12:34 10 August 2020
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    Innerhalb von nur drei Wochen ist die Kapitalisierung der globalen Märkte um 27 Billionen Dollar eingebrochen, weil in Panik geratene Anleger ihre Vermögenswerte im großen Stil abstoßen und sich mit Bargeld eindecken. Die US-Währung wird teurer, weil sie zunehmend knapper wird.

    Womit das alles enden wird – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Panik auf den Märkten

    Nach Angaben der Bank of America transformierten innerhalb der vergangenen drei Wochen Anleger 137 Mrd. Dollar in Barvermögen – ein absoluter Rekord. Der Dollar-Index, der den Kurs gegenüber den sechs wichtigsten Weltwährungen widerspiegelt, stieg seit dem 10. März um 5,3 Prozent und überholte erstmals seit April 2017 die Marke von 100 Punkten. Diese Werte wurden angesichts der großen Aufregung um das Bargeld erreicht – wegen des Einsturzes der Märkte bringt der Ausverkauf der Wertpapiere nicht den erwarteten Effekt.

    Am Montag brachen die US-Fondsindexe um zwölf bzw. 13 Prozent ein – der größte Absturz seit dem „Schwarzen Montag“ im Jahr 1987. Anleger wurden zudem von der Erklärung Trumps über eine mögliche Rezession verunsichert. Die Weltmärkte verloren innerhalb von drei Wochen 27 Bio. Dollar – fast ein Drittel der gesamten Kapitalisierung.

    Die größten Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley kündigten den Beginn einer weltumspannenden Rezession an. Bei Morgan Stanley wurde das als Basisszenario eingestuft - mit einem Rückgang des Wachstums des globalen BIP in diesem Jahr um 0,9 Prozent. Die Prognose von Goldman Sachs ist noch pessimistischer – 1,25 Prozent.

    Die US-Notenbank Fed versuchte, die Panik auf den Finanzmärkten durch eine umfassende Lockerung der Geldpolitik zurückzuhalten. Zur Beruhigung der Anleger berief die Fed erstmals seit 2008 eine Krisensitzung ein und senkte die Zinsen von 1,5-1,75 auf 1-1,25 Prozent. Das geschah am 3. März. Bereits zwölf Tage später senkte die Fed die Spanne des Zinssatzes für föderale Fonds auf 0-0,25 Prozent, wobei der Zinswert der Kredite für Banken beinahe auf null gestellt wurde.

    Dennoch verliefen diese Maßnahmen im Sande. Nach einer kurzen Erholung sanken die Indexe wieder, wobei in der ersten Stunde vier bzw. fünf Prozent verloren wurden.

    Dollar-Defizite

    Die Fed-Aktionen sollten die US-Währung abschwächen, doch der Dollarkurs schnellt in die Höhe, stellt die „Financial Times“ fest.

    Das wird damit erklärt, dass Unternehmen und Banken sich massiv mit Bargeld eindecken, um Schulden zu tilgen und das Geschäft in der Zeit der Covid-19-Pandemie zu stützen. Darüber hinaus befürchten viele Finanzorganisationen eine Welle von Kreditausfällen der Unternehmen.

    Auf diese Weise wird die Dollar-Finanzierung teurer – trotz der entschlossenen Fed-Maßnahmen. „Wir haben das Problem unterschätzt. Es wird schwieriger als erwartet, die Situation um den Dollar-Mangel zu regeln“, sagte der Chef der Abteilung Währungs-Studien der Deutschen Bank, George Saravelos.

    Laut Bloomberg steigt seit Anfang März kontinuierlich der Wert der Finanzierung via Währungs-Swaps – sie werden von Banken und Firmen genutzt. Er stieg bereits auf den Höhepunkt vor zehn Jahren.

    „Die Lehre, die uns das Jahr 2008 brachte, besteht darin, dass die Banken, die eine Dollar-Finanzierung brauchen und sie nicht heranziehen können, mit einem massiven Ausverkauf der Aktiva beginnen“, so Analysten des Unternehmens Absolute Strategy Research.

    Nach Fed-Angaben sollen bis zum 14. April etwa 5,5 Bio. Dollar zusätzlich injiziert werden. Allerdings stoßen die Anleger Aktiva in der Hoffnung ab, mit Cash zu überleben. Nach Angaben der Bank of America wurden in der vergangenen Woche 137 Mrd. Dollar in Bargeld angelegt – ein absoluter Rekord.

    „Es kommt zu einem wellenartigen Zusammenbruch – das führt dazu, dass man sogar aus den Gold-Aktiva rausgeht“, sagte Vishnu Varathan von der Mizuho Bank in Singapur.

    In der ganzen Welt werden Fabriken geschlossen – allein am Mittwoch kündigten Ford und VW die Stilllegung ihrer Werke an; Investitionen in Produktion werden abgebaut. Die Anlagen in Dollar sind für Unternehmen ein Art „Airbag“.

    Die Geldspritzen der Fed sollten im Ergebnis den Kurs stabilisieren. Doch sobald die Panik auf dem Markt nachlässt, würde ein solcher Zustrom von Dollar in die Wirtschaft die Inflation ankurbeln und einen globalen Rückgang der US-Währung auslösen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    aktienmarkt, Finanzkrise, US-Dollar, Coronavirus, USA, US-Notenbank FED