19:02 05 Dezember 2020
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    Die Coronavirus-Pandemie ist die erste Erkrankung, deren Verbreitung online zeitnah und in dynamischer Entwicklung verfolgt werden kann, wie man bisher etwa nur die Börsenkurse verfolgt hat. Das globale Netz und die Medien fördern aber zugleich eine bedenkliche Begleiterscheinung der weltweiten Erkrankung: Infodemie.

    Dutzende von Webseiten halten die Interessierten zeitnah auf dem Laufenden – wo und wie die Zahl der Corona-Infizierten und –Toten gestiegen ist. Parallel verbreiten sich über die sozialen Netzwerke Gerüchte und Fakes über Corona. Erstmals deckt sich der jedem User geläufige Internet-Begriff „viral“ mit der realen – medizinischen – Virenausbreitung ab. „Der Papst hat sich mit Corona infiziert“; „20.000 Corona-Infizierte in Moskau“, „Das Coronavirus ist eine Biowaffe“ – derartige Erfindungen, zum Teil als Nachrichten solider Quellen verkleidet, verbreiten sich www-mäßig genauso bedrohlich wie die reale Erkrankung.

    "Uns macht die hohe Zahl von Gerüchten und Falschinformationen Sorge, die unseren Einsatz behindern", so der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: "Wir kämpfen nicht nur gegen eine Epidemie, sondern auch gegen eine Infodemie. Fake News verbreiten sich schneller und einfacher als dieses Virus, und sie sind genauso gefährlich."

    Wann hat man Corona satt?

    Aber nicht nur die Gerüchte und Fake News – die an und für sich glaubwürdigen Beiträge haben in den etablierten Medien quasi eine Eigendynamik entwickelt. Die Nachrichtensendungen gelten fast ausschließlich der Pandemie - Björn Höcke und Co, nahende Präsidentenwahlen in den USA, Krieg in Syrien, die Flüchtlingskrise an der griechisch-türkischen Grenze – all die bisherigen Top-Themen werden höchstens als Randerscheinungen knapp vor der Wettervorhersage behandelt. Jede Talkshow behandelt das Virus und seine Folgen, Serien und Unterhaltungssendungen im Fernsehen müssen zunehmend Programmen zu dieser Problematik weichen, die nun auch die Sendezeit der ausgefallenen Sport-Übertragungen auffüllen. Man muss sich langsam fragen: Ist der Informationsbedarf nicht längst befriedigt? Und: Wann kommt die Übersättigung?

    "Sie können Aufregung und Sorgen verringern, wenn Sie und Ihre Familie weniger Zeit mit Medienberichten verbringen, die sie beunruhigen", schreibt die WHO. "Wir rufen alle Regierungen, Unternehmen und Medienorganisationen auf, die Menschen in angemessenem Umfang zu alarmieren, aber ohne die Flammen der Hysterie anzufachen", erklärte der WHO-Chef bereits im Februar am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Denn gerade panische Stimmungen schaden der zum Widerstand gegen die Corona-Infektion so wichtigen Immunität ganz immens.

    Pandemie als Film-Mode

    Noch vor, besonders aber nach der H1N1-Pandemie 2009/2010 (die auch als Schweinegrippe bekannte Infektionswelle erfasste  laut der WHO über 414.000 Menschen in 209 Ländern mit mindestens 15.100 Toten) wurden dutzende von antiutopischen Spielfilmen über diverse unbekannte und tödliche Seuchen gedreht, die weltweit sicherlich hunderte von Millionen Zuschauern zählten. Der Medienrummel um das Coronavirus kommt also auf einen gut gedüngten Boden – viele von diesen Millionen Menschen empfinden sich heute wahrscheinlich wie in einem solchen Film und (re)agieren entsprechend. Vor zehn Jahren war übrigens niemand auf die Idee gekommen, wegen der damaligen Pandemie ganze Länder abzukapseln, Produktionsstätten zu schließen und Ausgangssperren in den Weltmetropolen einzuführen – die Idee dürfte von einem der Seuchen-Filmen stammen…

    Ein geschlossenes Versace-Geschäft in Berlin, 20. März 2020
    © AP Photo / Michael Sohn

    Bereits heute ist es so gut wie sicher: Die Medien werden „Coronavirus“ 2020 zum „Wort des Jahres“ bzw. zum „Unwort des Jahres“ küren, je nachdem und vorausgesetzt die Weltzivilisation wird bis dahin in ihrem hysterischen Selbstkasteien nicht so weit gehen, dass es Ende des Jahres kaum noch Medien geben wird.

    Wie ein Psychologie-Dozent aus Kasan jüngst in seinem Blog vorschlug, sollte das Wort „Coronavirus“ überhaupt getilgt und durch „Grippe“ bzw. „Lungenentzündung“ ersetzt werden. Wie er behauptet, ging es seinerzeit der Weltwirtschaft gleich besser, nachdem das Wort „Depression“ durch „Rezession“ ersetzt worden war.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    TV-Serie, Film, Grippe, Viral, Ausgangssperre, Talkshow, Fake-News, Afrikanische Schweinepest, WHO, Pandemie, Medien, Coronavirus