10:23 04 Dezember 2020
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    Banken senken die Zinsen, um die Wirtschaft im Zuge der Corona-Krise zu stützen. Die Folge ist, dass Privathaushalte, Firmen, Geldhäuser und Staaten ihre Schuldenstände erneut auf Rekordwerte treiben. Das Pulverfass wird immer dicker: Mittlerweile sind es 255 Billionen Dollar.

    Es geht momentan um 322 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Für Experten ein kritischer Wert, weil 40 Prozentpunkte mehr als beim Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008. Seitdem ist der Schuldenberg zügig gewachsen: 2018 noch moderate 3,3 Billionen, 2019 schon 10,8 Billionen Dollar.

    Eine Hauptursache für die zunehmende Verschuldung ist die Politik der Zentralbanken zur Wiederbelebung der Wirtschaft. Niedrigzinsen machen Kredite erschwinglicher, regen die Binnennachfrage an, stimulieren Investitionen. Mehr leihen zu besseren Bedingungen – das scheint ein allgemeines Ziel geworden zu sein: Alle häufen Schulden an, Staaten und Unternehmen.

    Über die Hälfte der Neuverschuldung – 60 Prozent – entfallen auf die USA und China. Auch Schwellenländer leisten ihren Beitrag: 3,4 Billionen Dollar mehr (auf 71 Billionen). Das Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt hat inzwischen 220 Prozent erreicht (2007 waren es 147 Prozent).

    Das Washingtoner Institute of International Finance (IIF) warnt währenddessen, wegen der Pandemie sei das Risiko ausfallender Refinanzierungsmöglichkeiten gestiegen: viele Länder und Firmen werden neue Kredite zur Bedienung alter Schulden nicht aufnehmen können.

    Bis Jahresende sind Schulden und Anleihen in Höhe von 20 Billionen Dollar zu bezahlen – 4,3 Billionen davon entfallen auf Schwellenländer. Wer die neuen Kredite bereitstellen soll, ist nicht ganz klar, denn der IWF und die Weltbank geben jetzt schon riesige Summen für pandemiebedingte Krisenprogramme aus.

    Die Verschuldung der Vereinigten Staaten ist für die Weltwirtschaft besonders gefährlich: 327 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 77 Billionen Dollar. 24 Billionen davon sind Staatsanleihen. Bis 2028 werden die USA ein Fünftel ihres Haushalts allein für den Zinsendienst ausgeben müssen. Dabei beträgt das Haushaltsdefizit heute schon eine Billion Dollar (4,6 Prozent des BIP). Das Verschuldungstempo kommt nahezu jenem in Kriegs- und Rezessionszeiten gleich.

    Laut einer „Bloomberg“-Prognose treiben die Hilfsmaßnahmen für die krisenerschütterte Wirtschaft die Verschuldung in absehbarer Zeit auf 3,5 Billionen Dollar – 16 Prozent des BIP. Die Agentur Moody´s prognostiziert 15 Prozent.

    Der IWF warnt, bei einer Wirtschaftskrise seien 40 Prozent der Unternehmensschulden in den Industrieländern von Zahlungsausfällen gefährdet. Die Investmentbank Goldman Sachs geht für die USA von einer schlimmeren Lage aus als beim Finanzcrash 2008.

    Die niedrigen Ratings eines Großteils der Anleihen erschweren die Situation zusätzlich: Die Staatspapiere werden nur eine Stufe höher bewertet als Ramsch. Nach Angaben von Standard & Poor´s halten Investoren gegenwärtig solche Papiere im Wert von nahezu vier Billionen Dollar.

    „Wir sitzen auf einer Bombe und wissen nicht, wann sie hochgeht“, sagt Kapitalmarktexperte Emre Tiftik vom IIF. „Auf uns rollt eine Pleitewelle zu – die zerstörerischste, die wir je hatten.“

    Der Internationale Währungsfonds konstatiert unterdessen, die Pandemie habe die Weltwirtschaft lahmgelegt, und verkündet eine Rezession. Die Asiatische Entwicklungsbank beziffert die voraussichtlichen COVID-19-bedingten Wirtschaftsverluste auf annähernd vier Billionen Dollar.

    Die Weltschulden nehmen derweil weiter zu. Nach Angaben des IIF ist die Ausgabe von Staatsanleihen allein im März auf rekordhafte 2,1 Billionen Dollar hochgeschnellt: Die Staaten beeilen sich, Kredite aufzunehmen, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. „Die G20 allein gibt über fünf Billionen Dollar in den Markt, um den Schaden durch Arbeitsplatz- und Einkommensverluste einzudämmen“, schreibt das IIF in einem Bericht.

    Experten schätzen, dass die Weltschulden schon im ersten Jahresquartal infolge der Niedrigzinsen und der instabilen Finanzlage auf über 257 Billionen Dollar gestiegen sind – hauptsächlich wegen des realwirtschaftlichen Sektors. Im Jahresergebnis erwarten Analysten eine Weltverschuldung von 342 Prozent der Weltwirtschaftsleistung.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Schulden, Weltfinanzkrise, Finanzkrise, Zinsen, Weltwirtschaft, Coronavirus