SNA Radio
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    111764
    Abonnieren

    Den Ölpreis zu senken, ist es Trump mit Twitter, Sanktionen, Drohungen und Erlassen nicht gelungen. Der Versuch, einen Preisanstieg beim Rohöl anzustoßen, gelingt ihm hingegen offenbar schon.

    Unübersehbar stolz hatte Trump vor wenigen Tagen einen neuen Ölpreis-Deal angekündigt. „Ich habe gerade mit meinem Freund MBS (saudischer Kronprinz) gesprochen, der mit Russlands Präsident Putin gesprochen hatte, und ich erwarte und hoffe, dass sie ungefähr zehn Mio. Barrel kürzen werden oder vielleicht deutlich mehr, was … GROSSARTIG wäre für die Öl- und Gasindustrie“, twitterte der US-Präsident am 02. April.

    ​Lange hielt die Begeisterung jedoch nicht an, nur zwei Tage später wurde der Ton rauer: „Ich war mein Leben lang gegen die OPEC“, sagte Trump am Samstag vor Journalisten. Die Organisation sei eine „illegale Struktur“. „Ihr könnt sie ein Kartell nennen oder ein Monopol.“ Obendrauf setzte Trump die Bereitschaft, Einfuhrzölle auf Erdöl zu verhängen, um Arbeitsplätze in den USA zu retten. Aber dass der Ölpreis-Deal noch gelingen könnte, schloss der US-Präsident am Samstag doch nicht aus.

    Wer diese Gereiztheit verstehen will, muss zwei Faktoren berücksichtigen: Die Teilnehmer am Ölmarkt schnell zu einer Konferenz zusammenzubringen, ist Trump noch nicht gelungen. Und Zweitens: Alle oder fast alle Vertreter ölproduzierender Staaten haben Trump ausdrücklich signalisiert, der Ölpreis-Deal sei nur zu machen, wenn die USA sich daran beteiligten – was dem Weißen Haus im Grundsatz nicht gefallen kann. Denn die Grundsatzidee der amerikanischen Außenpolitik ist die, dass stets die anderen in der Pflicht zu sein haben.

    Selbst die „New York Times“ – die Zeitung, die Trump jederzeit in Grund und Boden zu kritisieren versucht – stärkt der US-Führung mit einem Beitrag indirekt den Rücken: Es gebe erneut Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Russland darüber, wer den Ölpreisverfall zu verantworten habe.

    „Am Freitag hat Präsident Putin die Saudis zum Teil für den Preisverfall verantwortlich gemacht. Die Saudis reagierten mit zornigen Erklärungen des Außen- und Energieministers, die ihrerseits Russland beschuldigten.“

    Dennoch: Wie schwierig es auch ist, in einen produktiven Dialog hineinzukommen, es gibt Gründe anzunehmen, dass der Aufbau einer neuen Ölmarktarchitektur gelingen kann. Einer Ölmarktarchitektur, innerhalb derer jeder Ölproduzent einschließlich der USA sich zu Förderkürzungen zwecks steigender Preise verpflichten würde.

    Donald Trump kann es sich nicht erlauben, von den amerikanischen Ölproduzenten eine Förderkürzung zu verlangen, und es ist längst nicht ausgemacht, dass er es öffentlich eingestehen würde, solche Verpflichtungen eingegangen zu sein: Ein Amerika, das im Preiskrieg am Ölmarkt verliert, sieht nicht wie das Great America aus, welches er seinen Wählern versprach.

    Es ist indes auch ein Thema, dass Trump die höheren Ölpreise wirklich braucht und Möglichkeiten hat, diesen Preisanstieg zu erreichen, ohne Anweisungen an die Ölindustrie zu verteilen. Man lasse nur die Ölmarktaufsicht aus Texas walten, dann sind Kürzungen von zwei bis drei Millionen Schieferöl vergleichsweise leicht durchzusetzen – zumal das Management großer Fracking-Firmen von der Regierung längst solche Maßnahmen fordert. Außerdem: Das amerikanische Erdöl wird zum großen Teil im Golf von Mexiko auf Bohrinseln gefördert. Diese lassen sich – zum Wohle der Mitarbeitergesundheit und zum Schutz vor dem Coronavirus – vorübergehend schließen.

    Mit diesen Überlegungen ist nicht gesagt, dass die Verhandlungen zum Ölpreis-Deal leicht sein werden, dass sie zum Erfolg verurteilt sind oder dass sie schnell gelingen. Aber der Umstand, dass Washington momentan wirtschaftlich leidet und an der Gründung eines neuen „Ölkartells“ großes Interesse hat, ist ein Schritt in die richtige Richtung und an sich ein gutes Ergebnis.

    Wie auch immer das kommende Treffen der OPEC+ ausgehen wird, kann selbst eine massive Kürzung der Fördermengen die wegen Coronavirus ausfallende Ölnachfrage nicht ausgleichen. Worum es jetzt geht, ist die Zukunft des Ölmarkts für die Zeit nach dem Coronavirus. Die Pandemie geht vorbei und der Bedarf der Weltwirtschaft an Schwarzem Gold kommt wieder. Wenn die Welt mit einer neuen Ölmarktarchitektur und einem neuen Preiskontrollmechanismus aus der heutigen Krise herausgehen sollte, dann wäre das eine der wirklich wenigen positiven Folgen der gegenwärtigen Lage.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Wiener Polizistin sorgt mit ihren Parkkünsten für Lacher im Netz – Video
    Sachsen kündigt Wende bei Corona-Einschränkungen an
    Protektive Corona-Antikörper nachgewiesen: Russische Forscher erzielen Durchbruch
    Tags:
    Ölexport, Ölförderung, Ölmarkt, OPEC, Saudi-Arabien, USA, Russland