mit der Familie im Park wären durchaus ratsam.

    Angst der bayerischen Gastwirte trifft auf unhygienische Enge im Studio

    Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Dehoga Bayern, mahnte: In der gebilligten Schließung von Kneipen und Hotels stecke die Gefahr, dass von 220.000 Betrieben die Hälfte „nach dieser Krise nicht mehr existiert“. Dazu konnte Olaf Scholz kein konkretes Beruhigungsmittel verabreichen – bis auf den Hinweis auf die von der Bundesregierung bereits beschlossenen „unbegrenzten Kredite“.

    Überhaupt kam der wirtschaftliche Aspekt bei der streng bemessenen Sendedauer (die allerdings um fast zehn Minuten überschritten wurde) viel zu kurz. So kam die von Anne Will eingeladene Wirtschaftsjournalistin Cerstin Gammelin so gut wie nie zu Wort und sorgte faktisch nur für die „unhygienische“ Enge des Kreises herum um die Moderatorin.  „Ich glaube, es ist noch nicht verstanden, dass man diese zwei Meter (Distanz) halten muss“, sagte Claudia Spies, die ärztliche Leiterin des Charité-Centrums für Anästhesiologie und Intensivmedizin. „Zwei Meter Abstand, nicht so wie hier.“ Während der Sendung war nämlich klar zu vernehmen, dass jemand im Kreis ein paar Mal gehustet hat. Bleibt nun abzuwarten, ob sich dieser bzw. diese „Jemand“ in wenigen Tagen als infiziert erweisen würde.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Anne Will, ARD, Deutschland, Coronavirus