02:11 02 Dezember 2020
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    In einer Kolumne der linksalternativen Tageszeitung „Taz“ werden deutsche Polizisten pauschal als „berufsunfähig“, mit einem „überdurchschnittlich“ hohen Anteil von „autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset“ bezeichnet, die auf „die Mülldeponie“ gehörten. Die empörten Reaktionen scheinen die Redaktion überrascht zu haben.

    Da die Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah allen Ernstes eine Satire sein soll, wie die „Taz“ seit zwei Tagen verzweifelt beteuert, sollte die „Taz“ zukünftig besser in Großbuchstaben dazu schreiben „Satire/Bitte lachen!“. Vielleicht finanziert die Zeitung Yaghoobifarah sicherheitshalber aber auch gleich noch ein Semester „Humor“ an der Universität der Bundeswehr oder eine Werkausgabe von Kurt Tucholsky, der hierzulande bekanntlich die Grundregeln für „Satire“ aufstellte. Seinen Artikel „Was darf Satire?“, den er am 27. Januar 1919 unter seinem Pseudonym Ignaz Wrobel im „Berliner Tageblatt“ veröffentlichte, beschloss er mit einem der berühmtesten Frage-Antwort-Sätze der deutschen Sprache: „Was darf die Satire? Alles.“

    Offenbar gehört auch Hengameh Yaghoobifarah zu jenen Personen, die nur dieses berühmte Ende des Artikels gelesen haben und glauben, damit sei alles zu Satire gesagt und sie würden dieses Genre hinreichend beherrschen. Doch das wichtigste Zitat aus Tucholskys Artikel lautet:

    „Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.“ (Kurt Tucholsky)

    Und charakterlos waren jene Beschimpfungen, die Hengameh Yaghoobifarah am 15. Juni in der Kolumne „Habibitus“ unter der Überschrift „Abschaffung der Polizei: All cops are berufsunfähig“ absonderte. Darin macht sich Yaghoobifarah Gedanken über die Frage: „Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen?“ Die Antwort folgt bereits im nächsten Satz: „Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch.“

    Dreiste Diffamierung aller Polizisten durch die „Taz“

    Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine dreiste, durch keinerlei statistische Daten belegte (und – nebenbei gesagt – auch nicht belegbare) Denunzierung und Diffamierung aller Polizistinnen und Polizisten Deutschlands. Diese billige Yps-Logik von Yaghoobifarah auf die „Taz“ angewandt, könnte der Satz beispielsweise lauten: „Schließlich ist der Anteil an uninformierten und mit Vorurteilen und Feindbildern behafteten Persönlichkeiten und solchen mit Denunzianten-Mindset in der Taz-Redaktion überdurchschnittlich hoch.“

    Es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, mit welcher Empörung gerade eine Gazette wie die „Taz“ darauf reagieren würde. Und völlig zu Recht! Aber wie es so ist mit Menschen und Redaktionen, die sich in ihren Filterblasen höchst kommod eingerichtet haben und tatsächlich fest daran glauben, sie könnten von ihrem kleinen Hilfs-Olymp aus über andere richten, sind sie nicht mehr in der Lage, manche auch nicht willens, zu erkennen, wann sie schlicht und ergreifend Blödsinn und Schlimmeres von sich geben, im festen Glauben, die Republik sinke vor Ergriffenheit auf die Knie, wenn sie ihre Urteile fällen.

    Denn auch diese Überlegung (Haha, war das aber witzig! Hoho!) von Yaghoobifarah, welche Berufe ehemalige Polizisten (für Hengameh Yaghoobifarah scheint es übrigens nur männliche Polizisten zu geben) noch ergreifen könnten, fällt in die Dieter-Nuhr-Kategorie „Einfach mal Fresse halten“, was Hengameh Yaghoobifarah natürlich nicht nötig hat: „Über (Bio-)Bauernhöfe brauchen wir gar nicht erst zu sprechen, die sind jetzt schon zu Szenejobs für Neonazis avanciert.“ Auch dies ist eine unverschämte Diffamierung aller Biobäuerinnen und Biobauern. Und es ist eben nicht satirisch, sondern schlicht bescheuert.

    Für die „Taz“ sind Polizisten „Abfall“

    Der Höhepunkt aber kommt natürlich immer zum Schluss, so muss es sein, selbst bei einem Hilfsschulniveau wie dem von Hengameh Yaghoobifarah. Am Ende meint Yaghoobifarah doch noch eine Beschäftigungsperspektive für entlassene Polizisten gefunden zu haben:

    „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ (Hengameh Yaghoobifarah in der "Taz" vom 15.6.2020)

    Auch das ist nicht witzig, nicht satirisch, es ist vor allem anderen aber nicht journalistisch. Denn dieser letzte Satz ist menschenverachtend. Kurz und bündig, menschenverachtend. Kein einziger brutaler deutscher Polizist, und davon gibt es nachgewiesenermaßen nicht wenige, rechtfertigt eine solche menschenverachtende, pauschale Beschimpfung eines ganzen Berufsstandes. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sowohl Hengameh Yaghoobifarah als auch die „Taz“ regelmäßig mit weihevollem Tonfall von Menschenrechten schreiben, die andere nicht respektieren würden und sich als selbsternannte Hüter von Menschenrechten gerieren.

