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    Weiter kürzen oder nicht – und wenn nicht: Um wie viel soll man verlängern? Die OPEC+ trifft sich heute, um über die Erdölproduktion für die nächsten zwei Monate oder über diesen Zeitraum hinaus zu entscheiden. Im Mai haben die Ölpreise um 70 Prozent zugelegt. Ein Trend? Der Rubel jedenfalls ist gut aufgehoben, wie es aussieht.

    Erdöl der Marke Brent, das Ein und Alles eines Ölhändlers, fiel Ende April auf 15 Dollar und zieht seitdem mit kurzen Pausen nach oben. Im Mai hat das Öl nahezu alle Verluste der vergangenen drei Monate wieder eingeholt. Plus: 4,6 Prozent mehr in den ersten Junitagen. Macht zusammen fast 40 Dollar je Barrel – die magischen 40, die die Ölmärkte halten und die russische Währung stärken.

    Ein Treiber dieser Aufholjagd ist das Treffen OPEC+, das heute stattfinden soll. Marktanalysten rechnen mit einer Verlängerung der bestehenden Vereinbarung der internationalen Petro-Gruppe. Das heißt: Kürzungen der Ölfördermengen um 9,7 Millionen Barrel pro Tag bis frühestens August, wenn nicht bis September.

    „Das am meisten wahrscheinliche Szenario: bis 1. September“, erklären Analysten der Citibank.

    Im April hatten die Teilnehmerländer der OPEC+ vereinbart, die Ölproduktion im Mai und Juni zu drosseln, um anschließend allmählich zu steigern. Eine schmerzliche Maßnahme, um den globalen Ölmarkt zu stabilisieren. Russland hat seine Verpflichtungen nach Angaben des russischen Energieministeriums im ersten Monat der Vereinbarung erfüllt: Im Mai förderte das Land 8,59 Millionen Barrel bei zulässigen 8,5 Millionen.

    Wie weiter?

    Aus Verhandlungskreisen heißt es, die OPEC+ erwäge zwei Varianten. „Die erste ist eine Verlängerung des Deals bis September, vorbehaltlich einer Zwischenbewertung der Konditionen im August. Die zweite Variante wird von den meisten Teilnehmern bevorzugt: Die bestehende Vereinbarung bis Jahresende festmachen. Es ist noch kein Konsens erzielt“, sagte ein Insider im Sputnik-Gespräch.

    Eine Verlängerung bis 1. September wäre eine Kompromisslösung. „Diese Entscheidung würde die Ölpreise unter Umständen weiter nach oben treiben. Aber Risiken sind nicht ausgeschlossen: Die Differenzen innerhalb der OPEC-Gruppe und weitere Spannungen zwischen USA und China“, erklärt Natalia Miltschakowa, Analystin beim Branchendienst Alpari.

    Trägt Moskau die eventuelle Verlängerung mit? „Moskau zeigt sich unzufrieden, dass manche Teilnehmerländer die Kürzungsquoten nicht einhalten. Dass Russland sich auf weitere zwei Monate Verlängerung einlässt, ist daher nicht sicher. Die diesjährige Förderkürzung liegt eh bei acht Prozent, was der russische Staatshaushalt deutlich spürt“, sagt Tatjana Simonowa, Leiterin der Investmentberatung bei General Invest.

    Die Alpari-Analystin entgegnet:

    „Der Durchschnittspreis der Marke Brent beträgt seit Jahresanfang 53 Dollar je Barrel. Für Russland sind weniger die Schwankungen auf unter 30 Dollar entscheidend als die jahresdurchschnittliche Preisentwicklung“, sagt Natalia Miltschakowa.

    Die Agentur Bloomberg schreibt mit Verweis auf Verhandlungskreise, Russland und Saudi-Arabien hätten gemeinsam erklärt, die Verhandlungen würden gar nicht erst stattfinden, sollten nicht alle Länder zusagen, dass sie die beschlossenen Förderkürzungen einhalten. Der Irak habe seine Verpflichtungen bisher nur zu 42 Prozent erfüllt, Nigeria zu 34 Prozent.

    Ist die Aufwärtsbewegung bei den Ölpreisen ein Trend? Das Grundproblem – das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage – ist ja immer noch nicht aus der Welt. Wegen des Shutdowns ist die Nachfrage nach Energierohstoffen weggebrochen: Milliarden Barrel Öl sind unverbraucht, der Markt ist überversorgt. Doch: Die Lage wird sich einigermaßen normalisieren, meint die Chefberaterin von General Invest und sieht für die zweite Hälfte dieses Jahres einen Ölpreis von 45 bis 50 Dollar.

    Für Russland ist das eine gute Nachricht. Darauf weist die Analystin von Alpari hin: 50 Dollar je Barrel zum Jahresende bedeuten mehrere Milliarden Rubel mehr im russischen Haushalt. „Russland bekommt ein Defizit von vier bis fünf Billionen statt der prognostizierten 5,6 Billionen“, erklärt Natalia Miltschakowa.

    Entsprechend erholt sich auch die russische Währung. Seit Anfang April hat der Rubel im Verhältnis zum Dollar zehn Prozent aufgeholt. Analysten sehen den Dollar bis Ende dieses Monats bei 68-73 Rubel, den Euro bei 76-80.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Saudi-Arabien, Russland, Rubel, Ölpreis, OPEC