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    Vier Kriegsschiffe mit mehr als 30.000 Tonnen Wasserverdrängung und hunderten Marschflugkörpern in den vertikalen Startanlagen – vor einigen Tagen kam ein Angriffsverband der US-Seestreitkräfte den russischen Grenzen bedrohlich nahe.

    Was sie in den Gewässern der russischen Nordflotte zu suchen hatten - das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Training für die Flotte

    Nach offizieller Lesart des Kommandos der 6. Flotte der US-Marine, schauten die Zerstörer und eine Fregatte in der Barentssee vorbei, um „die Sicherheit bei schwierigen Wetterverhältnissen und die Aufrechterhaltung des freien Verkehrs und ununterbrochenen Zusammenwirkens zwischen den Verbündeten zu gewährleisten“. Was genau damit gemeint wird, präzisierte das Pentagon nicht, hob allerdings hervor, dass Moskau über die Route der Schiffe im Voraus benachrichtigt worden sei. Das russische Verteidigungsministerium betonte seinerseits, dass die Nordflotte den Besuch der ausländischen Kriegsschiffe nicht unberücksichtigt lassen werde.

    „Kräfte und Mittel der Nordflotte begannen mit der Verfolgung der Handlungen der Nato-Angriffsgruppierung aus den Lenkraketenzerstörern Porter, Donald Cook, Franklin Roosevelt der US-Marine und der britischen Fregatte Kent“, hieß es in einer Mitteilung des Nationalen Zentrums für die Steuerung der Verteidigung.

    Um welche Kräfte und Mittel es sich konkret handelt, wurde nicht erklärt. Dennoch wurde am Dienstag ein Teil der Barentssee für Artillerieschießen des Kreuzers Marschall Ustinow geschlossen. Einer der leistungsstärksten Vertreter der russischen Marine begab sich in Richtung des Flottenverbandes des westlichen Militärbündnisses. Natürlich wird er die amerikanisch-britische Schiffsgruppierung nicht allein überwachen.

    ​„Ich werde kein großes Geheimnis lüften, wenn ich sage, dass wir in den arktischen Breiten ein komplexes System zur Verfolgung von Luft-, Überwasser- und Unterwasserlagen entwickeln“, sagte der Chefredakteur der Militärfachzeitschrift „Export Wooruschenij“, Viktor Murachowski. „Seine Elemente funktionieren bereits. Das Einlaufen der US-Zerstörer in die Barentssee ist ein gutes Training für dieses System. In solchen Situationen wird eine Gruppe eines vermeintlichen Gegners auf jeden Fall von einem bzw. zwei Schiffen begleitet. Die Gäste werden durch die Luftwaffe überwacht. In der Regel werden auch U-Boote herangezogen. Anscheinend kam alles bereits zum Einsatz“.

    Strategische Kursänderung

    Seit dem Kalten Krieg waren US-Kriegsschiffe in der Barentssee nicht mehr präsent gewesen. Damals stellte die Nordflotte wie die Pazifikflotte eine große Bedrohung für die USA und ihre Verbündeten dar. In diesen Flotten gab es eine große Anzahl von strategischen Unterwasser-Raketenkreuzern, die in der Lage waren, hunderte atomare Geschosse auf einen vermeintlichen Gegner abzufeuern.

    Auch heutzutage befinden sich einige U-Kreuzer in der Barentssee im Kampfmodus. Eine der wichtigsten Aufgabe der Nordflotte ist es, für eine nachhaltige Kampfbereitschaft und geheime Bewegungen zu sorgen. Der wahrscheinliche Gegner versucht hingegen, jedes Atom-U-Boot zu verfolgen, damit sie im Kriegsfall schnell ausgeschaltet werden können. Bis vor kurzem wurden für diese Zwecke vor allem Flugzeuge und U-Boote eingesetzt. Nun sind auch Schiffe hinzugekommen.

