04:08 04 August 2020
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    Volkswirte des Internationalen Währungsfonds warnen: Die Vormachtstellung des amerikanischen Dollars wird die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie verschlimmern. Davon abgesehen ist die Weltleitwährung selbst gefährdet – vordringlich durch historisch niedrige Zinsen. Investoren flüchten aus dem US-Dollar.

    Es ist eine Last sondergleichen: Nachfrage und Rohstoffpreise brechen weltweit ein, Kapital zieht sich zurück, Lieferketten brechen und der Welthandel lahmt. Unter diesem Druck geben Währungen von Schwellenländern nach, was die Importe verteuert und damit den Konsum erschwert. Darauf weisen IWF-Volkswirte in ihrem Bericht „Leitwährungen und die Grenzen flexibler Wechselkurse“ (Dominant Currencies and the Limits of Exchange Rate Flexibility) hin.

    Eigentlich hatte es die Hoffnung gegeben, Volkswirtschaften, die sich noch entwickeln, könnten die Währungsschwäche zur eigenen Exportförderung nutzen. Doch dieser Schub ist ausgeblieben, weil, so die Analysten, die Exportpreise an den Dollar gebunden seien.

    Nach Angaben des IWF ist die amerikanische Wirtschaft im zweiten Jahresquartal um 37 Prozent geschrumpft, obwohl die US-Regierung seit letzten März unvorstellbare sechs Billionen Dollar in den Heimatmarkt gepumpt hat. Diese Geldpolitik sei eine „präzedenzlose Fördermaßnahme“ – dennoch erwarten Experten für die US-Wirtschaft im Jahresdurchschnitt ein Minus von 6,6 Prozent.

    Volkswirte warnen sogar vor negativen Effekten, die die aggressive Geldpolitik der Federal Reserve auslösen könnte. Fachkreise sprechen vom „historischen Experiment“: Die Dollarpresse arbeite auf vollen Touren und liefere von Realwerten losgelöste Geldscheine. Für die US-Währung bedeute dies einen Tod auf Raten.

    „Weil mehrere Billionen frischgeruckte Dollar in die Wirtschaft hineingeworfen wurden, halten die Menschen das Ganze langsam für Unsinn“, sagt Jared Dillian, Finanzstratege von Mauldin Economics. „Die Regierung trägt die Verantwortung für den Wert der Währung, die sie emittiert. Sonst geht das Vertrauen in die Währung verloren“, erklärt Paul Volcker, ehemaliger Chairman der Federal Reserve.

    Diese geldpolitische Großzügigkeit verstärkt die amerikanische Notenbank durch einen historisch niedrigen Leitzins von nahezu null Prozent. Großanleger wollen von amerikanischen Staatsanleihen nichts mehr wissen: „Wenn ein Staatspapier keinen Zins abwirft oder einen Negativzins generiert, während die Zentralbank Unmengen an Devisen emittiert – was wollen Sie mit so einem Staatspapier dann noch?“ sagt Milliardär Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates. Dabei sind Anleihen die wichtigste Einnahmequelle für den ohnehin mit drei Billionen Dollar überschuldeten amerikanischen Staatshaushalt.

    Unbegründete Vormacht

    Vor der Schuldenlast, die auf den Dollar drückt, warnte schon der berühmte Wirtschaftswissenschaftler Stephen Roach, ehemaliger Chef der Asien-Abteilung der Investmentbank Morgan Stanley. Noch genieße der Dollar „maßlose Privilegien“, sagte der Wirtschaftsweise, aber dessen Zeit sei bald vorbei: 2021 könne die amerikanische Währung ein Drittel ihres Wertes verlieren – ausgelöst durch schnell schrumpfende Spareinlagen der Bevölkerung und stark ansteigende Staatsverschuldung, während die größten Handelspartner der USA die Krise erfolgreich bewältigen würden.

    Roach betont: Die Welt habe immer mehr immer stärkere Zweifel an der einst unumstrittenen Vormachtstellung des Dollars. „Währungen sind ein Ausgleich zwischen der binnenwirtschaftlichen Basis eines Landes und den äußeren Vorstellungen davon, wie stark oder schwach das Land sei. In den USA verschiebt sich dieses Gleichgewicht derzeit rapide, sodass ein Crash in der allernächsten Zeit durchaus wahrscheinlich ist.“

    Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich liegt der Wert des Dollars gegenwärtig bei 33 Prozent über dem Tiefststand von 2011. Aber im nächsten Jahr kann der Dollar wieder auf diesen Tiefpunkt fallen, verursacht durch eine Inflation von 35 Prozent.

    „Ein Währungskurs ist immer eine Preisrelation, die den wirtschaftlichen, finanziellen, sozialen und politischen Zustand eines Landes im Verhältnis zu denselben Parametern anderer Länder abbildet“, erklärt Roach. „Folglich kommen Wechselkursverschiebungen durch Vergleiche der Vereinigten Staaten mit Europa, China und anderen Ländern zustande. Die Prognose, dass der Dollarpreis um 35 Prozent sinkt, basiert auf der Gegenüberstellung der Vereinigten Staaten mit deren größten Handelspartnern.“

    Zusätzliches Risiko ist der beispiellos niedrige Leitzins. Diese ultralockere Geldpolitik in Verbindung mit erheblicher Staatsverschuldung wird die „makroökonomischen Missverhältnisse“ vertiefen, was unweigerlich auf den Wert des Dollars durchschlagen wird.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Coronavirus, USA, US-Dollar