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    Am Dienstag wurde die Gasbeförderung durch die Pipeline „Jamal-Europa“ kurzfristig eingestellt. Der Gastransit läuft aber inzwischen wieder, wie das Betreiber-Unternehmen Gascade mitteilte.

    Warum die Polen sich wieder selbst bestraft haben, lesen Sie in diesem Artikel.

    Das kommt davon!

    Nach Gascade-Angaben wurden die Gaslieferungen durch die „Jamal-Europa“-Pipeline nach Deutschland am 26. Mai um 08.00 Uhr eingestellt. Darüber wunderte sich niemand.

    Erwähnenswert dabei sei, dass am 18. Mai der 25-jährige Transitvertrag zwischen dem russischen Konzern Gazprom und Polen ausgelaufen war. Dabei war aus Warschau in letzter Zeit immer wieder zu hören, dass der Tarif für den Gastransit wesentlich erhöht werden sollte.

    Noch im August 2019 hatte der polnische Regierungsbeauftragte für strategische energetische Infrastruktur, Piotr Naimski, mitgeteilt, dass sein Land wegen des niedrigen Transittarifs in den letzten acht Jahren 400 Millionen Dollar quasi verloren hätte. Angesichts dessen sollte der Tarif mehrfach erhöht werden. Aber schon im Winter 2019-2020 wurde offensichtlich, dass Warschau bei dieser Forderung nach mehreren Milliarden Dollar scheitern würde. Gazprom nahm nicht einmal an Verhandlungen über die Vertragsverlängerung teil. Da blieb den Polen nichts übrig als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und zu erklären, sie würden ab jetzt nach den europäischen Normen arbeiten und ihre Gasbeförderungskapazitäten quasi versteigern.

    Gleichzeitig wurde der Chef des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PGNiG, Piotr Wozniak, entlassen, weil das Land sichere Einnahmen aus dem Gastransit verloren hat. Aber es war ja von Anfang an klar, dass die Leitung „Jamal-Europa“ für die Russen in der entstandenen Situation höchstens eine Reserve-Route wäre.

    Für Gazprom ist es einfach ungünstig, den Transit durch die Ukraine und die Pipelines Turkish Stream und Nord Stream zu reduzieren, weil die dortigen Kapazitäten unabhängig von der Gasmenge bezahlt werden müssen, die durch die Pipeline gepumpt wird. Und die polnische Route könnte man wegen des Versteigerungssystems je nach eigenem Bedarf einsetzen.

    Bei der aktuellen Marktkonjunktur, wenn das Gasangebot in Europa die Nachfrage stark übertrifft, bedeutete das eine drastische Kürzung der Gasbeförderung durch die „Jamal-Europa“-Leitung. So war das auch in den Tagen vor dem zeitweisen Stopp am 26. Mai: Am 19. Mai hatte PGNiG 93 Prozent seiner Transitkapazitäten gebucht, am 20. Mai schon 79 Prozent, am 23. Mai 33 Prozent, am 24. und 25. Mai lediglich zehn Prozent. 

    Dabei erreichte die Belastung der „Nord Stream“-Leitung im Mai ihren Höhepunkt: etwa 200 Millionen Kubikmeter pro Tag, was um 15 Prozent mehr als im Mai 2019 war. Durch die Ukraine werden im Durchschnitt 150 Millionen Kubikmeter Gas täglich transportiert, was 85 Prozent der Kapazitäten im Sinne des neuen Transitvertrags (178 Millionen Kubikmeter) ausmacht.

    Die Betreiber-Gesellschaft Gascade teilte nach dem kurzfristigen Stopp am Mittwoch mit, dass der Gastransit über die Leitung „Jamal-Europa“ inzwischen wieder funktioniert. Laut dem Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow wird die polnische Route „nach Bedarf“ benutzt. Der Energie-Beauftragte der polnischen Regierung, Piotr Naimski, meinte dazu, Warschau rechne mit dem Aufrechterhalten des Transit-Volumens auf dem ganzen Territorium.

    Polen schlagen einen anderen Ton an

    In der vorigen Woche versteigerte PGNiG seine Kapazitäten für das dritte Vierteljahr, und zwar ziemlich erfolgreich: Es wurden 80 Prozent der Kapazitäten gebucht. „Es gibt einen Kunden, der den neuen Mechanismus einsetzt. Vermutlich ist das Gazprom Export“, teilte Piotr Naimski Journalisten mit.

    Die russische Gasholding rechnet damit, dass die Quarantäne bis dahin schon vorbei ist und die Wirtschaftsaktivitäten in Europa wieder zunehmen werden. Zudem werden die europäischen Länder Vorräte für die neue Heizsaison machen – also sollte die Nachfrage wieder wachsen.

    Aber bis 1. Juli werden die polnischen Transitkapazitäten bei täglichen Versteigerungen verteilt. Ende April prognostizierte der Leiter der außenwirtschaftlichen Abteilung der Gazprom-Holding, Alexander Iwannikow, dass der Gasexport in das sogenannte „ferne Ausland“ in diesem Jahr voraussichtlich 166,6 Milliarden Kubikmeter ausmachen werde. 2019 hatte diese Zahl bei 199 Milliarden Kubikmeter gelegen.

    Die „ausfallenden“ 32,4 Milliarden Kubikmeter entsprechen praktisch den Kapazitäten der „Jamal-Europa“-Pipeline. Natürlich wird der Export auch durch die Ukraine und den Turkish Stream, möglicherweise sogar durch den Nord Stream reduziert. Aber vor allem gilt diese Beschränkung ausgerechnet für die „polnische“ Leitung.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Einstellung, Gaslieferungen, Gaspipeline, Jamal-Europa, Gazprom, Russland, Polen