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    Die Initiative des US-Präsidenten Donald Trump zur Unterstützung der heimischen Fracking-Industrie ist an den Demokraten im Kongress gescheitert. Die Branche kann jetzt nur noch durch ein Ende des Öl-Kriegs das rettende Ufer erreichen.

    Washington scheint offenbar genug Instrumente in der Hand zu haben, um Saudi-Arabien zur Drosselung der Fördermengen zu zwingen. Allerdings kann der Markt ohne Moskau nicht stabilisiert werden.

    Rache der Demokraten

    Der Kongress weigerte sich, dem Energieministerium Mittel zum Kauf von 77 Mio. Tonnen Öl bei heimischen Frackingunternehmen als strategische Reserven bereitzustellen. Trump hatte dies Anfang des Monats vorgeschlagen. Anschließend wies Energieminister Dan Bruyette eine entsprechende Verordnung an.

    „Bereits wenige Tage zuvor verkaufte die Regierung Ölreserven, um das Haushaltsdefizit zu senken“, twitterte der Energieexperte von Bloomberg, Javier Blas. „Nun werden die Frackingfirmen Öl aus der Tiefe holen, damit Uncle Sam es anschließend unter die Erde, in seine strategischen Speicher wieder pumpt, wobei dafür Milliarden Dollar der Steuerzahler ausgegeben werden.“

    In der vergangenen Woche rief das US-Energieministerium den Kongress dazu auf, die Bereitstellung der Gelder schnellstmöglich zu billigen, um den US-Energieunternehmen und ihren Beschäftigten zu helfen. Allerdings nutzten die Demokraten, die über die Mehrheit im Parlamentsunterhaus verfügen, Gelegenheit, Trump erneut eins auszuwischen. 

    Doch der US-Präsident will nicht aufgeben. Nach Bloomberg-Angaben beauftragte das Weiße Haus das Finanzministerium, die Ankäufe aus dem eigenen Haushalt zu finanzieren. „Die Administration Donald Trumps ist entschlossen gestimmt, billiges Öl zu kaufen“, sagte der Gründer der Firma Rapidan Energy Advisors, Bob McNally. „Ob mit dem Kongress oder auf einem anderen Wege: die strategischen Vorräte werden aufgefüllt. Die Ankäufe sollen bei Klein- und Mittelunternehmen erfolgen, die am stärksten betroffen sind.“

    Nach Ansicht von Analysten reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus. In die strategischen Speicher wurden bereits 634 Mio. bei einer Gesamtkapazität von 714 Mio. Barrel gepumpt. Es bleibt also noch Platz für 80 Mio. Das heißt, dass nur 450.000 Barrel pro Tag innerhalb von sechs Monaten in die Lager gepumpt werden können.

    „Im Vergleich zum Rückgang der Nachfrage ist das sehr wenig“, sagte der US-Energieexperte Justin Jacobs. „Zudem werden die Ankäufe zu einem Marktpreis erfolgen, der jetzt unter dem Selbstkostenpreis liegt. Es ist absolut unklar, wie das die Hersteller retten soll.“

    Niedergang der Industrie

    Die Stimmung bei den Fracking-Unternehmern zeichnet eher ein düsteres Bild. Die Firma Occidental Petroleum verschickte in der vergangenen Woche einen Brief an ihre Beschäftigten mit der Warnung über bevorstehende Lohnkürzungen.

    „Die Situation auf dem Markt zwingt uns zu beispiellosen Maßnahmen”, hieß es in dem Schreiben. „Ab den 1. April werden die Einkünfte der einfachen Mitarbeiter um 30 Prozent gekürzt, bei Top-Managern um 68 Prozent. Der Exekutivdirektor wird 81 Prozent des Gehaltes verlieren. Darüber hinaus werden auch Boni, Verkehrs- und Fitnesssubventionen gekürzt.“

    Bei anderen Firmen kommt es bereits zu Entlassungen. Das große Öldienstleistungs-Unternehmen Halliburton gab  bekannt, dass 3500 Mitarbeiter in Houston ihren Job verlieren. Die Fracking-Firma Apache will 85 Mitarbeiter in ihrer Bürozentrale kündigen.

    „Wir verringern die Zahl der Fracking-Bohranlagen auf Null und richten unser Kapital in andere unsere Projekte. Deswegen mussten wir schweren Herzens Personalkürzung beschließen“, hieß es bei Apache.

    Selbst der Ölriese Exxon Mobil, der sich vorwiegend mit traditioneller Förderung befasst, hat ernsthafte Probleme. „Ausgehend von der präzedenzlosen Marktsituation unternehmen wir entsprechende Schritte, um Kapital- und Betriebsausgaben für die nächste Zukunft umfassend zu senken“, teilte Generaldirektor Darren Woods mit.

