17:03 18 September 2020
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    Die Dollar-Presse läuft und läuft. Die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank zeigt Wirkung: 26 Billionen Dollar Staatsschulden und eine drohende Dollar-Entwertung. China – der zweitgrößte Gläubiger der Vereinigten Staaten – will den Sturz offenbar nicht länger abwarten und handelt präventiv: mit dem Verkauf amerikanischer Staatsanleihen.

    Die amerikanische Federal Reserve hat sich pandemiebedingt zu Maßnahmen sondergleichen entschlossen: Im Jahresanfangsquartal hat die US-Zentralbank den Leitzins auf fast null gesenkt (mit Tendenz ins Negative) und die Wirtschaft mit über zwei Billionen Dollar geflutet. Das Geld wurde einfach gedruckt.

    Peking – der zweitgrößte Gläubiger der Vereinigten Staaten – hat vor diesem Hintergrund erkannt, dass Washington seine wirtschaftlichen Probleme ohne die Dollar-Presse nicht lösen kann. Investitionen in amerikanische Anleihen sind mithin zu einem Risiko geworden, schreibt das Portal „Sohu“: Die chinesische Führung wolle nicht abwarten, bis der Dollar abgewertet sei, und beginne den Ausverkauf amerikanischer Schatzpapiere.

    Um ein Gefühl für das Ausmaß der Dollar-Flut zu bekommen: Seit 2008 hat die amerikanische Zentralbank rund acht Billionen Dollar gedruckt, allein bis Ende dieses Jahres will die Fed fünf weitere Billionen nachschießen. Für den Dollarkurs kann das nicht ohne Folgen bleiben.

    Letztes Jahr verkaufte China amerikanische Anleihen im Wert von 110 Milliarden Dollar. Kürzlich hat die Volksrepublik amerikanische Papiere für weitere zehn Milliarden abgestoßen. Analysten erklären, selbst nur ein Teilausverkauf des chinesischen Anleihen-Portfolios treffe die Vereinigten Staaten empfindlich. Der Ausverkauf trifft den Anleihenmarkt umso mehr, da die USA die Wertpapieremission gerade hochgefahren haben, um ihre Hilfsprogramme in Zeiten der Corona-Krise zu finanzieren.

    Aufgrund des Handelskrieges hatte China ohnehin zum Ausverkauf der Treasuries angesetzt: Das Portfolio ist von 1,32 Billionen im Jahr 2013 auf gegenwärtig 1,09 Billionen geschrumpft. Der größte Halter amerikanischer Papiere ist seit Juni 2019 nicht mehr Peking, sondern Tokio mit 1,12 Billionen Dollar. Auch andere Länder haben die amerikanischen Schatzbriefe massenweise abgegeben. Für Washington verheißt das nichts Gutes, denn das 1,5-Billionen-Dollar-Loch im amerikanischen Haushalt wird mit dem Erlös aus dem Staatspapierverkauf gestopft.

    Derweil schätzen große Banken, die Differenz zwischen den Staatseinnahmen und den Staatsausgaben erreicht in den USA bis Jahresende vier Billionen Dollar – der größte Wert seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Bilanz der Federal Reserve wird indes nach Bankenschätzung auf zehn Billionen Dollar aufgepumpt. Alles fast ausschließlich frischgedrucktes Geld.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Staatsanleihen, Anleihen, US-Staatsanleihen, Dollar, US-Dollar, USA, China