10:42 05 August 2020
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    Ein Barrel der US-Referenzsorte WTI zur Auslieferung im Mai ist unter elf Dollar abgestürzt – der niedrigste Wert seit 22 Jahren. Die US-Fracker haben derweil ihre Förderung gestoppt und gehen pleite.

    Wie es derzeit auf dem krisengeschüttelten US-Ölmarkt zugeht – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Totaler Absturz

    Am 20. April verloren WTI-Futures 40 Prozent von ihrem Preis – das Öl für den Terminkontrakt  im Mai wurde mit dem niedrigsten Preis seit Dezember 1998 gehandelt.

    Der Grund ist bekannt: Die globale Rohstoffnachfrage ging wegen der Covid-19-Pandemie um mehr als 30 Prozent zurück. Die Depots in den USA stehen kurz vor dem Überlaufen.

    Nach dem Scheitern der Opec-Plus-Verhandlungen im März und dem Einbruch der Ölpreise auf den tiefsten Stand seit 18 Jahren im April wurde ein neuer Deal vereinbart. Es wurde die Kürzung der Ölförderung um fast zehn Prozent beschlossen. Allerdings warnten Experten, dass dies auf keinen Fall ausreichen würde.

    „Der Markt brauchte viel Zeit, um das zu begreifen“, sagte der Chefstratege von Axyorp, Stephen Innes.

    Bloomberg zufolge sind die Frackingfirmen in Texas bereit, den Rohstoff sogar für zwei Dollar pro Barrel zu verkaufen. Laut Experten wird sich das Problem der Überproduktion auch weiter zuspitzen. Die Ölverkäufer müssen sogar zusätzlich Geld zahlen, damit jemand ihnen den Rohstoff abnimmt.

    Solche Fälle gab es bereits in der Vergangenheit. Anfang 2016 wurde das Öl von geringer Qualität aus North Dakota den Abnehmern mit einer zusätzlichen Zahlung angeboten. Im März dieses Jahres wurde mit einem negativen Preis das Öl der Sorte Wyoming Asphalt Sour verkauft: Die Firma Mercuria Energy Group zahlte den Verbrauchern 19 Cent für jedes Barrel, das aus dem Speicher geholt wurde.

    Laut Prognose von Goldman Sachs wird sich die Situation bald wiederholen und der Preis für Öl von entlegenen Vorkommen wird erneut negativ sein. Die Produzenten an der Küste können für einige Zeit ihre Tanker als Ölspeicher nutzen. Doch die meisten Unternehmen werden dieses Problem nicht in den Griff bekommen.

    Für Förderstopp zahlen

    Die US-Behörden erörtern derzeit mehrere Möglichkeiten zur Unterstützung der heimischen Öl- und Gasbranche. Eine davon ist, den Frackern Geld dafür zu geben, damit diese die Förderung stoppen. Der Plan des US-Energieministeriums sieht vor, dass 365 Mio. Barrel unter der Erde bis zu besseren Zeiten aufzubewahren.

    Coronavirus-Auswirkung auf die Wirtschaft (Symbolbild)
    © REUTERS / Dado Ruvic / Illustration
    Bloomberg zufolge erlaubt die Gesetzgebung dem Energieministerium bis zu einer Milliarde Barrel Öl als strategische Reserven anzulegen. In dem Dokument heißt es nicht direkt, wohin dieser Rohstoff gerichtet werden soll. Das heißt, dass das Öl einfach unter der Erde gehalten werden kann, indem es bei den Schieferölfirmen gekauft und die weitere Förderung verboten wird.

    Doch dazu ist die Zustimmung des Kongresses für die milliardenschweren Spritzen erforderlich. Vor kurzem war das Weiße Haus daran gescheitert, von den Gesetzgebern drei Milliarden für den Ölkauf für die strategischen Reserven zu erbetteln. Deshalb wird man dieser Idee wohl eher eine Absage erteilen. Erörtert werden auch andere Optionen – unter anderem die Öllagerung in unterirdischen Salzhöhlen. Doch Experten sind der Meinung, dass das alles nicht helfen wird. Laut Prognose von Wood Mackenzie und IHS Markit werden die Öllager zum Sommer oder sogar vielleicht auch früher keine freien Kapazitäten mehr haben. Die Produzenten werden keinen Platz mehr für das Öl haben, weshalb sie die Förderung stoppen und Mitarbeitern kündigen müssen.

    Pleitewelle

    Während die USA sich den Kopf über weitere Schritte angesichts der beispiellos eingebrochenen Nachfrage zerbrechen, fahren Ölunternehmen in Texas ihren Betrieb runter. Parsley Energy machte 150 Bohrinseln dicht. Continental Resources reduzierte die Förderung um ein Drittel. Texland Petroleum stellte die Produktion komplett ein.

    Im April ging eines der größten Ölunternehmen pleite: Whiting Petroleum; gefolgt von Hornbeck Offshore Services. Analysten zufolge wird kaum jemand in der Ölbranche überleben, wenn der Preis nicht mehr als 30 Dollar ausmachen wird.

    Dennoch gibt es keine Voraussetzungen dafür.  Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur soll die globale Ölnachfrage zum Ende des Monats um 29 Mio. Barrel pro Tag auf das Niveau von 1995 sinken, und im Mai um 26 Mio.

    Der Opec-Plus-Deal zeigte keine Wirkung und kam zu spät, um die Situation zu ändern, heißt es bei Goldman Sachs. Bei den aktuellen Preisen sind nur wenige Hersteller rentabel. Laut Prognose der US-Firma Pickering Energy Partners werden fast 40 Prozent der US-Öl- und Gasunternehmen am Rande der Insolvenz stehen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    WTI, USA, Fracking, Ölpreis