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    Die US-amerikanische Ölbranche könnte es bald schwer erwischen: Der große Konzern California Resources hat dieser Tage seine Investoren vor einer möglichen Insolvenz gewarnt. Ähnlich äußerte sich auch Mitbewerber Chesapeake Energy.

    Warum das lange nicht die letzten Opfer der Krise sind, lesen Sie in diesem Beitrag.

    Es geht nur abwärts

    Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Ölpreise fast um 50 Prozent geschrumpft, und im April erreichten die Futures-Notierungen wegen mangelnder Nachfrage sogar den Negativbereich.

    Für die ölfördernden Unternehmen in Texas wurde dieser Schlag unerträglich: Die Firma Parsley Energy musste 150 Bohrlöcher schließen, Continental Resources reduzierte die Förderung um ein Drittel und Texland Petroleum stellte sie sogar vollständig ein. Im April ging eines der größten Schieferölunternehmen pleite: Whiting Petroleum. Ihm folgten die Kollegen von Hornbeck Offshore Services.

    Branchenkenner sind sich einig: Sollten die Ölpreise in einem Jahr noch unter 30 Dollar pro Barrel liegen, wird kaum ein Unternehmen überleben. Damit die Schieferölförderung rentabel bleibt, müsste der Preis mindestens 50 Dollar betragen. Laut einer Prognose von Pickering Energy Partners werden sich fast 40 Prozent aller Unternehmen in diesem Jahr am Rande der Insolvenz wiederfinden.

    Am 11. Mai informierte California Resources, einer der Marktführer, seine Investoren, dass möglicherweise ein Insolvenzverfahren in die Wege geleitet werden müsse.

    Die Aktien des Unternehmens, deren Preis seit Anfang dieses Jahres ohnehin fast drei Viertel ihres Wertes verloren hatten, schrumpften sofort um weitere 32 Prozent. Die Kalifornier informierten die Regelungsbehörden, dass sie die Veröffentlichung ihres Quartalsberichts verschieben müssen.

    „Falls es uns nicht gelingen sollte, unsere Bilanz umzustrukturieren, ist es fraglich, ob wir unsere Arbeit fortsetzen können“, geht aus der entsprechenden Erklärung hervor, die der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC vorliegt. Die Firma räumte ein, dass der „beispiellose Rückgang“ der Ölnachfrage – und der damit verbundene Preisverfall – verheerend sei.

    Die Verbindlichkeiten von California Resources belaufen sich auf eine Riesensumme von etwa fünf Milliarden Dollar. Die Firma bemühte sich um die Umschuldung, aber der Absturz der Ölpreise behinderte sie dabei. Dabei hat das Unternehmen bereits mehr als 60 Prozent aller Kreditmittel (insgesamt eine Milliarde Dollar) aufgebraucht.

    Verluste in Milliardenhöhe

    Mit ähnlichen Problemen hat auch Chesapeake Energy zu kämpfen – der zweitgrößte Gasproduzent in den USA. Sein Finanzbericht zu den Ergebnissen des ersten Vierteljahres war furchterregend für die Investoren: Der reine Verlust ist um das 400-fache gestiegen und erreichte 8,3 Milliarden Dollar (853 Dollar pro Aktie). Zum Vergleich: Vor einem Jahr hatten die Verluste „nur“ 21 Millionen Dollar betragen. 

    Dass Chesapeake Energy nahezu pleite ist, war im Prinzip schon lange bekannt. Aktuell liegen die Schulden der Firma bei zehn Milliarden Dollar – und übertreffen ihren Marktwert um das Zehnfache. Der Rückgang der Nachfrage und der Ölpreise lassen dem Unternehmen keine Überlebenschance.

    Ein Firmensprecher gab zu, dass die Prognose für das kommende Jahr „negativ“ sei. Um zu überleben, erwäge man verschiedene Varianten. Unter anderem könnten der Umfang der Bohrarbeiten und die Erschließung um 30 Prozent reduziert und die Produktions- und sonstige Kosten um 20 Prozent gekürzt werden. Wichtig sei auch, Unternehmensaktiva zu verkaufen, um zusätzliche Mittel zu lukrieren.

    Allerdings gebe es „keine Garantie dafür, dass die Firma ihre Verbindlichkeiten umschulden, ihre Finanzlage verbessern und diese oder jene strategischen Operationen abschließen kann“, räumte man bei Chesapeake ein.

    Nur wenige werden überleben

    Analysten warnen, dass die Insolvenzwelle in der Branche erst beginne.

    „Die Corona-Pandemie hat die Ölbranche zerstört, indem sie einen rasanten und beispiellosen Rückgang der Benzin-, Petroleum- und Dieselnachfrage auslöste. Hinzu kamen der epische Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien und der riesige Schuldenberg der amerikanischen Ölkonzerne“, geht aus einem Bericht von Bloomberg Intelligence hervor. „Diese Faktoren werden in den nächsten Monaten höchstwahrscheinlich etliche Insolvenzen mit sich bringen. Im Unterschied zur Ölkrise von 2014 bis 2016 werden viele Unternehmen untergehen.“

    Laut einer Studie der Federal Reserve Bank von Dallas sind selbst jene Unternehmen, die im relativ „billigen“ Schieferbecken Permian im Westen von Texas aktiv sind, auf einen Ölpreis von durchschnittlich 49 Dollar pro Barrel angewiesen. Sollten die Preise ein Jahr lang bei 40 Dollar liegen, werden nur 15 Prozent der Produzenten den Kopf über Wasser halten können. Dabei ist die entsprechende Prognose des Internationalen Währungsfonds erwähnenswert: 2020 wird ein Barrel Öl dank dem neuen Opec+-Abkommen im Durchschnitt 34,8 Dollar kosten. Im kommenden Jahr dürfte der Preis auf 36,4 Dollar steigen.

    Angesichts dessen scheint die Insolvenz für viele Firmen der einzige Ausweg zu sein: Denn die meisten Schieferölförderer sind nicht imstande, ihre enorm hohen Schulden zu refinanzieren. Mit neuen Investoren ist jedenfalls nicht mehr zu rechnen.

    Am Ende des „Schieferöl-Jahrzehnts“ ist der Energiesektor des S&P 500 der Schlimmste. Dieses Geschäft ist und bleibt unrentabel, wobei die Unternehmen ihre Schulden nur mit neuen Krediten begleichen. Seit 2010 haben die 40 Branchenführer fast um 200 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als eingenommen.

    Nur die wenigsten von ihnen konnten beweisen, dass sie imstande sind, Gewinne zu machen. Am Ende hat man an der Wall Street von Ölunternehmen verlangt, sich nach dem Beutel zu richten, weniger Geld zu verschwenden und ihre Schulden zu tilgen. Das hatte zur Folge, dass im vorigen Jahr in die Branche um 50 Prozent weniger Mittel investiert wurden als 2018.

    Dabei findet sich kaum noch jemand, der bereit wäre, unrentable Unternehmen zu finanzieren. Also werden viele von ihnen den Markt in absehbarer Zeit verlassen müssen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Fracking, Schieferöl, Texas, USA, Ölpreis, Ölförderung, Gasförderung