04:05 06 August 2020
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    Das „Wall Street Journal“ (WSJ) vermeldet Schreckliches: Nach Insiderinformationen anonymer chinesischer Quellen plane Peking schwere Strafmaßnahmen gegen europäische Tech-Firmen. Grund dafür seien die amerikanischen Sanktionen gegen Huawei.

    Mit Worten, Verboten und Verhaftungen führen die Vereinigten Staaten einen Wirtschaftskrieg gegen den chinesischen Tech-Konzern Huawei. Und nicht nur gegen den. Auch Länder, die die Technik des chinesischen Telekommunikationsausrüsters nutzen wollen, geraten unter Beschuss aus den USA: Eine Top-Managerin von Huawei wurde auf Washingtons Geheiß in Kanada verhaftet, weil sie angeblich amerikanische Sicherheitsinteressen gefährde; Großbritannien hat beschlossen, auf chinesische 5G-Technik komplett zu verzichten; und auch für Deutschland wird das Geschäft mit dem Konzern aus China wegen amerikanischer Hürden immer gefährlicher.

    Wie folgenschwer die Zusammenarbeit mit China für die europäischen Länder angeblich werden kann, verdeutlichen die USA neuerlich an zwei Tech-Konzernen aus der EU. Das „Wall Street Journal“ schreibt:

    „China könnte sich an Nokia und Ericsson rächen, sollten EU-Länder sich zu einem Huawei-Verbot entschließen. Das chinesische Handelsministerium erwägt Ausfuhreinschränkungen für Nokia- und Ericsson-Produkte, die in China hergestellt werden.“

    Dieses faktische Exportverbot für Nokia und Ericsson wäre laut „WSJ“ eine Gegenmaßnahme der Chinesen für den Fall, dass die EU dem Huawei-Konzern und anderen chinesischen Firmen harte Grenzen auf dem europäischen Markt setzt.

    Man muss nicht lange raten, warum das „Wall Street Journal“ diesen Einwurf veröffentlicht hat. Die Absicht, China zu diskreditieren, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Medienkampagne mit dem Ziel, jede Form von wirtschaftlicher Tätigkeit chinesischer Firmen in Europa zu erschweren, wenn nicht zu vereiteln. Washington versucht mit allen Mitteln, das industrielle Herz der chinesischen Wirtschaft zu strangulieren: all die Unternehmen, die die meisten Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Exporterlöse Chinas als größtem Wirtschaftsrivalen der Vereinigten Staaten stellen.

    Die Schwierigkeit für Washington besteht allerdings darin, dass die gut entwickelte chinesische Exportindustrie auf westliche Investitionen der vergangenen Jahrzehnte zurückgeht. Getätigt wurden diese Investitionen ab dem Moment, als die USA beschlossen hatten, die Volksrepublik als Gegengewicht zur immer schwächer werdenden UdSSR einzusetzen: Über Jahrzehnte hinweg haben amerikanische und europäische Unternehmen Abermilliarden Dollar in den Aufbau der chinesischen Industrie investiert.

    Aber jetzt versucht das Weiße Haus, dieselben Unternehmen durch Druck dazu zu drängen, nicht nur auf die künftigen Profite aus den Investitionen zu verzichten, sondern auch noch die Kosten für die Rückverlagerung der Produktion auf sich zu nehmen. Denn die Meldung des „Wall Street Journal“ soll offenbar nichts anderes bewirken, als unter europäischen Firmen Angst vor möglichen Enteignungen in China oder vor etwaigen chinesischen Sanktionen zu säen.

    Die chinesische Führung durchschaut diese Taktik im medialen Großangriff und kontert. Die dem chinesischen Außenministerium nahestehende „Global Times“ schreibt:

    „China hat am Dienstag die Meldung des Wall Street Journal, wonach Vergeltungsmöglichkeiten gegen zwei europäische Telekommunikationsausrüster – Nokia und Ericsson – erwogen würden, als Fake-News dementiert, die nur dazu dienen sollen, das gute Verhältnis zwischen China und der EU zu untergraben. Auch wurde erklärt, dass der riesige Markt Chinas für europäische Unternehmen immer offen sein werde. Gegenmaßnahmen gegen die schwedische Ericsson und die finnische Nokia wären (…) ein Widerspruch zur chinesischen Politik der Offenheit, erklärten chinesische Beamte und Branchenkenner.“

    Es scheint zwar paradox, ist aber wahr: Erneut machen sich die Vereinigten Staaten zum Vorkämpfer der Entglobalisierung der Weltwirtschaft – ausgerechnet das Land, das die globalisierte Wirtschaft, wie wir sie kennen, aufgebaut hat. Dass die USA von diesem Entglobalisierungskurs abrücken, ist selbst dann unwahrscheinlich, wenn der nächste US-Präsident Joe Biden heißen sollte. Schließlich hat Bidens Beraterstab einige Eckpunkte von Trumps „wirtschaftlichem Nationalismus“ in dessen Wirtschaftsprogramm aufgenommen. Die Spaltung der Welt in Wirtschaftsblöcke soll offenbar auch nach der Präsidentschaftswahl in den USA vorangetrieben werden – unter der Maxime des wirtschaftlichen Protektionismus mit allen seinen Auswüchsen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    China, Großbritannien, USA, US-Sanktionen, Handelskrieg, Huawei