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    134 Seiten dick ist der Bericht über den US-Einsatz gegen den IS-Terror im Nahen Osten, den das Pentagon dem Kongress vorgelegt hat. Das Wesentliche: Die US-Truppen im Irak und Syrien werden bei Einheimischen immer unbeliebter, der IS* erfährt mehr Zulauf. Aber was die Amerikaner am meisten beunruhigt, ist das syrische Öl und Gas.

    Wie läuft es mit der Operation „Inherent Resolve“? wollte der US-Kongress vom amerikanischen Verteidigungsministerium wissen. Nun, man habe General Soleimani erledigt (am 3. Januar beschoss eine amerikanische Drohne das Auto des irakischen Militärführers in Bagdad) – und dies habe die Lage im Nahen Osten komplett verändert, erklärte der Generalinspekteur des Pentagons Sean O'Donnell in seinem Bericht.

    In der Tat: Der amerikanische Anschlag auf den iranischen Offizier hätte beinahe einen Krieg zwischen den USA und dem Iran ausgelöst. Teheran beschoss irakische US-Einrichtungen, über 100 amerikanische Bürger seien dabei ums Leben gekommen, heißt es bei O'Donnell. Auch die Iraker verurteilten den Mord an Soleimani: Eine Protestwelle zog durch das Land, die Führung in Bagdad forderte den Abzug der US-Truppen. Den kompletten Abzug verweigert Washington natürlich, aber seit Jahresanfang seien fünf Stützpunkte an die irakischen Streitkräfte übergeben worden, berichtet der Pentagon-Beamte.

    Eine Folge dieses „Rückzugs“ ist ein deutlicher Anstieg der amerikanischen Truppenstärke in Nordsyrien: Dorthin wurde ein Teil des irakischen Kontingents verlegt. Der letzte Konvoi mit Waffengerät und weiterer Technik hat Irak am 13. Mai in Richtung der nordsyrischen Provinz Hasaka verlassen.

    „Donald Trump hat zwar mehrmals erklärt, den Syrien-Einsatz beenden zu wollen. Doch was wir sehen, ist das Gegenteil: Truppenkontingente werden weiter verstärkt“, erklärt Militär-Analyst und Amerika-Experte Sergej Sudakow, Mitglied der Akademie für Militärwesen. „Ich nehme an, die USA arbeiten ein neues Präsenzkonzept für Syrien aus. Sie können sich nicht damit abfinden, dass Russland die Regierung in Damaskus unterstützt. Die Erfolge russischer Streitkräfte wirken wie eine Bloßstellung der gesamten amerikanischen Nahost-Politik. Für die USA bleibt Syrien auch künftig eine Möglichkeit, Moskau mit Problemen zu belasten.“

    Das ist ein Zweck der US-Präsenz in Syrien. Die andere Seite ist: All das Erdöl, das man im Irak fördern kann, stehe längst unter amerikanischem „Schutz“. Nur die Lagerstätten in Syrien habe man noch nicht unter Kontrolle, erklärt der Experte. Die Amerikaner machen kein Geheimnis daraus. Im O'Donnell-Bericht heißt es schwarz auf weiß: Das Ziel der Anti-IS-Mission in Nordsyrien sei es, die Sicherheit der Öl- und Gasfelder zu kontrollieren, die von den DKS und Koalitionskräften kontrolliert würden. Die USA bestätigen damit hochoffiziell, in Syrien nicht den Terror zu bekämpfen, sondern Geschäftsinteressen zu schützen.

    Terroristen werden stärker

    Um den Islamischen Staat geht es im Pentagon-Bericht jedoch auch. O'Donnell sagt, die Terrormiliz behalte im Irak und in Syrien eine „Low-Level Activity“ bei – sei also nicht in der Lage, Gebiete zu halten. Stattdessen: Anschläge, Sprengfallen, Angriffe aus dem Hinterhalt. Im Irak agierten die Terroristen hauptsächlich im Gebirge nördlich und westlich der Hauptstadt; in Syrien nur in den Provinzen Deir er-Zor, Hasaka und Rakka.

    Trotzdem kann von einer Zerschlagung des IS keine Rede sein. Laut geheimdienstlichen Berichten des Pentagons baut die Terrormiliz ihre Mobilitätsfähigkeiten wieder auf, es besteht erneut die Möglichkeit zur Rekrutierung der Einheimischen. Bis zu 18.000 IS-Kämpfer gibt es demnach in Syrien und im Irak. Besonders gefährlich sind laut dem Bericht von O'Donnell ausgerechnet die Gefängnisse, in denen Terroristen und ihre Familienangehörigen sitzen – insgesamt rund 10.000 Menschen. Die Fluchtgefahr ist besonders groß – erst recht, wenn Kurden aus den DKS-Verbänden die Bewachung lockern, wie es schon mal passierte.

    Die relative Ruhe, die seit März im Nahen Osten herrsche, habe ihre Ursachen in der Corona-Pandemie, heißt es im Pentagon-Bericht weiter. Streitkräfte, die gegen den Terror kämpfen, haben ihre Aktivitäten erheblich verringern müssen – eine Gelegenheit für die Terrorguerillas, sich zu sammeln. Im kommenden Sommer und Herbst sei deshalb mit bösen Überraschungen zu rechnen, so Generalinspekteur O'Donnell.

    Besonders hebt der Beamte die Feindseligkeit hervor, mit der die Einheimischen in Syrien den amerikanischen Truppen begegnen: US-Konvois würden regelmäßig mit Steinen beworfen, die Marschrouten verbarrikadiert. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. „Damit ein Aggressor sich im fremden Land halten kann, braucht er eine Basis. Ohne den Rückhalt im Volk ist ein Gebiet nur zu halten, wenn man in jeder Ortschaft Truppen stationiert. Solche Möglichkeiten haben die Amerikaner nicht“, erklärt der Politologe Konstantin Siwkow, Präsident der Akademie für geopolitische Probleme.

    Kurden hätten die Amerikaner in Syrien unterstützen können, doch sie wurden von denselben verraten. Inzwischen lassen kurdische Verbände erkennen, auf der Seite syrischer Regierungstruppen kämpfen zu wollen. Es gibt niemanden mehr, der die US-Präsenz in Syrien gutheißen würde.

    * - Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Terrorismus, Ölvorkommen, Inherent Resolve, Irak, IS, Syrien, USA