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    Eine der westlichen Standardlügen spricht bis heute vom angeblichen Bündnis zwischen Hitlerdeutschland und der Sowjetunion 1939. Die historischen Fakten, die dagegen sprechen, sind in Vergangenheit geraten – und werden aus den Archiven nicht hervorgeholt. Dabei ist gerade das notwendig angesichts der antirussischen Stimmungsmache in der Gegenwart.

    Schon einen Tag nach Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages vom 23. August 1939 sprachen allein die deutschen Medien erstmals von einem derartigen Bündnis. Das hatte folgende Zweck: Der Westen sollte vor Aktionen gegen Deutschland gewarnt werden. Das zog aber nicht, da er gegenüber Polen schon am nächsten Tag ein Garantieversprechen abgab und am 3. September Deutschland den Krieg erklärte.

    Dann sollte der antifaschistische Widerstand desorientiert und paralysiert werden. Das ist zeitweise gelungen. Dabei gab dieser Nichtangriffsvertrag nichts für eine derartige Aussage her. Zudem hatte Deutschland im Herbst 1938 mit Großbritannien und Frankreich ähnliche Abkommen abgeschlossen. Keiner sprach dabei von Bündnissen.

    Die angebliche „Aufteilung Polens“ bildete bis heute das Kernstück des Bündnisvorwurfes: „Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiete werden die Interessensphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt. Das ist keine „Aufteilung“ eines Landes, sondern die Artikulierung von territorialen Interessen, was nicht das Gleiche ist. Das war zu jener Zeit durchaus üblich, denn das war Völkerrecht und ist bis heute bürgerliches Recht.

    Neue „Münchner Konferenz“

    Das alles liest sich auch nicht, als ob ein Krieg gegen Polen und dessen territoriale Inbesitznahme auf der Tagesordnung gestanden hätte. Hier ist von territorial-politischer Umgestaltung und nicht von einem gemeinsamen politischen oder gar militärischen Vorgehen die Rede: Also kein Bündnisvertrag.

    Vielmehr ging es um eine neue „Münchner Konferenz“, die von westlichen Politikern avisiert worden war. Die Sowjets wollten daran diesmal beteiligt sein, um die Gebiete mit ihren ukrainischen und belorussischen Landsleuten vor deutschem Zugriff zu schützen. Dieser Zusammenhang wird seit 80 Jahren bewusst verschwiegen.

    Im Gegensatz zu den deutschen Faschisten bereitete sich die UdSSR vorerst nicht auf einen Einmarsch in Polen vor. Sie hatte noch nicht einmal die Wehrpflicht eingeführt und kämpfte im Fernen Osten noch mit den Japanern. Der Vertrag war seitens Moskaus auch dazu gedacht, in Europa den Rücken freizuhaben und nicht Krieg führen zu müssen. Mit den Japanern wurde am 15. September 1939 ein Waffenstillstand vereinbart. Truppen aus Fernost konnte Moskau daher nicht abziehen. Erst im April 1941 hatte Moskau mit Japan einen Nichtangriffsvertrag.

    Mit dem deutschen Überfall auf Polen änderte sich die Situation grundlegend. Am 3. September 1939 erklärte der Westen Deutschland den Krieg. Ein neues München war also passé. Jetzt erst kam es zu Truppenkonzentrationen im sowjetischen Westen, die äußerst chaotisch abliefen und somit dem Märchen von einer von langer Hand vorbereiteten Aktion widersprechen. Allein das wie auch die Begründung für den späteren Einmarsch der Sowjettruppen bilden bis heute den absoluten Schwachpunkt der antirussischen Propaganda: Hierfür hat sie keine plausible Erklärung.

    Berliner Vorstellungen

    Wenig bekannt ist auch, dass Berlin offenbar davon ausging, dass Moskau nicht eingreifen würde, denn sonst hätte die faschistische Wehrmacht nicht einen Teil der die Sowjets interessierenden Gebiete besetzt und profaschistische ukrainische Formationen eingesetzt. Die Nazis versuchten mehrfach, die UdSSR zum sofortigen Eingreifen zu veranlassen. Die sowjetischen Erwiderungen lesen sich wie Ausreden von jemandem, der nicht will oder auf etwas wartet.

    Die Behauptung, die Sowjetunion wollte später angreifen, um nicht als Hitlers Gehilfe dazustehen, ist gegenstandslos, da man in Moskau ohnehin damit rechnen musste. Die Gründe für die sowjetische Motivation lagen ganz woanders: Die UdSSR hatte bis um den 13. September noch die Hoffnung, dass der Westen die im Mai 1939 in Paris ausgemachte Großoffensive beginnen würde. Das hätte das Kräfteverhältnis total verändert.

    Moskau hätte dann den Nichtangriffsvertrag mit Berlin kündigen können, wie sie das dann mit Polen und 1945 mit Japan Stunden vor ihrem Einmarsch tat, um gegen die Deutschen kämpfen zu können. Die von ihr beanspruchten Gebiete hätte die UdSSR hier auch besetzen und später mit den Polen verhandeln können, denn die Rote Armee hätte ohnehin in dieser Region die militärische Hauptlast getragen. Es ist also nicht so, dass Stalin allein wegen dieser Gebiete unbedingt am Vertrag mit Deutschland festhalten wollte.

