14:49 07 Juli 2020
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    Der Dollar ist stark wie nie: Weil Börsen und Rohstoffmärkte einbrechen, verschieben Anleger massenweise Geld in die wichtigste Währung der Welt. Doch weltgrößte Geldhäuser warnen, dass es mit dem Dollar-Boom bis zum Jahresende vorbei sei. Denn die amerikanische Notenbank töte das lukrativste Zinsgeschäft internationaler Investoren.

    Die Ölpreise sind tief gefallen: auf das Niveau der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Anleger fliehen aus Rohstoffpapieren in den sicheren Hafen, den amerikanischen Dollar. Dass die Rohstoffpreise derart einstürzen, ist das sichere Zeichen einer unvermeidbaren Rezession in der Weltwirtschaft. Der Internationale Währungsfonds hat deren Ausbruch schon verkündet: Neun Billionen Dollar werde die Coronavirus-Pandemie die globale Wirtschaft kosten, erklärte der IWF.

    Der Dollar werde seinen Höhenflug vorerst fortsetzen – wegen der allgemeinen Unsicherheit in der Wirtschaft, sagen Analysten von Goldman Sachs. Doch Ende des Jahres komme der Absturz. Vor allem, weil die amerikanische Notenbank Federal Reserve bei der Rettung der US-Wirtschaft entschlossen, ja aggressiv reagiere.

    Das Bruttoinlandsprodukt der USA wird im zweiten Jahresquartal nach Einschätzung der Fed um 50 Prozent einbrechen, weshalb die Notenbank sich zu einer extremen Leitzinssenkung entschlossen hat: In zwei Sondersitzungen innerhalb eines Monats hat die Fed den Leitzins in den USA auf nahezu null herabgesetzt.

    Vor der Pandemie hatten die Vereinigten Staaten den höchsten Leitzins aller entwickelten Volkswirtschaften. Für die Anleger war das wie eine Einladung zum Carry-Trade: Man nimmt Kredite in Ländern mit niedrigem Zinssatz auf und legt das geliehene Geld in den Hochzins-USA an. Eine hohe Rendite ist dabei garantiert.

    Jetzt wendet sich das Blatt: „Weil die Zentralbanken die Zinsunterschiede beseitigt haben, ist der Carry-Trade tot. Die Investoren sind gezwungen, nicht den kurzfristigen Renditen hinterherzurennen, sondern sich an langfristigen Möglichkeiten auszurichten“, sagt Ugo Lancioni, Währungsexperte bei Neuberger Berman. Im Ergebnis ist der Dollar für Spekulationen nicht mehr von Interesse.

    Auswirken wird sich auch die Dollarmenge im Weltfinanzsystem. Die Federal Reserve hat einen neuen Mechanismus eingeführt, der es den internationalen Geldregulatoren ermöglicht, amerikanische Schatzpapiere gegen Dollar zu tauschen – eine Lösung von Liquiditätsproblemen im Zusammenhang mit der Corona-Krise.

    „Der Nachfrage-Boom nach dem Dollar erklärt sich daraus, dass die in US-Währung gezeichneten Staatsanleihen jederzeit bei der Fed eingetauscht werden können“, twitterte Caitlin Long, ehemalige Pensionsexpertin bei Morgan Stanley.

    Und der Aufkauf der Anleihen wird sich fortsetzen. Die Fed hat versprochen, Schatz- und Hypothekenpapiere für insgesamt 700 Milliarden Dollar zu kaufen – zur Ausweitung der verfügbaren Geldmenge.

    Auch Trumps Hilfsprogramm im Umfang von 2,2 Billionen Dollar wird Druck ausüben auf die US-Währung. Das Haushaltdefizit der Vereinigten Staaten wird sich Experten zufolge verdreifachen, auf vier Billionen Dollar – den höchsten Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.

    Analysten schließen nicht aus, dass die Bilanz der Federal Reserve zum Ende der Corona-Krise auf bis zu zehn Billionen Dollar aufgebläht wird. Alles Geld, dass nur durch die Geldpresse entsteht. Die Flucht der Anleger aus einer ungesicherten Währung ist also nur eine Frage der Zeit.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Rezession, USA, Dollar