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    Paradox: Seit dem Ausbruch der Pandemie ist die Atemschutzmaske der meist gefragte Artikel weltweit. Dieses an und für sich simple Erzeugnis wird mittlerweile zu Wucherpreisen angeboten. Zugleich wird aber weiterhin heftig darüber gestritten, ob die Maske überhaupt etwas nützt.

    Bereits Anfang des Jahres ging es in Deutschland – wie auch in den meisten Ländern auch – mit den Hamsterkäufen los. Während aber der Bedarf an Klopapier recht bald weitgehend gedeckt wurde, sind die Masken aus den Apotheken restlos verschwunden. Seit Monaten ringt die Regierung um Masken-Bestellungen im Ausland, seit mehreren Wochen erzählen Vizekanzler Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Fernsehen, die einheimische Masken-Produktion werde „demnächst“ gestartet.

    Viel Lärm um nichts?

    In dem Fall bedeutet das „nichts“ sowohl dass es keine Masken zu kaufen gibt als auch dass die Masken angeblich nichts nützen.

    „Jeder will sich schützen, das ist verständlich“, kommentierte Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekenkammer, im Februar das Verschwinden der Atemschutzmasken aus den Apotheken.

    „Aber man muss differenzieren, ob sich ein gesunder Mensch in der Straßenbahn schützen will – oder ob in einer Praxis oder Krankenhausambulanz ein Arzt mit Verdachtsfällen umgeht.“ Frage: Wieso muss man eigentlich differenzieren? Hat der gesunde Mensch in der Straßenbahn kein Recht mehr, sich schützen zu wollen?

    Das Robert-Koch-Institut (RKI) machte die Diskussion um die Masken noch diffuser: Der chirurgische Mund-Nasen-Schutz, den viele von den Bildern aus China kennen, schütze gesunde Träger nicht zuverlässig vor einer Ansteckung, weil er dafür konzipiert ist, die Umwelt vor einem infizierten Träger zu schützen, hieß es in einer RKI-Erklärung im Februar. Damit seien in Deutschland derzeit „Atemmasken für Gesunde unnötig“.

    Hier wären gleich mehrere Fragen angebracht. Etwa: Was ist, wenn ich nicht sicher bin, ob ich gesund bin? Wen stört es, wenn ich eine Maske trage, bloß weil ich das will? Und vor allem: Wenn die Maske die Gesunden nicht schützt, wozu braucht dann das Medizinpersonal diese Masken? Sind denn Ärzte, Krankenschwestern und Pflegekräfte bereits „nicht gesund“? Zumindest wäre dies ein logischer Schluss aus der RKI-Erklärung. Oder?

    Anfang April wurde der Mangel an Logik in der Argumentation selbst für das RKI offensichtlich. Und es wurde zurück gerudert: Das „vorsorgliche Tragen" eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit wurde von Institutspräsident Lothar H. Wieler für „empfehlenswert“ erklärt. Das Hin und Her des Instituts, nach dessen An- und Vorgaben sich momentan die deutsche Politik richtet, wurde mittlerweile selbst von den „Leitmedien“ kritisiert. So hieß es in einem „Tagesschau-Kommentar“:

    „Selbst wenn Behelfsmasken nur dem Gegenüber des Maskenträgers einen Schutz vor Tröpfchen böten - dann ist es doch logisch: Hätten alle eine Maske, und seien es eben selbst gefertigte textile Schutzmasken, dann wären der Träger und alle Personen gegenüber deutlich besser geschützt.“

    Es ist doch wiederum nur logisch, dass nun viele Bürger*innen sich selbst „Behelfsmasken“ basteln, solange die „richtigen“ Mundschutzmasken angesichts des immer noch herrschenden Mangels für Mediziner*innen reserviert werden müssen. Ein weiteres Plus: Masken-Basteln wäre eine Art Arbeitstherapie für die Bundesbürger*innen und ein neuer aussichtsreicher Bereich, sich in der tristen Selbstisolation kreativ zu betätigen.

    Maskenpflicht als Politikum

    Angela Merkel soll die selbstgemachten Atemschutzmasken „im kleinen Kreis als Virenschleuder“ bezeichnet haben, behauptete Sandra Maischberger in ihrer TV-Show am 1. April.  

    Da es „professionelle Masken“ sowieso nicht zu kaufen gibt, erübrigt sich wohl, sollte man meinen, auch die Diskussion über die Einführung einer landesweiten Maskenpflicht wie in Tschechien, der Slowakei, aber auch in Österreich. Oder?

    NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn sprachen sich bereits mehrmals gegen eine Tragepflicht für Schutzmasken aus. Innenminister Horst Seehofer äußerte sich eher ausweichend: Für das Wirtschaften „in den Zeiten der Pandemie“ könne es Voraussetzung sein, „einen Mundschutz zu tragen“.

    Die Stadt Jena hat mittlerweile bereits eine lokale Maskenpflicht eingeführt, die von den meisten Einwohnern auch begrüßt wird – da es in den Apotheken keine Masken zu kaufen sind, macht man sich eben von „Behelfsmasken“ Gebrauch, sei das auch bloß ein Tuch oder ein Schal.

    Keine Einigung zu einer Maskenpflicht gibt es auch unter den Virologen. Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut ist der Meinung, dass diese Maßnahme nicht notwendig und die Diskussion darüber sei „fehlgeleitet“. Professor Alexander Kekulé aus Halle an der Saale setzt sich wiederum energisch dafür ein und glaubt auch zu wissen, warum die meisten Regierungspolitiker dagegen seien. „Die Politik wagt es nicht zu sagen: ‚Ihr sollt es anziehen‘, weil dann sofort die Frage kommt: ‚Warum gibt es die nicht in der Apotheke?‘“, äußerte er in der jüngsten „Anne Will“-Sendung. Der Experte begrüßte auch das Tragen von selbstgemachtem Atemschutz und prägte für diesen auch eine neue Bezeichnung: „Volksmasken“.

    Mag sein, dass Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz mit der Einführung einer landesweiten Maskenpflicht bloß politisch punkten möchte, um nach der (hoffentlich doch baldigen) Eindämmung der Pandemie den Ruhm eines europäischen „Vorreiters“ zu genießen. Fakt ist, dass die Alpenrepublik, was die Corona-Statistik anbelangt, bei der Bekämpfung des Übels den meisten europäischen Ländern um einige Wochen voraus ist – obgleich die „regelrechten“ medizinischen Nasen-Mund-Masken in den österreichischen Apotheken weiterhin absolute Mangelware sind. 

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Panikmache, Berichterstattung, Anne Will, Mundschutzmasken, Deutschland, Coronavirus