    Westliche Falle

    Am 13. September 1939 erhielt die sowjetische Aufklärung die Information, dass am Vortag die französischen und britischen Regierungs- und Militärchefs in Abbeville beschlossen hätten, keine Offensive zu starten und Polen im Stich zu lassen. Für den Kreml offenbarte sich allerdings noch mehr: Sogar in einem Bündnis mit dem Westen hätte sie jetzt allein gegen die Nazis dagestanden. Dem Westen wäre es endlich gelungen, Hitler direkt gegen die UdSSR zu hetzen.

    Die Sowjetunion war nicht in diese westliche Falle getappt und hatte durch den Vertrag mit den Deutschen eine zeitweilige Sicherheit erlangt. Zugleich bekam sie dadurch die Möglichkeit, die ihnen 1920 von den Polen geraubten Gebiete ohne Krieg mit den Deutschen wiederzuerlangen. So stellte sich der Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages schon zu jener Zeit für die sowjetische Seite als ein geniales Glanzstück ihrer Diplomatie dar, was selbst der britische Premier Winston Churchill lobte.

    Erst am 14. September 1939 gingen die entsprechenden Befehle an die sowjetischen Kommandeure. Den Deutschen wurde nun mitgeteilt, dass ihr Einmarsch in den nächsten Tagen erfolgen würde. Inzwischen hatte sich durch das sowjetische Abwarten die Lage auf dem polnischen Kriegsschauplatz weiter zu Gunsten der faschistischen Wehrmacht verändert.

    Kein sowjetischer Dolchstoß

    Durch das fehlende Eingreifen des Westens hatte Hitler den Rücken frei. Nahezu zeitgleich überschritten die deutschen Truppen die mit der UdSSR vereinbarte Linie. Am 16. September 1939 befand sich die polnische Staats- und Militärführung direkt an der rumänischen Grenze und hatte ihren schon lange geplanten Übertritt erbeten. Es war also nicht so, dass der sowjetische Einmarsch, der einige Stunden später stattfinden sollte, Polen den Dolch in den Rücken gestoßen hätte, wie seither behauptet wurde und wird.

    Die Polnische Armee war auf dem Rückzug bzw. hielt sich an einigen, von den Deutschen eingeschlossenen Punkten. Die in Ostpolen stationierten Truppen waren zu zweitrangig und zu gering, um die Deutschen noch aufhalten zu können. Polen hatte jetzt schon ohne sowjetisches Eingreifen verloren.

    Die polnische Führung hatte wie die Sowjets ebenfalls auf die westliche Offensive gehofft und gewartet. Der Westen hatte die Polen aber nicht über die Entscheidung von Abbeville informiert. Auch ohnedies fühlte sich die polnische Führung von ihren Verbündeten verlassen und entschloss sich daher zur Flucht nach Rumänien und Ungarn.

    Westliche Einsichten

    Während der polnischen Evakuierungsmaßnahmen traf die Nachricht vom sowjetischen Eingreifen ein. Nun hätte Rumänien laut Bündnisvertrag mit den Polen von 1921 gegen die Rote Armee vorgehen müssen. Doch hier traf Bukarest eine realistische Entscheidung. Polen verzichtete auf eine Kriegserklärung und entließ Rumänien aus seinen Verpflichtungen. Einen Krieg gegen die UdSSR konnten und wollten sie nicht führen.

    Der Westen reagierte auf den sowjetischen Vorstoß zurückhaltend. Kriegserklärungen und Protestnoten gab es 1939 nicht, obwohl sie Polen auch Schutz vor der UdSSR versprochen hatten. In den westlichen Hauptstädten gab es eher Verständnis für das sowjetische Vorgehen. Schließlich hatten die Westmächte vor 20 Jahre Sowjets wie Polen diese neue Grenze, die Curzon-Linie selbst vorgeschlagen. Bis 1945 erkannten die Westmächte die neuen sowjetischen Westgrenzen an.

    Die UdSSR war für Paris und London bis zum Ende des Krieges kein Bündnispartner Hitlers. Auch in dieser Situation galt die Sowjetunion für sie als ein neutrales Land, das zu gegebener Zeit als eigenen Bündnispartner gesehen wurde.

    Ein überzeugendes Argument gegen Behauptung vom Bündnis zwischen Berlin und Moskau zu Kriegsbeginn sind die deutsch-sowjetischen Auseinandersetzungen nach dem 19. September. Da die Wehrmacht sich bei Lemberg (Lwow) weigerte, sich zurückzuziehen, kam es zu einem Gefecht mit deutschen und sowjetischen Verlusten. Berlin war gezwungen, mit Moskau hierzu Absprachen zu treffen und sich auch aus anderen Gebieten zurückziehen. Hätte es ein Bündnis gegeben, wäre es nie zu solchen Ereignissen gekommen. Doch auch danach wird heute anscheinend in der antirussischen Stimmungsmache nicht mehr gefragt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Propaganda, Zweiter Weltkrieg, Sowjetunion, Deutschland, Josef Stalin, Hitler