14:31 09 Juli 2020
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    Die größten Banken ändern ihre Wirtschaftsprognosen für die USA und erwarten jetzt einen katastrophalen Konjunktureinbruch von bis zu 40 Prozent. Nach Einschätzung der Geldhäuser verschwinden in den Vereinigten Staaten infolge der Corona-Pandemie allein im laufenden Monat 25 Millionen Arbeitsplätze.

    Die Bank of America hatte Mitte März schon verkündet, die Pandemie gefährde die Wirtschaft auf beispiellose Weise. Im Verlauf des gesamten zweiten Jahresquartals würden jeden Monat eine Million Amerikaner ihren Job verlieren, was einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um zwölf Prozent nach sich ziehe. Die Bank Morgan Stanley sprach gar von einem 30-prozentigen Wirtschaftseinbruch.

    Aber jetzt erkennen die Banken, dass es noch schlimmer kommt. Morgan Stanley erklärt in einer korrigierten Prognose von letzter Woche, die amerikanische Wirtschaft werde um 38 Prozent einbrechen: In allen Bundesstaaten schließen die Firmen, begründeten die Volkswirte der Bank. „Uns erwartet ein tieferer Sturz und eine längere Erholungsphase als ursprünglich angenommen.“

    Im dritten Quartal soll das Wachstum einsetzen, aber es werde nur ein Drittel der Verluste vom ersten Halbjahr eingeholt, so die Analysten von Morgan Stanley. Im Jahresergebnis 2020 schrumpfe das Bruttoinlandsprodukt um 5,5 Prozent – der größte Rückgang seit 1946.

    Minus 40 Prozent

    Andere Experten bewerten die Lage ähnlich. Das Congressional Budget Office – der „Kassenprüfer“ im US-Kongress – rechnet für das zweite Quartal mit einem BIP-Rückgang von mindestens 28 Prozent, aber „das Ausmaß kann deutlich größer sein“ bei schwererem Verlauf der Krise.

    Die Credit Suisse erwartet einen Rückgang der Wirtschaft um ein Drittel. „Wir sollten uns auf eine rekordmäßige Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts in den USA in diesem Quartal gefasst machen, weil die Coronavirus-Pandemie die Wirtschaft weiterhin zerstört. Das BIP schrumpft um 33,5 Prozent. Das heißt, der Zeitraum zwischen 1. April und 30. Juni wird der schlimmste sein in der Geschichte der Aufzeichnungen seit 1945“, schreiben die Schweizer Experten in einer Konjunkturanalyse.

    Im schlimmsten Quartal von 2008 sackte die amerikanische Wirtschaftsleistung „nur“ um 8,4 Prozent durch, so die Volkswirte der Credit Suisse. In den nächsten drei Monate könne aber der Negativrekord von 1958 übertroffen werden: ein Rückgang von zehn Prozent. Für das Gesamtjahr 2020 sehen die Analysten einen Wirtschaftseinbruch in den USA von 5,3 Prozent – 2008 waren es 2,8.

    Dass die USA immer weiter in der Rezession versinken und das Coronavirus den Konsum samt dem Wirtschaftsleben nahezu völlig vernichtet hat, sagen auch Volkswirte von JP Morgan. Ihre neue Prognose: Minus 40 Prozent im zweiten Quartal. Vorher haben sie mit 25 Prozent gerechnet.

    Coronavirus-Auswirkung auf die Wirtschaft (Symbolbild)
    © REUTERS / Dado Ruvic / Illustration
    Die Prognose stark nach unten zu setzen, erfordert der beispiellose Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Binnen drei Wochen haben 16,8 Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragt. Im laufenden Monat könnte die Arbeitslosenrate laut JP Morgan 20 Prozent erreichen, also würden 25 Millionen Menschen ihren Job verlieren.

    Volkswirte, die von „Bloomberg“ befragt wurden, gaben den geschätzten Höchststand der Arbeitslosigkeit mit 12,6 Prozent an. Die Erholung werde nur langsam erfolgen, bis Jahresende sinke die Arbeitslosenrate vielleicht auf 8,1 Prozent.

    Nationalökonom Nouriel Roubini warnte indes, die Prognosen in Bezug auf die jetzige Krise seien alle relativ, weil die Wirtschaft noch nie mit Problemen von solchem Ausmaß konfrontiert gewesen sei: „Weder in Zeiten der Großen Depression oder im Zweiten Weltkrieg noch in der Weltfinanzkrise 2008 hatte es das gegeben, dass der Großteil der Wirtschaft in den USA, in China und Europa einfach stillsteht“, sagte der Nobelpreisträger.

    Chef der Federal Reserve Bank von St. Louis, James Bullard, beispielsweise ist absolut sicher, dass wir in den USA eine Arbeitslosenrate von 30 Prozent sehen werden. In Zeiten der Großen Depression waren 25 Prozent der Amerikaner ohne Arbeit.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Coronavirus, Arbeitslosigkeit, Finanzkrise, USA