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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (332)
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    Die ganze Welt drückt auf die „Pause“-Taste. Die Werke stehen still, Flugzeuge ruhen auf den Startpisten, immer mehr Menschen hocken zu Hause und drehen die Daumen. Alles, um die „tödliche Pandemie“ einzudämmen – koste es, was es wolle.

    Die Erdbevölkerung zählt momentan knapp acht Milliarden Einwohner. Seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie im Herbst 2019 sind knapp 12 000 Menschen gestorben. Zum Vergleich: 2019 zählte die übliche saisonale Grippewelle allein in den USA 75.000 Tote. An die 5.000 TBC-Patienten sterben weltweit täglich. Aber ausgerechnet wegen der Corona-Infektion wird die Welt nun stillgelegt.

    Erstmals in der Geschichte der Menschheit wurde die politische Entscheidung getroffen, Menschenleben zu retten, ohne auf die – horrenden – materiellen Verluste zu schauen. Dass diese schon recht bald unweigerlich auch menschliche Verluste infolge der allgemeinen globalen Verarmung nach sich ziehen werden, zählt momentan gar nicht. Nicht nur diese Art von Humanismus, sondern auch die homogene Front der Befürworter dieser Art von Humanismus ist beeindruckend. So hat der Artikel in der „Berliner Zeitung“  (nur ein Zitat: „Die nach dem Corona-Ausbruch verhängten Maßnahmen werden verheerende Folgen haben und könnten am Ende mehr Opfer fordern als das Virus selbst“) einen massiven, nahezu totalitär wirkenden Shitstorm ausgelöst.

    Laut Karl Marx geht der Kapitalismus problemlos über Leichen, wenn es nach Profit riecht.  Stimmt diese Maxime im 21. Jahrhundert nicht mehr? Oder ist die Pandemie nur ein „triftiger Grund“ und ein willkommener Anlass, die ohnehin unweigerliche Finanzkrise zu kaschieren? Oder erahnen die weitsichtigeren Wirtschaftskapitäne bereits noch höhere Profite, wenn die trüben Corona-Zeiten vorbei sind?

    So einfach ist es vielleicht doch nicht, wenn man auf die Corona-Geschichte in China schaut. Das „Reich der Mitte“ wirtschaftet zwar ziemlich kapitalistisch, seinem politischen Wesen nach ist es aber im Unterschied zum Westen alles andere als demokratisch oder liberal. Keinen hat es gewundert, dass China bei der Bekämpfung der Epidemie in Wuhan keinesfalls demokratisch oder liberal gehandelt hat. Niemandem wird auch in den Sinn kommen, Peking vorzuwerfen, dieses habe dabei aus purer Profitsucht gehandelt.  Was aber immer offensichtlicher wird: Die Corona-Pandemie lässt den globalen Kampf zwischen „liberal“ und „antiliberal“ neu aufflackern.

    Recht plakativ gestaltete sich dieser Kampf in den Zeiten des „arabischen Frühlings“ 2011, als autoritäre Regimes in der arabischen Welt – und nicht nur dort – eines nach dem anderen gestürzt wurden. Wie die Geschichte jedoch zeigte, erlebte diese liberale Welle recht bald ein spürbares „Rollback“.

    Was sehen wir heute am Beispiel der Corona-Krise: Die Zahl der Corona-Toten ist allein in Italien (und selbstverständlich in der liberalen westlichen Welt insgesamt) bereits höher als in China, die demokratischen Rechte werden in Deutschland und in ganz Europa (hoffentlich nicht für immer) eines nach dem anderen außer Kraft gesetzt, alle EU-Länder kapseln sich voneinander ab,  und die Rede ist bereits von einer schier unweigerlichen Verstaatlichung von Unternehmen. Angesichts der Hamsterkäufe diskutiert man bereits offen über eine mögliche Rationierung – zumindest beim Klopapier greifen viele Supermärkte bereits eigenmächtig dazu. Zur selben Zeit fliegen chinesische Mediziner nach Italien, um bei der Bekämpfung der Epidemie zu helfen. Das liberale marktwirtschaftliche Europa hat es indessen immer noch nicht geschafft, ausreichende Mengen an Atemschutzmasken für seine Einwohner zu produzieren.

     

     

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Atemschutzmasken, Wuhan, Epidemie, Finanzkrise, Verstaatlichung, Italien, Klopapier, Rationierung, Coronavirus