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    Russland hat Kapitalanlagen in amerikanische Staatsanleihen dreifach reduziert. Notenbanken anderer Länder stoßen die Papiere des US-Finanzministeriums ebenfalls ab. Währenddessen wirft die Federal Reserve die Dollarpresse an.

    Von über zwölf Milliarden auf knappe vier Milliarden Dollar – Russland hat seine Ausgaben für amerikanische Treasuries massiv gekürzt. Das US-Finanzministerium erklärt, es handele sich um die erste spürbare Kürzung russischer Investitionen in amerikanische Anleihen seit Monaten. Schon vor zwei Jahren hatte die Notenbank in Moskau amerikanische Papiere aus Sorge vor deren Einfrierung aufgrund von Sanktionen ausverkauft.

    Über 170 Milliarden Dollar groß waren russische Kapitalanlagen in amerikanische Anleihen in den Jahren 2010 bis 2013. Moskau zählte zu den größten Haltern von US-Papieren. Aber seit Washington im April 2014 russlandfeindliche Sanktionen verhängt hatte, stieß man die Anleihen nach und nach ab. 2018 veranstaltete die russische Notenbank einen regelrechten Ausverkauf und halbierte ihr Treasuries-Portfolio mit einem Schlag. Der Anteil amerikanischer Staatsanleihen an den internationalen Reserven Russlands schrumpfte auf ein Minimum. Die freigewordenen Mittel investierte die Zentralbank in Gold, Euro und Yuan.

    Der World Gold Council hat ausgerechnet, dass die Goldmengen in den Bilanzen der Notenbanken letztes Jahr um 651 Tonnen zugenommen haben. Das ist der höchste Wert seit 1971 – dem Jahr, in dem die Vereinigten Staaten sich vom Goldstandard lösten. 2019 war der größte Goldkäufer Russland – mit 20 Prozent aller Käufe für die Staatsreserve. Die russischen Goldreserven sind um 159 Tonnen auf über 2.270 Tonnen (73 Millionen Unzen) gestiegen.

    Alle wollen verkaufen

    Nicht nur Russland will US-Anleihen loswerden. Eine Statistik des amerikanischen Finanzministeriums zeigt das Ausmaß der Flucht ausländischer Anleger aus den Treasuries: Innerhalb nur eines Monats wurden Papiere im Wert von 256 Milliarden Dollar abgestoßen – das gesamte Portfolio schrumpfte auf 6,8 Billionen. Nur fünf der dreiunddreißig größten Gläubiger der Vereinigten Staaten haben ihre Kapitalanlagen in die US-Anleihen erhöht: Japan um 3,4 Milliarden, die Schweiz (1,3 Milliarden), Taiwan (4,1 Milliarden), die Philippinen (1,3) und Australien (1,8).

    Besonders Schwellenländer verkaufen die US-Papiere: Sie brauchen den Dollarerlös, um ihre fallenden Währungen im Zuge der Corona-Krise zu stützen. Der größte Verkäufer ist Saudi-Arabien: Das Königreich stieß Treasuries im Wert von 25,3 Milliarden Dollar ab. Knapp dahinter folgen Brasilien und Indien mit 21,5 bzw. 21 Milliarden Dollar.

    Für Washington heißt das nichts Gutes, denn das 1,5-Billionen-große Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten wird größtenteils durch die Emission von Staatsanleihen gedeckt. Dass Länder aber die amerikanischen Anleihen abstoßen, ist laut Experten nicht nur an sich, sondern auch im Ausmaß überraschend. Denn in vorherigen Krisen – etwa 2008 – stieg die Nachfrage nach Treasuries deutlich an.

    „Ist die russische Notenbank darauf vorbereitet, dass etliche Länder ihre Investitionen in amerikanische Papiere einfrieren? Das ist sie definitiv“, sagt Alexander Rasuwajew, Chef des Finanzinformationsdienstes Alpari. „Dieses bisher wenig wahrscheinliche, aber mögliche Szenario wäre ein schwerer Schlag gegen den Dollar als Leitwährung. Der einzige Zufluchtswert wäre in so einem Fall das Gold.“

    Die Dollarpresse läuft

    Um die Investorenflucht zu bändigen und das Haushaltsloch zu stopfen, hat die Federal Reserve bereits die Notenpresse angeworfen. Und die läuft auf Hochtouren: Die amerikanische Notenbank hat angekündigt, Anleihen in unbegrenztem Umfang aufzukaufen. Binnen zwei Monaten stieg die Fed-Bilanz um 2,9 Billionen Dollar.

    Wie sich diese Liquiditätsmassen auf die amerikanische Wirtschaft auswirken werden, ist noch völlig unklar. Die Federal Reserve druckt als Anti-Krisen-Maßnahme ungedeckte Dollarscheine, verteilt sie ohne Gegenwert und erhöht mithin nur eigene Verbindlichkeiten. Die Bilanz der Federal Reserve ist inzwischen auf 6,4 Billionen Dollar angewachsen – fast 30 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung vor der Krise.

    Nach Schätzungen großer Banken steigt das Haushaltsdefizit der USA in diesem Jahr auf vier Billionen Dollar, den höchsten Wert seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach denselben Einschätzungen wird sich die Fed-Bilanz zum Ende der Corona-Krise zu einer Zehn-Billionen-Blase auswachsen. Es ist ein Wachstum, das allein die Notenpresse antreibt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    US-Staatsanleihen, US-Notenbank FED, USA