15:09 07 Juli 2020
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    Die Vereinigten Staaten sind nur einen Schritt entfernt vom desaströsen Kollaps der Ölproduktion. Die Zahl der Förderanlagen ist ohnehin schon beispiellos gering, die Förderung fällt unaufhörlich. Fracking-Firmen melden sich massenhaft bankrott und stellen die Arbeit ein.

    Gerade eben haben tiefe Ölpreise ein weiteres Opfer gefordert: Extraction Oil & Gas, der größte Fracker der Vereinigten Staaten, hat diesen Monat Konkurs angemeldet. Über hundert weitere Fracking-Förderer folgen dieses Jahr noch, besagen Prognosen. Analysten gehen von einem Zusammenbruch der Fracking-Wirtschaft aus, sollten sich die Ölpreise nicht weiter erholen. 40 Dollar je Barrel jedenfalls brechen den meisten amerikanischen Frackern das Genick.

    Letztes Jahr erst gingen die USA als Ölförderer vor Russland und Saudi-Arabien in Führung. „In Fracking Oil We Trust“, hätte die Devise dieser Vormacht lauten können. Erstmals seit 70 Jahren wurden die Vereinigten Staaten zum Netto-Ölexporteur.

    Der Fracking-Boom würde noch andauern: Mit Problemen rechneten Branchenkenner nicht vor 2021. Doch hat die Corona-Pandemie zugeschlagen: Die Nachfrage nach Erdöl ist eingebrochen und mit ihr sind die Ölpreise gefallen. Am meisten leiden die Fracker: hochverschuldet und mit enormem Investitionsbedarf. Im Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien sind die Fracking-Firmen zwischen die Fronten geraten. Washington wirft Moskau sogar vor, den Preissturz am Ölmarkt ausgelöst zu haben, um die amerikanischen Produzenten zu ruinieren.

    Die Ölförderung in den USA geht seit Monaten zurück, von 13,1 auf zuletzt 11,1 Millionen Barrel pro Tag. Die amerikanische Energieauskunftsbehörde EIA prognostiziert in ihrem Juni-Bericht einen weiteren Rückgang: In den sieben größten Fördergebieten quer durch die USA soll die Ölproduktion im vergangenen Monat auf 7,6 Millionen pro Tag gefallen sein. Somit würden die Vereinigten Staaten bis Jahresende am meisten zur Kürzung des weltweiten Erdölangebots beitragen, schreibt die EIA.

    Landesweite Pleitewelle

    Nach Angaben der Anwaltskanzlei Haynes & Boone haben seit Januar dieses Jahres 36 Fracking-Firmen mit einem Gesamtschuldenstand von circa 25 Milliarden Dollar ein Konkursverfahren eröffnen lassen. Darunter Branchenriesen Whiting Petroleum und California Resources mit dem Fracking-Pionier Chesapeake Enеrgy.

    „Zu Bestzeiten förderte Chesapeake Enеrgy mehr Erdgas als jede andere Firma in den USA außer Exxon. Der Marktwert des Unternehmens erreichte 38 Milliarden Dollar. Chesapeake Enеrgy hatte gewissermaßen das Geschäftsmodell der Fracking-Industrie erfunden, das jetzt allerdings auseinanderfällt“, berichtet „Bloomberg“.

    Neulich ist noch Extraction Oil & Gas hinzugekommen: Das Fracking-Unternehmen konnte die Zinsen für seine Schulden nicht aufbringen und hat Insolvenz anmelden müssen. „Nachdem wir alle möglichen Varianten geprüft hatten, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass eine freiwillige Insolvenz mit Unterstützung unserer wichtigsten Gläubiger der beste Ausweg ist aus dieser Situation“, erklärte ein Unternehmenssprecher.

    Dem war ein starker Rückgang des Cashflows vorausgegangen, wie die „Financial Times“ berichtet. Daraufhin kürzten Geldhäuser dem Unternehmen die Kredite. Im Mai wurden die Investoren von Extraction Oil & Gas über den drohenden Betriebsstopp unterrichtet.

    Weitere rund 140 Öl- und Gasunternehmen in den USA folgen in die Insolvenz noch dieses Jahr, prognostiziert der Branchendienst Rystad Energy. Dann kann die Fracking-Förderung in den Vereinigten Staaten auf unter fünf Millionen Barrel pro Tag sinken. Im Ergebnis würden die USA ein Drittel ihrer Fracking-Wirtschaft verlieren, schätzen Analysten von ShaleProfile Analytics.

    Von einer Erdölnachfrage wie früher könne man infolge der Corona-Pandemie nur träumen, betont „The Wall Street Journal“: „Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Jahre vergehen, bis die Fracker ihre früheren Level erreichen – sofern dies überhaupt jemals geschieht“, schreibt das Börsenblatt.

    Selbst um die einigermaßen günstige Fracking-Förderung in West-Texas wirtschaftlich betreiben zu können, benötigen die Firmen einen Ölpreis von durchschnittlich 49 Dollar je Barrel, rechnen Analysten der Federal Reserve Bank of Dallas vor. Den derzeitigen Preis von 40 Dollar würden im Verlauf des Jahres nur 15 Prozent der Fracker überleben, so die amerikanischen Finanzexperten.

    Indes werden für dieses Jahr nicht einmal 40 Dollar prognostiziert, sondern durchschnittlich 32 Dollar je Fass. Erst im nächsten Jahr soll das Erdöl im Mittel 44 Dollar je Barrel kosten. Ohne Erdölpreise wie vor der Krise wird die amerikanische Fracking-Wirtschaft kollabieren, warnen Analysten vom australischen Institute for Economics & Peace.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Ölförderung, USA, Schieferöl, Fracking