    „In den vergangenen Jahren erhöhte die US-Kriegsflotte ihre Aktivitäten vor allem im Schwarzen Meer, wo mehrmals ihre Raketenkreuzer eingelaufen waren“, sagte Murachowski. Das Auftauchen in der Barentssee zeugt von einem strategischen Kurswechsel des Pentagons. Nach dem Ende des Kalten Krieges hielten die Amerikaner die russische Flotte nicht mehr für einen ebenbürtigen Rivalen und nutzten ihre Streitkräfte für Expeditionen auf den Kriegsschauplätzen auf dem Festland. Doch in den vergangenen Jahren wird in Washington erneut über den Bedarf gesprochen, sich auf den Widerstand gegen Großmächte wie Russland und China zu konzentrieren. Die USA ändern die Ausrichtung der operativen und der Kampfvorbereitung, die Struktur der Streitkräfte und sogar die Komplexe der Ausrüstung und Militärtechnik. Ein Element davon ist das Einlaufen einer Angriffsgruppierung in die Barentssee“, so der Experte.

    Laut dem Experten sind die drei Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse bis an die Zähne bewaffnet. Jeder trägt bis zu 96 Zellen der vertikalen Startanlagen Mk41. Sie können sowohl mit Tomahawk-Marschflugkörpern für Angriffe gegen Bodenziele als auch mit SM-2 und SM-3-Raketen zum Abfangen von Luftobjekten, darunter ballistische Mittelstreckenraketen, bestückt werden. Alle Waffen sind im Aegis-System integriert.

    In der Regel sind die Zerstörer weit entfernt von der Küste zu 30 Prozent mit Tomahawk-Raketen und der Rest mit SM-2- und SM-3-Raketen bewaffnet. Damit können drei Zerstörer einen schlagkräftigen Angriff mit fast hundert Raketen gegen Küsten versetzen bzw. einen starken Luftangriff abwehren.

    Nordostpassage schützen

    Experten und Politiker sind der Meinung, dass der präzedenzlose Besuch der amerikanisch-britischen Schiffsgruppierung in der Barentssee ein weiterer Schritt zum Ausbau der Nato-Militärpräsenz in der Arktis-Region ist. Ende Januar machte der Sonderbotschafter des Außenministeriums Russlands, Nikolai Kortschunow, bereits darauf aufmerksam. „Wir sind über das Wachstum der Aktivitäten der Nato in der Arktis beunruhigt. Wir sagen das offen und ehrlich den Partnern und der Weltöffentlichkeit. Uns beunruhigt besonders der Anstieg der Aktivitäten der Nicht-Arktis-Anrainer und Nato-Mitgliedsstaaten in der Arktis. Wir denken, dass dies zu Spannungen führt und die Aufrechterhaltung der Region als Gebiet des Friedens, der Stabilität und des konstruktiven Zusammenwirkens untergräbt“, sagte der Diplomat.

    US-Vertreter sprachen bereits früher mehrmals über Pläne, die Region für „die internationale Nutzung“ freizusetzen. 2019 veröffentlichte das US-Kommando eine „Arktis-Doktrin“, die unter anderem die Sperrung der Nordostpassage durch Kampfschiffe vorsieht. Angesichts dessen sah sich das russische Militär genötigt, die eigene Präsenz zu erhöhen.

    Ende Februar kündigte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu an, eine weitere Flugabwehrdivision in der Arktis aufzustellen. Ihm zufolge wird die Nordostpassage dadurch sicher geschützt. Jedes Jahr spielt die russische Marine zusammen mit den Landetruppen, Luft- und Weltraumkräften und Sondereinsatzkräften die „Verteidigung der wichtigen Industrieobjekte und den Schutz der Wirtschaftsinteressen Russlands in der Arktis-Zone“ durch.

    „Wir haben dort ein sicheres Fundament für die Schaffung der Militärinfrastruktur gelegt. Auf den arktischen Inseln wurden Anlagen mit Verwaltungs- und Wohngebäuden errichtet, die keine Analoga in der Welt haben, wo Militärs ihrem Dienst und Bereitschaftsdienst auf Rotationsbasis nachgehen“, so der Minister.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Großbritannien, US-Zerstörer, USS Donald Cook, Arleigh Burke, NATO, U.S. Navy, USA, Barentssee