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    Innenminister Horst Seehofer hat am Mittwochabend als der Star des Polit-Talks „Maischberger“ vom „Riesenerfolg“ des Krisenmanagements berichtet. Kabarettist Mathias Richling durfte als Wortführer der „Corona-Leugner“ auftreten.

    Am Mittwochabend war der Kabarettist Mathias Richling unerwarteterweise weder witzig, noch lustig. Seine Gemütslage bei „Maischberger. Die Woche“ in der ARD bezeichnete der 67-jährige selbst als „entsetzt und wütend“. Grund: Die „Hysterie“ in den Medien um die Corona-Krise und die „Kollateralschäden“, die dadurch für die Wirtschaft und das soziale Selbstbefinden des Landes entstünden. „Ist es wirklich richtig, die Wirtschaft zu ermorden, um so wenig Corona-Infizierte wie möglich zu haben?“ lautete seine provokante Frage.

    Immer mehr „Verschwörungstheoretiker“ in Deutschland?

    Dass der Künstler bei weitem nicht der Einzige im Lande ist, der so denkt und argumentiert, haben die jüngsten Demonstrationen gezeigt, deren Teilnehmerzahl „bedrohlich“ wachse. Diese Teilnehmer werden von den Medien in geübter Weise dem Lager der „Verschwörungstheoretiker“ und der Rechtsextremen zugeschrieben. Mittlerweile wirken diese Menschenmassen allerdings nicht so homogen – diesen schließen sich zunehmend Bürger*innen an, die auch aus anderen Gründen besorgt und beunruhigt, oder aber einfach des Lockdowns überdrüssig sind.

    Richling behauptete, kein „Anhänger von Verschwörungstheorien“ zu sein. Das hat zwar noch nichts zu bedeuten: Kein wirklicher Verschwörungstheoretiker würde über sich sagen, er wäre einer. Dass jedoch die Zahl der Corona-Skeptiker – um nicht zu sagen „Corona-Leugner“ -, die ihre Haltung immer lauter kundtun und Aufmerksamkeit bekommen wollen, in den letzten Wochen in der Bundesrepublik sichtbar gewachsen ist, berechtigte ohne Weiteres den alles andere als heiteren ARD-Auftritt des besonders für seine Parodien bekannten Kabarettisten.

    Ein weiterer Vertreter der altermäßig Corona-gefährdeten Bevölkerungsgruppe, der ARD-Rentner Ulrich Wickert (77), äußerte bei „Maischberger“ seine Besorgnis aus einem anderen Grund: Nach seiner Ansicht nehmen seine Mitbürger*innen in Hamburg die Epidemie inzwischen viel zu undiszipliniert und leichtsinnig wahr und auf.

    Merkel-Verehrer Seehofer

    Danach war bei „Maischberger“ ein weiterer „alter weißer Mann“ an der Reihe: Innenminister Horst Seehofer (70). Dieser wirkte an dem Abend wiederum am wenigsten besorgt und beunruhigt – im Gegenteil eher entspannt, recht gut gelaunt und zukunftssicher. Grund: Die Regierungsstrategie in der Pandemie-Zeit sei ein „Riesenerfolg“ gewesen. Nicht zuletzt sei es also auch sein Verdienst. Die Zahl der Neuinfektionen sei mittlerweile so tief runter gedrückt worden, dass man immer weitere Lockerungen anpacken könne – natürlich mit Vor- und Umsicht.

    Was hat es aber mit dem jüngsten Skandal um den angeblich offiziellen Bericht des Innenministeriums an sich, den der inzwischen freigestellte Ministeriumsmitarbeiter Stephan K. verbreitet hat, in dem die Corona-Pandemie als „Fehlalarm“ bewertet wurde und von „gravierenden Fehlleistungen des Krisenmanagements“ die Rede war? Seehofer versicherte, in seiner Behörde sei Meinungspluralität durchaus erlaubt. Es sei aber unzulässig, dass die persönliche Meinung eines Mitarbeiters für den offiziellen Standpunkt des Ministeriums ausgegeben werde, da Stephan K. doch den Briefkopf der Behörde für seine 192-seitige Studie missbraucht hatte.

    Kennzeichnenderweise stellte das Magazin „Focus", dem der „Whistleblower“ seinen Aufsatz ebenfalls zugespielt hatte, fest: „Ein wirrer Verschwörungstheoretiker ist Stephan K. allerdings nicht. K. spricht in seinem Papier viele Punkte an, die auch Wissenschaftler und Politiker für heikel halten. Besonders die Frage nach der Wirksamkeit von Ausgangsbeschränkungen wird rege diskutiert, weil sie in die verfassungsmäßig garantierten Rechte der Bürger eingreifen.“ Insofern mag es durchaus sein, dass Stephan K. ebenfalls an den Protest-Demos in Berlin teilgenommen hat.

    Über den grünen Klee lobt Seehofer nun auch Angela Merkel: „Wir können froh sein, dass wir in dieser gefährlichen Situation eine solche Kanzlerin an der Spitze unseres Landes haben“, erklärte jüngst der Innenminister. Sandra Maischberger erinnerte den Innenminister an seine vernichtende Kritik an der Kanzlerin während der Flüchtlingskrise. „Man kann doch in der Politik Diskussionen haben und muss deshalb nicht ein Leben lang im Streit leben“, erwiderte Seehofer, der Merkels Corona-Krisenmanagement als „exzellent“ bewertete. Soll das heißen, dass er dafür wäre, dass Merkel in einem Jahr wieder antrete, will die Moderatorin wissen. „Reden wir Ende des Jahres darüber“, erwiderte der Minister diplomatisch.

    Auch ein Auslandsurlaub käme nun für die Bundesbürger*innen in Frage – eine Option, die sowohl Seehofer, als auch Außenminister Heiko Maas erst vor wenigen Wochen ziemlich resolut ausgeschlossen haben.

    „Wenn wir so diszipliniert bleiben, können wir weiter lockern“, so der Innenminister. „Es gibt gute Aussichten, dass wir ab Mitte Juni auf Grenzkontrollen verzichten und Reisewarnungen anpassen können.“ 

    Die Grünen am Rande

    Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock, deren Interview als „Schlusslicht“ der Sendung installiert wurde, konnte nicht allzu stark für ihre Partei punkten, die sich in der Corona-Zeit ohnehin recht wenig als Opposition (im Schatten der „exzellent“ agierenden Kanzlerin) profilieren können. Wie die Moderatorin bemerkte, haben es die Grünen selbst in den mittlerweile elf Landesregierungen, in denen die Partei präsent ist, nicht vermocht, sich überzeugend in Szene zu setzen. Der Shutdown sei schon ok gewesen, so Baerbock, man habe dabei aber die Interessen von Frau und Kind zu stark vernachlässigt. Das sehe man heute an den immer noch bestehenden Problemen mit der Öffnung von Schulen und Kitas.

    Dass aber Grünen-Anhänger dabei wären, ebenfalls auf die Straße zu gehen, sich den „Hygiene-Demos“ und sonstigen Protestierenden anzuschließen, war den Ausführungen von Annalena Baerbock nicht zu entnehmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Annalena Baerbock, Angela Merkel, Coronavirus, Horst Seehofer, Maischberger