09:25 29 November 2020
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    Die Corona-App kommt demnächst, wird aber kaum etwas nützen, der langersehnte Impfstoff kommt aber wahrscheinlich gar nicht - so lautet das Fazit des „Maybrit-Illner"-Talks am Donnerstag im ZDF. Ob demonstrieren oder feiern – darüber entscheidet jeder für sich. Gelten die Corona-Regeln nur für die Dummen?

    „Wir verlassen uns derzeit sehr stark auf Masken und auf Abstandhalten, gerade das jetzt zur Disposition zu stellen, gerade das jetzt aufzuheben, dass jetzt alles machen, was er will - das ist brandgefährlich", lautet das leidenschaftliche Statement des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach im kurzen Einspieler der Sendung.

    „Corona-Regeln für die Dummen?“

    Das Corona-Virus unterscheidet nicht - ob Anti-Impfstoff- oder Anti-Rassismus-Demonstranten, heißt es im Einspieler auch. Oder doch? „Ich war nicht bei der Black-Lives-Matter-Demonstration, aber ich teile die Ziele der Demonstranten", erklärt Netzaktivistin Katharina Nocun, behauptet aber gleichzeitig etwas, was gar nicht stimmt: „Bei der 'Black-Lives-Matter'-Demo haben sehr viele versucht, Abstand zu halten" - im Gegensatz etwa zu der Impfgegner-Demo, wo das angeblich nicht der Fall war. Im Anschluss an diese der politischen Korrektheit geschuldeten Irreführung versucht sie gleich mit einem energischen Aufruf zum Anti-Rassismus-Kampf in Deutschland gleich das Thema der Sendung zu wechseln.

    Maybrit Illner lässt sich aber vom Thema der Sendung nicht abbringen. Dieses lautet nämlich „Corona-Leichtsinn - weniger Regeln, mehr Ärger?" Nein, die Corona-Regeln gelten nicht nur „für die Dummen - sondern für alle", versichert der aus Mainz zugeschaltete Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun. Dort, wo die Regeln nicht eingehalten würden, steigen die Infektionszahlen gleich rasant. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck stellt seinerseits fest, dass die Demonstrationen als solche - egal unter welchen Losungen sie stattfinden - im Unterschied zu Veranstaltungen in schlecht durchlüfteten Innenräumen eine eher geringe Infektionsgefahr in sich bergen.

    „Berufsverbot“ für Kulturschaffende

    Als Wortführer der von den Corona-Regeln in Sachen „schlecht durchlüftete Innenräume" besonders Betroffenen wird bei „Maybrit Illner" der Kabarettist Sebastian Pufpaff aus Düsseldorf zugeschaltet. Das Auftrittsverbot für seine Kollegen setzt er plakativ mit einem „Berufsverbot" gleich. "Wir lassen gerade die Kunst ausbluten", lautet sein Statement. Aber auch die Wirtschaft: Laut Pufpaff hätten Theater, Film, Konzert etc.  "direkt nach der Autoindustrie die größte Wertschöpfung". Im Gegensatz zum Kfz-Bau hätte diese Branche jedoch „keine Lobby". Darauf sichert Braun den Kultur- und Kunstschaffenden zusätzliche Hilfen zu – als ob damit auch das Ausbleiben des Kultur- und Kunstangebots für die kulturhungrigen Volksmassen kompensieren ließe. Pufpaff lässt sich aber mit dem Versprechen halbwegs abspeisen – und die TV-Brücke zu ihm nach Düsseldorf wird dann bald darauf abgeschaltet.

    „Man traut sich nicht mehr, die eigene Meinung offen zu sagen“

    Dem Virologen Hendrick Streeck ist indessen deutlich anzumerken, dass er nicht mehr so wacker und selbstbewusst ist wie früher.  Als es um die Schüler*innen geht, die laut Maybrit Illner mit der Wiedereröffnung der Schulen quasi als „Versuchskaninchen“ agieren müssen, an denen die (Un)bedenklichkeit des Schul-Neubeginns geprüft werden soll, gibt der Experte offen zu: „Man traut sich nicht mehr, die eigene Meinung offen zu sagen.“ Klar, dass er damit auf die jüngste scharfe Auseinandersetzung der „Bild“ mit dem Epidemiologen Christian Drosten und die darauffolgenden öffentlichen Debatten zwischen einzelnen Corona-Experten hindeutet, die von den Medien genüsslich ausgeschlachtet wurden.

    „Natürlich habe ich auch eine Meinung dazu, aber da wird der eine gegen den anderen aufgebauscht“, so Streeck. „Wir sitzen aber alle in einem Boot. Wir sind ja keine Gegenspieler.“

    In Bezug auf Perspektiven eines Corona-Impfstoffs entschließt sich der Virologe dennoch zu einer Prognose, die allerdings äußerst skeptisch klingt. „Wir wissen momentan nicht, ob oder wie schnell es einen Impfstoff geben kann… Wir haben gegen die größten Killer wie Malaria, HIV und so weiter keinen Impfstoff, obwohl bereits seit Jahren daran geforscht wird. Ich glaube, das Sars-Cov-2 wird bleiben. Es wird nicht verschwinden.“

    Braun springt darauf gleich erklärlicherweise mit einer optimistischen Note ein. „Ich bin relativ optimistisch, dass wir zu einem Impfstoff kommen“, versichert er. „Wir werden aber natürlich noch eine ganze Zeit mit der Krankheit leben müssen.“

    Die Corona-Warn-App: kein „Heilsbringer“ 

    Was allerdings schon in den nächsten Tagen kommen soll, sei die Corona-Warn-App, verkündet der Chef des Bundeskanzleramtes. Die deutsche App werde „im weltweiten Maßstab die Beste sein“, so Braun. Sie werde den Bürgern mehr Sicherheit bieten, um das persönliche Corona-Risiko besser einzuschätzen. Dies sei „eine Riesenunterstützung“, und je mehr Menschen mitmachen würden, umso besser funktioniere das System. Eine Mindestteilnehmerzahl sei für das wirkungsvolle Funktionieren der App nicht erforderlich. An den Einsatz der Warn-App seien allerdings keine weiteren Lockerungen und Freiheiten gebunden, fügt er hinzu. 

    Kein spezieller Anreiz also für die Bürgerinnen und Bürger, die App freiwillig zu installieren. Die Bloggerin Nocun, deren Rolle am Tisch quasi als Wortführerin „breiter Volksmassen“  zu verstehen ist, meint dazu: „Wir haben bereits gesehen, dass die App in anderen Ländern gar nicht so viel gebracht hat.“ Die App sei eben kein „Heilsbringer“ und kein Mittel, mit dem man „in die Normalität zurück“ könnte. Aber auch der Experte Streeck ist in Bezug auf die App „eher skeptisch“. „Die App scheint in Südkorea zu funktionieren, dort wird aber auch der Datenschutz anders gehandhabt.“ Auch er wiederholt nach der Bloggerin: „Ein Heilsbringer ist sie nicht.“ Mit anderen Worten: Die ganzen monatelangen Bemühungen um die Entwicklung der App seien wohl für die Katz. 

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    App, Impfstoff, Coronavirus, ZDF