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    Aus dem aktuellen Anlass – der Schalte bei der Kanzlerin – wurde die Talkshow „Maischberger. Die Woche“ am Mittwoch im Ersten von 23.00 Uhr auf die Primetime vorverschoben. Die Zuschauer waren wohl nicht enttäuscht – auch wenn sich so manche Akteure ihre früheren Texte wiederholten.

    Zu Beginn kamen bei „Maischberger“, wie üblich, „Experten“ zu Wort, die als eine Art Warm-up vor dem Auftritt von „Star-Guests“ agieren. Wirtschaftsjournalist Gabor Steingart, Eva Quadbeck von der „Rheinischen Post“ und TV-Moderator Johannes Kerner sorgten dabei mit ihren durchaus kühnen Einschätzungen und Prognosen für Spannung. „Es war ein sehr schlechter Tag für Angela Merkel“, behauptete etwa Eva Quadbeck, „weil sie in praktisch allen Punkten, die sie als Vorsichtsmaßnahmen beibehalten wollte, verloren hat.“ Von „Öffnungsdiskussionsorgien“ oder „Zu-forsch-sein“ bei den Lockerungen – das waren die bisherigen Vorwürfe der Kanzlerin an einige Bundesländer – könne keine Rede mehr sein, denn „jetzt macht jeder, was er will“.

    Wird Angela Merkel wieder antreten?

    Die Kanzlerin „ist umgefallen, aber sie ist elegant umgefallen“, fügte Steingart hinzu. „Wenn es nun schief geht, dann waren es die anderen, nicht sie.“ Denn hinter dem ganzen Corona-Hype sei ein großer Machtkampf im Gange: Wer regiert dieses Land nach Angela Merkel?

    „Die Herren in Bayern und in NRW haben gezeigt, dass sie auf keinen Fall eine fünfte Amtszeit von Angela Merkel wollen.“

    Der erste „Stargast“ – Wirtschaftsminister Peter Altmaier – wurde dann auch direkt danach gefragt: Wird die Kanzlerin wieder antreten? Altmaiers Antwort: „Diese Spekulation ist im Augenblick nicht das, was wir brauchen.“

    Auch bei so manchen anderen Fragen, für die Sandra Maischberger um eine Ja- bzw. Nein-Antwort bat, zeigte der Minister ein verlegenes Lächeln und antwortete ausweichend. Will der Staat Geld für Lufthansa gegen Mitsprache tauschen? Der Minister: „Wir müssen die Lufthansa retten, und zwar so, dass es funktioniert.“ Kommt eine Steuererhöhung, um die Corona-Krise zu bewältigen? Der Minister: „Ich möchte keine Steuererhöhung.“ Wird es Auto-Kaufprämien geben? Der Minister: „Ginge es nach mir, gibt es keine Autokaufprämien. Aber es geht vor allem darum, dass Deutschland international eine führende Wirtschaftsmacht bleibt.“

    „Hühnerhaufen“ alias Föderalismus

    Die Moderatorin erinnerte den Minister auch an seine Worte, die er Mitte April gesagt hatte: „Wir dürfen nicht wie ein Hühnerhaufen durcheinander laufen und uns abwechselnd mit Verschärfungen und Lockerungen überbieten.“ Altmaier entgegnete: Bei der Schalte mit der Bundeskanzlerin am Mittwoch hätten „Föderalismus und Normalfall von Demokratie“ geherrscht. Zugleich fand er es „nicht besonders glücklich, dass fünf oder sechs Bundesländer ganz unkoordiniert und mit ganz unterschiedlichen Öffnungsdaten vorgeprescht sind. Da hätte ich mir gewünscht, dass alle die Geduld gehabt hätten, bis heute zu warten.“ 

    „Ein gefährlicher Tag“

    Für den zweiten Höhepunkt der Sendung sorgte das bei früheren Talkshows bereits erprobte Streitduo Karl Lauterbach vs. Christian Lindner. Der SPD-Gesundheitsexperte und der FDP-Chef hatten nämlich vor neun Tagen bei „Anne Will“ ein beinhartes Wortgefecht in puncto „Lockerungen – nein oder ja?“ geboten, weil die beiden, so Maischberger, „sinnbildlich für diese beiden Pole“ stehen. Am Mittwochabend ging es zwar nicht mehr so temperamentvoll, weil sowohl Lauterbach als auch Lindner ihre früheren Argumente zum zigsten Mal wiederholten, dennoch war der Unterhaltungswert der letzten 20 Minuten der Show, für die sie zuständig waren, hoch genug.

    Die beiden Akteure, vielleicht insbesondere Lauterbach, geizten nicht mit dramatischen Ausdrücken. „Heute ist ein gefährlicher Tag“, sagte er im Hinblick auf den abgesegneten Lockerungsplan. „Wir brauchen jetzt Glück.“ Für Lindner dagegen war dies ein „guter Tag“, der vielleicht bereits zwei Wochen früher hätte kommen sollen. Deutschland hätte „nicht nur nach Italien schauen“ sollen, wo sich die Corona-Krise extrem dramatisch entwickelt hatte, sondern auch nach Schweden, wo die Regierung auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung setzte und auf den Shutdown weitgehend verzichtete. Lauterbach fand sich aber mit dem Schweden-Argument des FDP-Chefs in seiner Überzeugung bestätigt - erstens: Schweden sei wesentlich dünner besiedelt als Deutschland. Und zweitens: Die Totenzahlen in Schweden seien, gemessen an der Einwohnerzahl, mittlerweile „drei- bis viermal höher als in Deutschland“. Dazu lieferte Lauterbach ein polemisches Glanzstück: „Ich möchte nicht, dass man Menschen opfert, damit man die Cafes nicht zumachen muss.“

    In einem Punkt waren die beiden am Ende dennoch einig: Der Lockdown war eine richtige Entscheidung des Bundesregierung.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Coronavirus, ZDF, ARD, Talkshow, Peter Altmaier, Anne Will, Maischberger, Angela Merkel