14:08 23 Oktober 2020
SNA Radio
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    141196
    Abonnieren

    Madeleine Albright, US-Außenministerin in der Zeit der Nato-Bombenangriffe auf Jugoslawien 1999, hat bei einer Internetkonferenz vor dem Ausschuss für Auswärtiges des US-Kongresses Serbien und der jetzigen US-Administration vorgeworfen, die Demokratie im Kosovo zu untergraben.

    Die Konferenz stand unter Vorsitz von Eliot Engel, der häufig als Lobbyist albanischer Interessen in Erscheinung trat.

    Laut Gesprächspartnern von Sputnik ist die kosovarische Demokratie ein Spiegel, in den ihre Schöpfer schauen. Sie wurde von der Administration Bill Clintons und Albright geschaffen. Experten zufolge geht es dabei gar nicht um Demokratie. Dieser Begriff wird als Deckmantel gebraucht, um Donald Trump im Vorfeld der näher rückenden US-Präsidentschaftswahlen einen Schlag zu versetzen. Zudem will Albright die Handlungen der Demokraten in Jugoslawien sowie die Bedeutung rechtfertigen, die die Befreiungsarmee des Kosovo dank ihnen bekam.

    Der Politologe Slobodan Zecevic sagt, dass man nicht vergessen darf, dass Madeleine Albright in Opposition zu Trump und seiner Außenpolitik steht. „Albright und ihre politischen Kreise versuchen jetzt offenbar, die Außenpolitik Trumps in Zweifel zu ziehen, indem sie als zu positiv gegenüber Serbien bewertet wird. Sie sehen, dass die serbische Führung es geschafft hat, bestimmte Fortschritte bezüglich des Verhaltens der USA gegenüber Serbien zu erreichen, und sie sind damit unzufrieden“, sagte Zecevic.

    Ihm zufolge ist Albright verärgert über Serbien, weil es zunehmend aktiver versucht, die eigenen Interessen zu verteidigen. „Was die Rechtsstaatlichkeit im Kosovo betrifft, existiert sie nicht mehr seit der Zeit, als die Befreiungsarmee des Kosovo die Macht übernahm, wobei unzählige Verbrechen einfach nicht untersucht wurden. Ich weiß nicht, wie Albright und Engel diese Verbrechen abstreiten konnten“, so der Experte.

    Laut ihm sind die politischen Kreise um Albright gegenüber Serbien einfach negativ eingestellt und der Ansicht, dass sich Serbien vom Kosovo fernhalten soll. „Ein gewisses Verständnis der Administration Trumps für die Position Serbiens stellt fast alles infrage, was die Demokraten im Kosovo während ihrer Regierungszeit taten. Darin besteht eben das Problem“, sagte Zecevic.

    Der Diplomat Zoran Milivojevic ist der Meinung, dass es um den Versuch der US-Demokraten geht, die Verantwortung für die Ereignisse in den 1990er Jahren Serbien zuzuschieben.

    „Alles zielt darauf ab, die Nato-Operation 1999 und alles, was ihr vorausging, nicht in Zweifel zu ziehen. Ziel ist, eine Revision der Politik der damaligen Zeit zu verhindern, was Konsequenzen für die US-Demokraten haben könnte“, so Milivojevic.

    Zugleich gehe es um den Versuch, die Neubewertung der Rolle der Kosovo-Befreiungsarmee zu stoppen, die von der demokratischen Administration aktiv vorangebracht wurde. „Die UCK war Teil der Infrastruktur der Nato-Aggression und setzte die notwendigen Beschlüsse vor Ort um. Die Frage nach der Rolle der UCK ist derzeit weiterhin offen, doch Albright und die Demokraten versuchen, sie als Faktor der Befreiung zu präsentieren, um die ideologische und funktionale Position dieser Organisation in der damaligen Zeit nicht in Frage zu stellen. Falls diese Frage gestellt wird, wird auch die Frage nach der Zweckmäßigkeit der gesamten Operation und der Bombenangriffe gegen Jugoslawien gestellt, was bestimmte politische Folgen mit sich bringen kann – das alles könnte auf die politische Struktur einprasseln, die damals in den USA an der Macht war“, sagt der serbische Diplomat.

    „Die Gespräche darüber, dass die kosovarische Diplomatie in Gefahr ist, sind in der Tat der Versuch, die Politiker reinzuwaschen, die damals in den USA und Pristina an der Macht waren“, so Milivojevic.

    Ihm zufolge können diese Vorgänge ebenfalls als Versuch aufgefasst werden, die Möglichkeit zu verhindern, dass es während der Präsidentschaft Trumps zu einem Durchbruch bei der Kosovo-Frage kommt und ein Beschluss gefunden wird, der den Zielen der US-Demokraten nicht entsprechen würde.

    „Die Politik der Demokraten ist auf die Bestätigung der kosovarischen Unabhängigkeit in der Form gerichtet, in der sie innerhalb ihrer drei Amtszeiten gebildet werden sollte. Das kann als Versuch gedeutet werden, die kosovarische Staatlichkeit zu verifizieren, indem das politische Regime in Pristina als demokratisch mit kontinuierlicher Tradition legitimiert wird“, ergänzt der Diplomat.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Schlägt die EU wegen Nord Stream 2-Sanktionen bald zurück? Maas für Stärkung gegen Druck von außen
    An-26-Absturz in Ukraine: Ursachen stehen fest
    Japanische Forscher nennen unerwartete Folge von Covid-19
    Tags:
    Jugoslawienkrieg, US-Präsidentschaftswahlen, USA, Balkan, Kosovo, Madeleine Albright