    „Der vorherige Preiskrieg, der den Ölpreissturz 2015-2016 auslöste, führte zu einem Personalabbau in der Branche fast um 30 Prozent“, so die Consultingfirma Rystad Energy. Derzeit ist die Ölindustrie mit einem zusätzlichen Effekt der Covid-19-Pandemie konfrontiert. Im Ergebnis würde jeder dritte Beschäftigte in der US-Ölindustrie am Jahresende seinen Job verlieren.

    „Mit den jetzigen Preisen werden wir zweifellos auf einen starken Rückgang der Schieferölproduktion in den USA stoßen“, sagte der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur Fatih Birol. Die US-Ölindustrie erwarte „riesiges Leid“.

    „Die Fracking-Industrie wird zerstört“, schlussfolgert Professor Marshall Watson von der Texas Tech University.

    Höhere Einsätze beim Öl-Poker 

    Nur ein Ende des Ölkriegs zwischen OPEC und Russland könnte die Fracking-Industrie vor dem Zusammenbruch bewahren. Da nach den vielen US-Sanktionen kein konstruktiver Dialog zwischen Washington und Moskau zu diesem Thema möglich ist, konzentrierte sich die Trump-Administration auf Saudi-Arabien.

    Am vergangenen Montag erklärte US-Energieminister Dan Bruyette, dass Washington die Möglichkeit einer Öl-Allianz mit Saudi-Arabien zur Stabilisierung der Preise nach dem schlimmsten Absturz in den vergangenen Jahrzehnten erörtert. Schon aus der Formulierung wird klar, dass Washingtons wichtigstes Anliegen der Stopp des Preisrückgangs ist, also die Kürzung der Ölförderung durch die Araber.

    Die Zeitung „Politico“ berichtete am Dienstag unter Berufung auf Quellen in US-Präsidialverwaltung, dass Trump den saudischen Erbprinzen Muhammed bin Salman anrief und forderte, einen enormen Schaden für die US-Ölindustrie abzuwenden. „Die Ölpreise müssen lebensfähig bleiben“, so Trump.

    Am vergangenen Mittwoch rief auch US-Außenminister Mike Pompeo den saudischen Thronfolger bin Salman an und erinnerte ihn an die Notwendigkeit, die Stabilität auf den internationalen Energiemärkten aufrechtzuerhalten.

    „Der US-Außenminister betonte, dass Saudi-Arabien als einer der führenden G20-Teilnehmer und einflussreicher Energiemarktführer in der Lage ist, die globalen Energie und Finanzmärkte zu beruhigen, wenn die Welt mit ernsthaften wirtschaftlichen Ungewissheiten konfrontiert ist“, hieß es in einer offiziellen Mitteilung des US-Außenministeriums. 

    Bloomberg nannte dieses Gespräch „eine ganz direkte Einmischung der USA in den Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland“.

    Letztes Wort bei Russland

    Experten sind sich sicher, dass die Saudis am Ende einlenken müssen. Es geht nicht nur darum, dass Washington über viele Druckhebel gegen Riad verfügt – die Kongressmitglieder sondierten bereits mehrmals Sanktionen gegen Riad – wegen des Mordes am Journalisten Jamal Khashoggi, des Kriegs im Jemen, einer zu aktiven Entwicklung des Atomprogramms.

    Der entscheidende Faktor könnte die Tatsache sein, dass die Pläne Saudi-Arabiens, mehr Öl zu exportieren, um die Preise zu kompensieren, ins Leere laufen. Das „The Wall Street Journal“ schrieb unter Berufung auf Quellen, dass Riad Schwierigkeiten bei der Suche nach Abnehmern hat – die Raffinerien in den USA und Europa weigern sich, zusätzliches Öl zu kaufen –  trotz des Preisdumpings.

    Zudem wurden die Intrigen Saudi-Arabiens gegen Moskau faktisch durch Peking untergraben. Laut der deutschen „WirtschaftsWoche“ kaufte China im März bei Russland eine Rekordmenge an Öl – 1,6 Mio. Tonnen.

    Somit findet Saudi-Arabien, das seinen Staatshaushalt bereits gekürzt hat, einfach keinen Ausweg. Und Riad bereitet sich auf einen Kurswechsel vor. Wie westliche Medien unter Berufung auf saudische Beamte berichten, wird bei der OPEC--Sitzung im Juni die Kürzung der Ölförderung um sechs Mio. Barrel pro Tag (im März ging es um 3,6 Mio.) besprochen.

    Doch das alles hat ohne Russland keinen Sinn. Die Frage besteht nur darin, was Riad und Washington Moskau im Tausch für das Ende des Ölkriegs anbieten würden.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    OPEC, USA, Fracking, Schieferöl, Donald Trump, Saudi-Arabien, Russland