    Verständlicherweise hat die Gewerkschaft der Polizei angekündigt, Strafanzeige gegen diese üble Hetze zu erstatten, es hätte verwundert, wenn die Interessenvertretung der Polizisten dies nicht getan hätte.

    Noch einmal in aller Deutlichkeit: Verfehlungen von deutschen Polizisten, ein Hang zu enthemmter Gewaltausübung, Willkür und Schikane, offen rassistische Behandlung von Menschen, politische Rechtslastigkeit von Beamten, Korpsgeist, der strafrechtliche Verfolgung von Gesetzesübertretungen im Dienst erschwert bis unmöglich macht, all das ist hinreichend bekannt und belegt.

    Aber die bewährte und erprobte Wissenschaft der Wahrscheinlichkeitsrechnung und die simple Tugend der journalistischen Gewissenhaftigkeit widersprechen der Grundannahme von Hengameh Yaghoobifarah, die in der Pauschalaburteilung von fast 320.000 Polizistinnen und Polizisten mündet, als seien alle gewalttätig, rassistisch und/oder politisch rechtslastig und könnten deshalb als „Abfall“ bezeichnet werden, der nur noch als Füllmaterial für die Mülldeponie tauge.

    Feiges Wegducken der „Taz“ vor gezielter rhetorischer Grenzüberschreitung

    Am erschreckendsten aber ist die feige Haltung der „Taz“ in dieser Angelegenheit. Das Blatt, das sonst keine Beißhemmungen kennt, wenn es gegen „rechts“ geht, aber auch gegen „Linke“, die nicht das huldvolle Attest der „Taz“ vorweisen können, wirklich „links“ zu sein, dieses Blatt, das gerne genüßlich austeilt, wurde nun auf einmal ganz dünnhäutig und kleinlaut, als die Redaktion feststellen musste, dass in den Kommentaren unter der Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah immer mehr empörte Leserinnen und Leser sich ihr Entsetzen über diese zielgerichtete Entgleisung und rhetorische Grenzüberschreitung von der Seele schrieben.

    Kurzerhand wurde die Kommentarfunktion abgeschaltet, mit der immer gleichen Ausrede, die sich auch im Kommentarbereich der „Tagesschau“ immer häufiger findet, (wenn denn überhaupt noch Artikel auf tagesschau.de kommentiert werden können): „Liebe Leute, vielen Dank fürs Mitdiskutieren! Wir schließen jetzt die Kommentarfunktion, weil mittlerweile die Positionen ausgetauscht sind.“ Ganz offenkundig ist das unzutreffend, wie ein Blick in die Kommentare im Facebook-Auftritt der „Taz“ beweist, wo die Kolumne nach wie vor heftig kritisiert wird. Irgendeine Erklärung der Redaktionsleitung? Fehlanzeige. Auch das ist natürlich eine Botschaft.

    "…So, und nun? Rassistisch ist das („…da, wo sie hergekommen ist“), entmenschlichend (man „entsorgt“ Gegenstände, nicht Personen), bedient Gewaltfantasien – und es ist kalkulierte Provokation. Gehört es als solche einfach ignoriert?

    ...

    Jedes Wochenende kämpfen Menschen in Deutschland bei Grillpartys damit, dass ihre Angehörigen sich die Sprache der Rechtspopulisten zu eigen machen. Täglich kämpfen Menschen in Deutschland mit der Furcht davor, selbst Ziel derartiger Hasstiraden zu werden. Oder davor, dass aus der verbalen Gewalt eine physische wird."

    Das stand am 28. August 2017 in der „Taz“, als Reaktion auf eine schäbige rhetorische Entgleisung des AfD-Spitzenpolitikers Alexander Gauland, der die SPD-Politikerin Aydan Özoguz „in Anatolien entsorgen“ wollte. Vielleicht sollte die „Taz“ sich diesen Kommentar hinter den eigenen Spiegel klemmen.

    Übrigens, liebe „Taz“, von links aus gesehen ist selbst die Mitte rechts.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Abfall, Mülldeponie, Volksverhetzung, Anzeige, Polizeigewerkschaft GdP, Hetze, Kolumne, taz, Polizeigewalt, Polizei, Deutschland