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    Die russische Notenbank hat es mit ihren Goldreserven geschafft, einen Rubel-Absturz im zurückliegenden April zu verhindern. Die Bankreserven sind dabei weiterhin groß, die Notenbank kann an ihrem Goldschatz solide verdienen. Außerdem ist das Edelmetall eine wichtige Größe, um den Dollar-Anteil am internationalen Handel zu drücken.

    Russland hat seine Goldreserven binnen fünf Jahren erheblich erweitert. Was richtig war, wie sich in der gegenwärtigen Krise gezeigt hat: Um den Rubel zu stützen, musste die russische Notenbank am Währungsmarkt intervenieren, hat aber den Währungsfonds des Landes durch den steigenden Goldpreis erhalten können.

    Im März und April gab die Notenbank 6,6 Milliarden US-Dollar aus (250 bis 300 Millionen Dollar pro Tag), um den Rubel zu festigen. Der Ölpreis war auf ein Drittel eingestürzt und die russische Währung hätte sich infolgedessen laut Experten auf 110 Rubel je Dollar verbilligt – wären die Währungsspritzen der Notenbank nicht gewesen. So gab der Rubel nur um ein Fünftel nach.

    Im selben Zeitraum legte das Gold der russischen Zentralbank im Wert zu: um die gleichen sechs Milliarden Dollar – auf den Spitzenwert von 126 Milliarden. Der russische Währungsfonds hat also trotz der Interventionen am Währungsmarkt so gut wie nichts an Wert verloren, sondern sogar leicht zugelegt: Im Januar verfügte die Notenbank über knapp 555 Milliarden Dollar, Mitte Mai bereits über knapp 563 Milliarden.

    Die Reservestrategie hat sich demnach als goldrichtig erwiesen. Das Edelmetall sichert nicht nur die Landeswährung, sondern wirft auch eine gute Rendite ab: Diese Woche wurde das Gold zum höchsten Preis der letzten acht Jahre gehandelt, 1750 Dollar je Unze. Womit laut Analysten die Preisobergrenze noch lange nicht erreicht ist, denn Investoren schätzen das Edelmetall als Sicherheit in Krisenzeiten ganz besonders.

    Dies umso mehr, da das Vertrauen der Anleger in den traditionell sicheren Vermögenswert – die amerikanischen Staatsanleihen – schwindet. Nach Angaben des Finanzministeriums in Washington haben ausländische Investoren im März amerikanische Staatspapiere im Umfang von 256 Milliarden Dollar abgestoßen. Rund 80 Milliarden davon entfallen allein auf Saudi-Arabien, Brasilien, Indien und Thailand.

    Russlands Zentralbank hatte ihr Treasuries-Paket noch 2018 fast vollständig ausverkauft. Von dem, was verblieben war, hat die Notenbank kürzlich nochmal zwei Drittel abgestoßen und hält jetzt amerikanische Staatsanleihen im Wert von 3,85 Milliarden Dollar – weniger als ein Prozent aller Währungsreserven des Landes.

    Der Dollar und der Handel

    Mit dem Ausverkauf amerikanischer Anleihen schwächen die Notenbanken den Dollar als Leitwährung. Dass sie das tun, ist nachvollziehbar, schließlich flutet Washington die US-Wirtschaft im Kampf gegen die Corona-Krise mit ungedecktem Geld.

    Erst war beim Ausbruch der Pandemie die Nachfrage nach der amerikanischen Währung außerhalb der USA sprunghaft gestiegen, weshalb die Fed viele neue Dollarscheine für das Ausland emittierte. Dann blieb wegen der Quarantäne die US-Wirtschaft stehen, womit ein Liquiditätsengpass im Inland einherging, den die Fed ebenfalls mittels der Dollarpresse gelöst hat.

    Zudem hat die US-Notenbank den Leitzins auf null gesenkt, während Donald Trump sogar einen Minuszins fordert. Darauf müssen eine Entwertung des Dollars und Chaos auf den Finanzmärkten ähnlich der Krise in den 1970ern folgen, als die USA sich vom Goldstandard lösten, sagen Experten.

    Um die Risiken zu verringern, versuchen immer mehr Länder den Dollar im Außenhandel durch andere Währungen zu ersetzen. Maßgebend ist hierbei die BRICS. Wie aus der Statistik des russischen Zolls hervorgeht, ging der Dollaranteil an den Abrechnungen zwischen Russland und China sowie Indien letztes Jahr um ein Drittel auf 49 Prozent zurück.

    Der Anteil der nationalen Währungen am Handel dieser Länder stieg indes von 19 Prozent im Jahr 2018 auf 28 Prozent im vergangenen Jahr. 14 Prozent des Warenumsatzes zwischen Russland und den übrigen BRICS-Ländern wurden in Rubel abgerechnet – eine Steigerung um sechs Prozentpunkte zum Vorjahr.

    Dass nationale Währungen, die durch Goldreserven der Notenbanken gesichert sind, einen immer größeren Anteil am internationalen Zahlungsverkehr erlangen werden, gilt bei Analysten als ausgemacht. Es ist daher kein Zufall, dass neben Russland letztes Jahr China und Indien die größten Goldkäufer waren. Peking erhöhte seine Goldreserven um knapp 106 Tonnen, Delhi um 41,5 Tonnen. Weltweit haben Notenbanken im vergangenen Jahr 651 Tonnen Gold gekauft – das ist der Höchstwert seit 49 Jahren.

    Experten betonen: Die Goldreserven zu erweitern, bedeutet Kurs halten bei der Verringerung von Investitionen in amerikanische Staatsanleihen und entsprechend bei der allmählichen Verdrängung des Dollars im Außenhandel.

    Die Triebkraft der Weltwirtschaft verschiebt sich in Richtung Asien, erklären Analysten der Investmentbank JP Morgan Сhase. In den nächsten Jahrzehnten wird die Vormacht Amerikas und seiner Währung durch ein System ersetzt, in dem Asien dominiert. Folglich verliert der Dollar im Verhältnis zu anderen Währungen und Gold an Wert. Harte Zahlen belegen, dass Russland, China und Indien darauf vorbereitet sind.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    BRICS, Russland, Gold, Rubel, US-Dollar