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    Die Ölraffinerien in den USA werden im Juni knapp neun Mio. Barrel russisches Öl bekommen – das ist doppelt so viel wie im März.

    Warum die USA trotz des reichlich übersättigten Marktes ohne Lieferungen aus Russland nicht auskommen – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    USA beschaffen russisches Öl in Rekordmenge

    Nach Angaben der Navigations-Webseiten Marinetraffic und Vesselfinder sind zehn Tankschiffe mit russischem Öl auf dem Weg in die USA – acht aus Ust-Luga und zwei aus Noworossisk.

    Die Tanker gehören zur Aframax-Klasse und können bis zu 900.000 Barrel an Bord nehmen. Mit diesen Ladungen werden die USA bis Ende Juni bis zu neun Mio. Barrel russischen Öls der Sorte  Urals bekommen – so viel wie seit neun Jahren nicht mehr.

    Das Leichtöl, das im Westen von Texas und in den Schiefervorkommen gewonnen wird, ist ungeeignet für die US-Ölraffinerien. Diese Betriebe sind auf Schwefel-Öl ausgelegt, weshalb leichtes Öl mit schwerem Öl gemischt werden muss, das früher aus Venezuela bezogen wurde. Im Januar des vergangenen Jahres verhängte US-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen Caracas. Die Folge: Der Export des venezolanischen Öls ging um 32 Prozent auf 1,001 Mio. Barrel pro Tag zurück. Der Großteil dieser Menge geht nach China. Den Raffinerien im Golf von Mexiko und an der Ostküste der USA droht wegen Rohstoffmangel sogar das Aus.

    Um einen Kollaps abzuwenden, wechselten die Amerikaner zum russischen Urals-Öl. Im vergangenen Herbst avancierte Russland zum zweitgrößten Energieträger-Exporteur in die USA nach Kanada, wobei Mexiko und Saudi-Arabien überholt wurden.

    Wo es nicht erwartet wurde

    Experten zufolge nutzten die USA den Ölpreisrückgang im April, als der Preis für Urals-Öl auf 12 Dollar fiel, um die Ankäufe massiv zu erhöhen. Allerdings profitiert Russland ebenfalls davon.

    Nach dem Scheitern des Opec-Plus-Treffens im März wollte Saudi-Arabien Moskau wegen seiner Verhandlungsposition bestrafen und überschwemmte den Markt mit billigem Öl. Riad produzierte Öl en masse: Die saudische Regierung beauftragte den Staatskonzern Saudi Aramco, den Export um ein Drittel von 9,7 auf 12,3 Mio. Barrel pro Tag auszubauen. Zugleich ergriff Riad harte Dumping-Maßnahmen auf dem europäischen Markt, um die Positionen Russlands zu schwächen  – der Rohstoff wurde zu einem Preis um 10,25 Dollar unter dem Börsenpreis für Brent-Öl angeboten. Das führte neben dem Absturz der Ölpreise auch zur Überfüllung der Ölspeicher weltweit.

    Ende März konnten die Händler in Europa nicht einmal Abnehmer für russisches Öl zu den im Rekordtief stehenden Preisen finden. Russland konnte nun mit einer Überfüllung seiner Ölspeicher und der  Schließung der Bohrlöcher rechnen. Die akute Periode des durch die Saudis entfesselten Preiskriegs wurde dank den Amerikanern überstanden. Die Ölbohrlöcher mussten nicht dicht gemacht werden. Zudem war Urals-Öl dank des Preisanstiegs Ende April auf dem Weltmarkt zum ersten Mal seit vielen Jahren teurer als Brent-Öl.

    Eindeutiger Gewinner

    Im Ergebnis ging Russland aus dem Ölkrieg mit minimalen Verlusten hervor. Am wichtigsten ist, dass die Schließung der Bohrlöcher verhindert wurde, während in den USA nach Angaben von Baker Hughes die Zahl der in Betrieb stehenden Bohranlagen seit Jahresbeginn fast um 70 Prozent zurückging – von 677 auf 206 (Stand 5. Juni). Das ist der niedrigste Stand seit der globalen Krise 2008-2009.

    Die Saudis mussten für ihre Dumpingpolitik mit großen Verlusten zahlen. „Wir erleben eine ernsthafte Krise, die es so in der Geschichte noch nie gegeben hat“, sagte der saudische Finanzminister Mohammed al-Dschadan im Mai.

    „Die Probleme auf dem Ölmarkt führten zum Rückgang der Einnahmen und auf diese Weise zu einem großen Druck auf die Staatsfinanzen, dass das ohne Schäden für die Makrowirtschaft mittel- und langfristig kaum gemeistert werden kann“.

    Das saudische Finanzministerium startete am 1. Juni ein Programm zur Optimierung der Staatsfinanzen um circa 30 Mrd. Dollar. Die Mindestzahlungen an Bedürftige wurden gestoppt, die Mehrwertsteuer um das Dreifache erhöht – von fünf auf 15 Prozent. Experten zufolge wird die Nachfrage nach russischem Öl im Juli weiterhin wachsen. Zum einen, weil die Opec-Plus-Teilnehmerstaaten die aktuellen Drosselungen bei der Förderung bis August verlängerten, was in den meisten Ländern vor allem mit schweren, weniger wertvollen Ölsorten erreicht wird.

    Zum anderen wächst mit der Lockerung der Quarantänemaßnahmen die Diesel-Nachfrage schneller als die Benzin-Nachfrage. Schwere Sorten werden für Dieselkraftstoff gebraucht.

    Der Urals-Preis ist in dieser Woche auf 42,4 Dollar und damit auf die Marke, die Russland im Staatshaushalt für dieses Jahr festgeschrieben hat, gestiegen. Damit kompensiert Russland bereits wieder die wegen des Ölkriegs erlittenen Verluste – im Unterschied zu vielen anderen Hauptkonkurrenten.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Ölexport, Schieferöl, OPEC, USA, Ölförderung, Öl, Russland, Saudi-Arabien