07:28 09 April 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Das Coronavirus – was denn sonst? – war das Hauptthema der zweistündigen „Hart aber fair“-Sendung am Montagabend. Die meisten Teilnehmer waren dabei sichtlich bemüht, den Zuschauern und sich selbst Optimismus einzuflößen, so der Eindruck unseres Redakteurs, der die Sendung für Sie verfolgt hat.

    Zu diesem Zweck fuhr die ARD ein Großkaliber wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf, der sich dieser Aufgabe wohl auch durchaus bewusst war. „Wir haben so viele Reserven, dass wir versprechen können, dass wir alles tun, dass kein Arbeitsplatz und kein gesundes Unternehmen schließen muss und verloren geht.“ Bei Großunternehmen würde man notfalls zu temporären Verstaatlichungen greifen. „Egal, ob es eine Milliarde mehr oder weniger kostet“, hieß es.

    Ungewohnt optimistisch klang auch ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, die nicht mit Lob für die Bundesregierung geizte: Die Wirtschaft der Bundesrepublik sei in einer hervorragenden Ausgangssituation, die Schuldenstände seien im Vergleich zu anderen Ländern niedrig, es würden auch Überschüsse erzielt.

    „Fasst euch nicht ins Gesicht!“

    Etwas weniger optimistisch klang der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit von der Uni Hamburg: man rede nicht über zwei Wochen Corona-Ferien, sondern „über mehrere Monate Corona-Quarantäne“. Und:

    „Die Bevölkerung muss sich auf eine lange Zeit der Entbehrung und des Kampfes einstellen.“ Die nun beschlossenen drastischen Maßnahmen würden erst in 14 Tagen ihre Wirkung zeigen. „Wir werden schon einen Effekt sehen - wie stark dieser sein wird, wird sich dann zeigen.“

    Zugleich relativierte er die Ansteckungsgefahr durch das Virus, so sei das Benutzen des öffentlichen Nahverkehrs aus seiner Sicht weitgehend unproblematisch – man müsse nur nach Möglichkeit die erforderliche zwei-Meter-Distanz halten. Als übertrieben hoch bewertete der Experte auch die bisher geschätzte Zählebigkeit des Virus auf Gegenständen aus Metall oder Textil. Hauptsache aber: „Fasst euch nicht ins Gesicht“, so der Virologe.

    „Man kann sich schon voneinander anstecken lassen“

    Sicherlich extra zum Puschen von Optimismus und Lebensfreude in der Notsituation hatte der Sender die Psychologin Ulrike Scheuermann eingeladen. „Man kann sich schon voneinander anstecken lassen“, lautete ihr wohl speziell auf dem Weg zur Sendung vorbereiteter Scherz. „Wir sollten versuchen, uns von ruhigen und besonnenen Menschen anstecken zu lassen und nicht von denen, die gerade panisch überreagieren.“ Die jetzige Krise sei die richtige Zeit für Schulterschluss und Solidarität. „Die Hilfsbereitschaft wird immer wichtiger und auch immer mehr werden. Wir kommen dann mehr in einen Hilfemodus rein“, behauptete die strahlende Zweckoptimistin.

    In dem Zusammenhang wurden so manche Bundesliga-Millionäre erwähnt, die in diesen schweren Zeiten etwas von ihren Millionen spenden könnten, wo sie doch angesichts der Bundesliga-Pause eh nicht viel zu tun haben. „Ich bin mir ganz sicher, dass der eine oder der andere Bundesliga-Spieler selbst überlegen, wie sie ihren Beitrag leisten können“, meinte Altmaier. „Wir sind in Deutschland nicht knausrig, wenn es darum geht, zu helfen. Ich bin ganz zuversichtlich, dass die Menschen nicht gezwungen werden müssen, zu helfen und zu spenden… Freiwilliges Helfen ist allemal schöner, als wenn der Staat das durch höhere Steuern und Abgaben erzwingt.“

    Für einen emotionalen Dämpfer sorgte allerdings gegen Schluss die Frage eines Zuschauers - ausgerechnet eines Bestatters: Wie sollen die an Coronavirus Verstorbenen bestattet und wie soll die Trauerfeier gestaltet werden, wenn man vielleicht gar nicht mehr raus darf? Während der Virologe eher eine ausweichende Antwort gab („Wir haben diesbezüglich noch zu wenige Informationen“), hatte Altmaier eine Antwort parat: „Es wird Möglichkeiten geben, das gemeinsame Gedenken später nachzuholen.“

    Wann allerdings dieses „Später“ eintreten soll – darauf hat wohl vorerst niemand eine Antwort.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Peter Altmaier, Quarantäne, Bundesliga, ARD, Deutschland, Coronavirus