07:04 29 September 2020
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    Die amerikanische Wirtschaft fällt und fällt. Erstmals seit zwölf Jahren ist die Industrieproduktion eingebrochen, die Arbeitslosigkeit wächst. Selbst offizielle Einrichtungen sprechen inzwischen von einer Rezession, die noch schlimmer werden könnte, als der Konjunktureinbruch in der Finanzkrise 2008.

    Wirtschaftsforscher aus Cambridge stellen fest, dass es mit dem Wirtschaftsboom in den USA definitiv vorbei ist. Das Wirtschaftsforschungsinstitut NBER hat offiziell erklärt, die Wirtschaft schrumpfe nach langer Wachstumsperiode wieder.

    „Der beispiellose Einbruch der Beschäftigung und Produktion, der alle Sektoren betrifft, gibt allen Grund dazu, von einer Rezession zu sprechen – auch wenn sie kürzer ausfallen könnte als bisherige Konjunkturflauten.“

    Von einem Wirtschaftsrückgang sprachen größte Geldhäuser der USA schon im März. Analysten von Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley warnten damals, das Quartals-BIP werde um 40 Prozent einbrechen; die Corona-Krise werde eine sehr schwere Krise sein. Noch pessimistischer ist die jüngste Prognose der Federal Reserve: Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt werde im zweiten Jahresquartal um mehr als 52 Prozent schrumpfen, erklärt die Notenbank in ihrer Juni-Prognose.

    Die Wirtschaftsforscher vom NBER sagen, die Auswirkungen der letzten Finanzkrise seien erst ein Jahr danach sichtbar geworden. Diesmal ist alles anders: „Das Tempo und die Tiefe dieser Rezession sind katastrophal … etwas Vergleichbares hat es nie gegeben.“

    Nach offiziellen Angaben ist das amerikanische Bruttoinlandsprodukt im ersten Jahresquartal um 4,8 Prozent zurückgegangen. Der Rückgang von April bis Juni soll der schlimmste in der Geschichte werden. Die Arbeitslosigkeit ist von rekordhaft niedrigen 3,5 Prozent im Februar auf 14,7 Prozent im April hochgeschnellt. 20,5 Millionen Amerikaner haben nach Angaben des Arbeitsministeriums ihren Job verloren – fast doppelt so viel wie in der Finanzkrise 2008/2009. Und: Seit dem Ausbruch der Corona-Krise haben insgesamt 44 Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragt.

    Im Mai ist die Arbeitslosigkeit leicht gesunken: auf 13,3 Prozent. Doch sind diese Daten nach Angaben des Arbeitsministeriums sehr wahrscheinlich unvollständig, weil unregelmäßig und in Teilzeit Beschäftigte in der Statistik nicht berücksichtigt werden. Rechnet man diese Gruppen hinzu, ergibt sich für den vergangenen Mai eine Arbeitslosenrate von 21,2 Prozent.

    Das spielt der Markt bald wieder ein, ist Präsident Trump überzeugt: „Diese Arbeitsplätze kommen wieder – und zwar sehr bald“, erklärte er. Robert Kaplan, CEO der Federal Reserve Bank von Dallas, sieht die Arbeitslosigkeit in den USA am Jahresende bei acht Prozent.

    Experten entgegnen:

    „Es ist erschreckend. Viele Arbeitsplätze wird man nicht zurückbringen können, und die Arbeitslosigkeit wird noch 2021 bei zehn Prozent liegen“, sagt Lindsey Piegza, Chef-Volkswirtin des Vermögensverwalters Stifel Fixed Income. „Es werden Jahre vergehen, bis der Arbeitsmarkt sich von der Erschütterung erholt hat“, prognostizieren Analysten von Moody’s. „Wir können annehmen, dass Arbeitsplätze mit der Öffnung der Wirtschaft teilweise wieder entstehen, aber es gibt keinerlei Garantien.“

    Nach einer „Bloomberg“-Analyse wird die Massenarbeitslosigkeit in den USA zum Langzeitphänomen. Wegen der Corona-Pandemie sei ein Umverteilungsschock zu beobachten: In bestimmten Sektoren entstehen Arbeitsplätze zwar wieder, in anderen Sektoren verschwinden sie aber. Die neuen Stellen könnten die freigewordenen Arbeitnehmer nicht auffangen.

    Derweil rechnet die amerikanische Notenbank in ihrer aktuellen Wirtschaftsprognose mit einer Jahresrezession von 6,5 Prozent. Entwickelt sich die Lage gut, setzt in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft ein. Vor Oktober 2022 sei das Vorkrisenniveau allerdings nicht zu erreichen, im besten Fall. Oder es vergeht ein ganzes Jahrzehnt, bis die US-Wirtschaft sich wieder erholt hat – so eine Prognose aus dem Haushaltsausschuss des US-Kongress.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Finanzkrise, Rezession, Wirtschaft, USA